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WIRTSCHAFT
Presseaussendung vom 18.05.2009

Analyse der Sicherheitssituation

Für die Erstellung der vorliegenden Studie, die sich eine umfassende Analyse der regionale Sicherheit und Kriminalität zum Ziel gesetzt hat, wurden auf Basis von Sekundärdaten umfangreiche statistische Bewertungen durchgeführt. Ergebnis dieser nun abgeschlossenen Untersuchung ist ein umfangreiches Daten- und Informationsmaterial zu den Themen der Sozialstruktur, der Kriminalität, zum subjektiven Sicherheitsempfinden sowie zur Berichterstattung in den Medien. 

Erwähnt werden muss, dass diese Analyse nur eine Momentaufnahme sein kann. Für die Herstellung seriöser Vergleichszahlen mit dem Ziel einer regionalen  Sicherheitsanalyse wäre es unabdingbar, diese Studien kontinuierlich fortzuführen.

Unabhängig vom zur Verfügung stehenden Datenmaterial gibt es aber einzelne Größen, die gesondert zu bewerten sind. Dazu zählen Punkte wie die Neigung zur Anzeigeerstattung selbst, sowie eine selektive und über eine längere Zeitreihe nicht kontinuierliche Kategorisierung der Einzeldelikte. Ebenso in die Überlegungen mit einzubeziehen ist, dass sich daraus nur beschränkt lokale oder kleinräumige Entwicklungen nachzeichnen lassen.

1. Zielsetzungen und theoretischer Hintergrund

Ziel einer Kriminologischen Sicherheitsanalyse für eine Region/Stadt ist die Ermittlung eines differenzierten Bildes von Kriminalität innerhalb einer Stadt oder Region. Erfasst werden sollen dabei nicht nur die registrierte (offizielle) Kriminalität, sondern auch die verursachenden Faktoren, das Dunkelfeld und die Reaktionen auf Kriminalität einschließlich des Sicherheitsempfindens der Bevölkerung und der Zufriedenheit mit der Kriminalitätskontrolle. Eine wichtige Ergänzung stellt häufig eine Analyse der Kriminalitätsberichterstattung in den Medien dar.

Besonders problematisch sind dabei offizielle Kriminalitätsdaten, da sie unter anderem von polizeilichen Aktivitäten selbst abhängen. So kann zum Beispiel die registrierte Kriminalität in einem Bereich steigen, wenn die Polizei in diesem Bereich verstärkt kontrolliert, während die Kriminalität tatsächlich aufgrund der verstärkten Kontrolle zurückgeht. Insgesamt hängt die registrierte Kriminalität von vier Faktoren ab:

  • der tatsächlichen Kriminalität (=Dunkelfeld)
  • der Anzeigenneigung der Bevölkerung (Anzeigenneigung)
  • der Reaktion der Polizei (Kontrollintensität)
  • der Registrierung der Kriminalität in der Statistik (=Hellfeld)

Kleinere Kriminologische Regionalanalysen (oder Vorläufer derselben) wurden in Deutschland bereits in den 1980er-Jahren durchgeführt. Größere Beachtung fanden regionale Kriminalitätsanalysen aber erst in den 1990ern, beginnend mit der heute als richtungweisend empfunden Sicherheitsanalyse der Stadt Lübeck (1991).

Weitere Städte, in welchen bereits regionale Sicherheitsanalysen stattgefunden haben, sind unter anderem Bochum, Bonn, Delmenhorst, Essen, Freiburg, Hamburg, Lingen, Lübeck, Weimar, Oldenburg, Neumünster, Osnabrück, Rosenheim, Rostock, Solingen und Suhl. In Österreich hingegen wurden bislang noch keine umfassenden, ganzheitlichen Kriminologischen Regionalanalysen durchgeführt. Studien wurden aber zu Themen wie Kriminalprävention oder Sicherheit betrieben. Somit wird hier erstmals für Österreich eine umfassende kriminologische Sicherheitsanalyse vorgelegt.

2. Ergebnisse der Strukturanalyse

In der nachfolgenden Zusammenfassung werden jene strukturellen Faktoren betrachtet, von denen angenommen wird, dass sie mit einem erhöhten Kriminalitätsrisiko verbunden sind. Als solche gelten sozialstrukturelle Faktoren, die mit Benachteiligungen verbunden sind, wie hohe Bevölkerungsdichte, hohe Arbeitslosen- und Sozialhilfequote, hohe Mobilität, schlechte Bausubstanz und eine belastende Wohnumgebung. Relevant ist zusätzlich der Altersaufbau. So stellt beispielsweise ein höherer Jugendanteil ein größeres Risiko dar, da in der Jugendphase Kriminalität und Delinquenz am höchsten ist. Von Bedeutung ist auch die Branchen- und Beschäftigungsstruktur. So haben etwa touristische Gebiete üblicherweise eine höhere Kriminalität. Auch mit der Anzahl der Beschäftigten kann die Kriminalität ebenfalls steigen, da beispielsweise Wohnungen unbewacht sind. Dies ist auch der Fall bei EinpendlerInnen. Sie (und vor allem ihre PKW) stellen potenzielle Opfer dar.

Der Schwerpunkt liegt zunächst auf den in nachstehender Abbildung dargestellten Variablen. Die genannten Faktoren lassen sich als kriminogene Risikofaktoren interpretieren und werden auch in der Literatur als solche behandelt werden. Wie bereits einleitend erwähnt, wirken diese Variablen aber nur indirekt und erhöhen keinesfalls automatisch die Kriminalität.

Variable Indikatoren Zusammenhang mit Kriminalität und Anmerkung
Flächennutzung Flächennutzung, insbesonders geringer öffentlicher Grünflächenanteil
hoher Verkehrsflächenanteil
hoher Baulandanteil
indirekt stellen Benachteiligungen dar, reduzieren die Handlungsmöglichkeiten in der Wohnumgebung
Bevölkerung und Mobilität hohe Bevölkerungsdichte
hohe Mobilität
erhöhen die Konflikthäufigkeit und erschweren daher aktives Gemeindeleben
Wohnungsbestand Anteil der Ein- und Zweiraumwohnungen
Anteil der Wohnungen bis 40 m2
indirekt, erhöhen die Konflikthäufigtkeit, sofern Wohnungsenge vorliegt
Verlagerung auf Straße
Sozialstruktur Anteil Personen mit geringer Bildung
Anteil arbeitsloser Personen
Anteil MigrantInnen
indirekt, stellen sozioökonomische Benachteiligungen dar, die zu Kriminalität führen können
Altersaufbau Anteil Jugendlicher indirekt, Kriminalität bzw. allgemeiner Delinquanze steigt in der Jugendphase und nimmt anschließend wieder ab
Branchen- und Beschäftigtenstruktur Anteil des Tourismus Beschäftigtendichte indirekt, Tourismus, Vollerwerbstätigkeit und EinpendlerInnen vermehren die Gelegenheit zur Tatbegehung

Im Vergleich zu Wels und Steyr ist eine leicht höhere Kriminalität zu erwarten, da in Linz die Wohnungs-, Bevölkerungs- und Beschäftigtendichten deutlich höher sind. Hinsichtlich des Bildungsstandes und der Binnenwanderung bestehen dagegen keine großen Differenzen. Der Migrationshintergrund ist in Steyr geringer, in Wels höher. Eine einheitliche These in Bezug auf die deutschen Vergleichsstädte ist schwierig, da Linz im Vergleich unterschiedliche Positionen einnimmt.

Bezogen auf die Statistischen Zählbezirke ergibt sich das in folgender Tabelle dargestellte Bild. Gegenstand der Binnendifferenzierung sind die in obiger Abbildung behandelten Indikatoren. Grundsätzlich verfügt Linz über keine extrem starken Belastungsgebiete. Es lassen sich jedoch als Stadtgebiete mit höheren sozialstrukturellen Belastungen das Franckviertel, das Andreas-Hofer-Platz-Viertel, das Neustadtviertel, das Wankmüllerhofviertel, das Makartviertel und Alt-Urfahr feststellen. Zum Franckviertel sei angemerkt, dass die Daten einen Wandel seit 2004 nicht erfassen, der in diesem Gebiet stattgefunden hat.

GRÜN VERK BAU BEVD MOBI EWO KWO ALO MIGRA JUG SUMME
15 Franckviertel x x x x x x 6
13 Andreas-Hofer-Platz-Viertel x x x x x 5
04 Neustadtviertel x x x x 4
12 Wankmüllerhofviertel x x x x 4
14 Makartviertel x x x x 4
26 Alt-Urfahr x x x x 4
01 Altstadtviertel x x x 3
03 Kaplanhofviertel x x x 3
05 Volksgartenviertel x x x 3
11 Spallerhof x x x 3
18 Neue Welt x x x 3
22 Wegscheid x x 2
23 Schörgenhub x x 2
29 Harbachsiedlung x x 2
09 Keferfeld x 1
10 Bindermichl x 1
16 Hafenviertel x 1
20 Bergern x 1
24 Kleinmünchen x 1
25 Ebelsberg x 1
36 Elmberg x 1
02 Rathausviertel 0
06 Römerberg-Margareten 0
07 Freinberg 0
08 Froschberger 0
19 Scharlinz 0
21 Neue Heimat 0
27 Heilham 0
28 Hartmayrsiedlung 0
30 Karlhofsiedlung 0
31 Auberg 0
32 Pöstlingberg 0
33 Bachl-Gründberg 0
34 St. Magdalena 0
35 Katzbach 0

GRÜN = geringer Gründlandanteil
VERK = hoher Verkehrsflächenanteil
BAU = hoher Baulandanteil
BEVD = hohe Bevölkerungsdichte
MOBI = hohe Mobilität
EWO = hoher Anteil von Ein- und Zweiraumwohnungen
KWO = hoher Anteil von Wohnungen bis 40m2
ALO = hoher Arbeitslosenanteil
MIGRA= hoher Migrationsanteil
JUG = hoher Anteil Jugendlicher (15-19-Jähriger)

14 Linzer Stadtteile wiesen keine kriminogenen Belastungen auf, sieben weitere lediglich eines von zehn Merkmalen. Acht weitere Stadtgebiete verfügen über zwei oder drei strukturelle Belastungen. Mit sechs von zehn Indikatoren ist das Franckviertel das modellhaft am stärksten belastete Gebiet, wobei die in diesem Gebiet seit 2004 erfolgte Entwicklung nicht berücksichtigt ist.

3. Ergebnisse der Analyse der Kriminalitätsdaten

Im Kalenderjahr 2008 wurden in der polizeilichen Kriminalstatistik 20 699 strafbare Handlungen mit Tatort Linz registriert. Das entspricht einer Häufigkeitszahl von 10 923 Straftaten je 100 000 EinwohnerInnen.

Registrierte Kriminalität in Linz

Jahr Straftaten Häufigkeitszahl Aufklärungsrate Tatverdächtige Kriminalitätsbelasungszahl
2001 18 502 10 083 42 Prozent - -
2002 19 864 10 847 45 Prozent - -
2003 22 073 11 932 40 Prozent - -
2004 22 738 12 208 43 Prozent - -
2005 21 228 11 306 43 Prozent - -
2006 20 014 10 591 42 Prozent 8 444 4 468
2007 21 645 11 432 40 Prozent 9 203 4 860
2008 20 699 10 923 42 Prozent - -

Häufigkeitszahl: Straftaten je 100 000 Einwohner
Kriminalitätsbelastungszahl: Tatverdächtige je 100 000 Einwohner
-: keine Angaben vorhanden

Die Deliktstruktur ist von Vermögenskriminalität dominiert. 67,7 Prozent aller 2008 in Linz erfassten Straftaten sind gegen fremdes Vermögen gerichtet.

Deliktstruktur in Linz (Beobachtungsjahr 2008)

Deliktstruktur in Linz

Anm: Verletzungs- und Tötungsdelikte einschließlich Gewalt im Straßenverkehr

Die Deliktgruppe „Strafbare Handlungen gegen Leib und Leben“ erfasst auch die im Straßenverkehr durch Verkehrsunfälle entstehenden Körperverletzungen. Rechnet man die sich im Straßenverkehr ergebenden Beeinträchtigungen der körperlichen Unversehrtheit heraus, sinkt der Anteil der Gewaltdelikte beträchtlich. Nach einer solchen Bereinigung wird man den Anteil der veritablen Gewaltkriminalität mit ungefähr einem Zehntel der in Linz dokumentierten Gesamtdelinquenz ansetzen dürfen.

Separiert nach einzelnen Delikten findet man eine herausragende Stellung der Diebstahlsdelikte. Ein Drittel aller in Linz registrierten Straftaten sind als Diebstahl zu klassifizieren.

Orientiert man sich an der Häufigkeit des Auftretens einzelner Delikte, ist bereits an zweiter Stelle der Einbruchsdiebstahl zu nennen. Bei 17 Prozent aller 2006 in Linz verzeichneten Straftaten handelt es sich um Fälle von Einbruch. Umgerechnet in Häufigkeitszahlen ergibt sich daraus ein Aufkommen von 1 786 Einbruchshandlungen je 100 000 StadtbewohnerInnen.

Als dritthäufigstes Delikt ist die Sachbeschädigung dokumentiert. Ein Achtel aller in Linz registrierten Straftaten fällt in diesen Bereich.

Einer gesonderten Erwähnung bedarf noch die Suchtmittelkriminalität. 6 Prozent aller zur Anzeige gebrachten Straftaten beziehen sich auf Suchtmitteldelikte. Dabei dominieren Tathandlungen im Zusammenhang mit „nicht großen Mengen“ und ohne Mitgliedschaft in „kriminellen Vereinigungen“ – also die leichteren Fälle des Suchtmittelgesetzes.

Legt man den Schwerpunkt der Betrachtung auf die zeitliche Entwicklung der Kriminalität, kann man gegenüber 2001 eine Zunahme der amtlich dokumentierten Delinquenz mit Tatort Linz feststellen. 2001 wurde als Bezugsjahr bestimmt, weil im Laufe des Jahres 2000 innerhalb der Polizeilichen Kriminalstatistik größere Systemumstellungen vorgenommen wurden, die eine Vergleichbarkeit der Deliktszahlen mit früheren Jahren in Frage stellen. Gegenüber 2001 ergibt sich 2007 ein Kriminalitätszuwachs von 17 Prozent, wobei der Anstieg nicht kontinuierlich verlief, sondern jährlichen Schwankungen unterworfen war.

Die Aufklärungsrate misst den prozentualen Anteil der in einem Beobachtungsjahr geklärten an den im gleichen Jahr bekannt gewordenen Straftaten. Für 2008 ist die Aufklärungsquote aller angezeigten Delikte der Linzer Polizeibehörden mit 42,3 Prozent zu beziffern. Nimmt man die – in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfassten – „kriminologischen“ Tatbestände als Gradmesser, so beträgt die Aufklärungsquote 30,6 Prozent.
 
Die durchschnittliche Aufklärungsrate ist wenig aussagekräftig, da sie stark nach Delikt schwankt. Suchtmitteldelikte werden nahezu ausnahmslos geklärt. Hier wird bei der Anzeige meist schon ein bestimmter Tatverdächtiger genannt. Ähnlich bei den vorsätzlichen Körperverletzungen: Die Aufklärungsquote liegt hier im Bereich von drei Vierteln. Raubdelikte werden in weniger als der Hälfte der Fälle gelöst, Sachbeschädigungen in gut einem Drittel der Fälle. Beim Diebstahl liegt die Aufklärungsrate unter einem Viertel. Besonders drastisch gestaltet sich die Situation beim Einbruchsdiebstahl: Nur 6 Prozent der Einbruchshandlungen können einem konkreten Täter zugeordnet werden.

4. Ergebnisse der Analyse des Sicherheitsempfindens

Zur Analyse des Sicherheitsempfindens der Stadtbevölkerung wurden Befragungsdaten aus dem Jahr 2004 herangezogen. Als Hauptergebnis zweier Umfragen, die unabhängig voneinander durchgeführt wurden, wird man eine durchaus ansprechende Sicherheitslage festhalten dürfen. Nur ein Fünftel aller LinzerInnen äußert Gefühle der Unsicherheit. Acht Prozent halten ihre Wohngegend explizit für gefährlich. Fünf Prozent gehen davon aus, im nächsten Jahr einer Straftat zum Opfer zu fallen. Verstöße gegen die öffentliche Ordnung und andere Belästigungen und Misshelligkeiten stellen in Linz eine zu vernachlässigende Größe dar. Ganz im Einklang mit dieser positiven Bewertung der Sicherheitsverhältnisse der Stadt zeigen sich die BürgerInnen auch mit der Tätigkeit der Sicherheitsbehörden recht zufrieden.

Wenn auch die Gesamtsituation als günstig zu beurteilen ist, lässt eine Aufschlüsselung nach Stadtteilen regionale Unterschiede erkennen. Mit Blick auf das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung wird ein Nord-Süd-Gefälle erkennbar. Während sich im Norden von Linz rund 42 Prozent der Befragten sehr sicher fühlen, so sind dies nur mehr rund 19 Prozent im Süden und ein Drittel in Linz-Mitte.

Ein ähnliches Ergebnis findet sich auch bei der deliktspezifischen Kriminalitätsfurcht. Hier wurden die ProbandInnen gefragt, wie sehr sie sich durch verschiedene Straftaten und Übergriffe beunruhigt fühlen – was die emotionale Komponente der Kriminalitätsfurcht darstellt. Das zusammenfassende Ergebnis dieser Einschätzung ist, dass rund zehn Prozent der Befragten im Norden sich sehr oder ziemlich beunruhigt fühlen. Im Süden fällt dieser Anteil mehr als doppelt so hoch aus (22 Prozent).

Betrachtet man diese Ergebnisse auf Stadtteilebene, kann man aufgrund des Antwortverhaltens der befragten Bevölkerung folgende drei Stadtteile als relative Problemgebiete lokalisieren:

  • Neue Welt, Scharlinz, Kleinmünchen, Schörgenhub (östl. A7)
  • Franck- und Hafenviertel
  • Wegscheid, Neue Heimat, Schörgenhub (westl. A7)

Das Hafenviertel, die Neue Welt und Wegscheid bilden in der Strukturanalyse gemeinsam ein Cluster mit einem überdurchschnittlichen Ausmaß an sozialer Desorganisation. Kleinmünchen und Neue Heimat sind Statistische Zählbezirke mit einer hohen Bevölkerungsdichte und bilden gemeinsam mit Kaplanhofviertel, Bindermichl, Spallerhof und Wankmüllerhofviertel ein Cluster. Das Franckviertel schließlich ist ein Gebiet mit hohen sozialen und räumlichen Belastungen in allen Bereichen. Nochmals sei darauf hingewiesen, dass Änderungen nach 2004 nicht erfasst sind. Auch andere statistische Zählbezirke mit einem höherem Belastungsausmaß folgen auf den nächsten Plätzen. So nimmt beispielsweise der aus dem Andreas-Hofer-Platz-, dem Markart- und Wankmüllerhofviertel gebildete Stadtteil den vierten Platz ein. Die beiden ersten Viertel gehören zu sozialstrukturell benachteiligteren Gebieten. 

Verteilung der Belastungen auf die Stadtteile

GEFAHR SI-HEIT VANDA RAD TASCHE WOHN KFZ KV SUMME
Neue Welt, Scharlinz, Kleinmünchen, Schörgenhub (östl. A7) x x x x x x x x 8
Franck-, Hafenviertel x x x x x x x 7
Wegscheid, Neue Heimat, Schörgenhub (westl. A7) x x x x 4
Andreas-Hofer-Platz-, Mkar-, Wankmüllerhofviertel x x 2
Volksgarten-, Neustadtviertel x 1
Ebelsberg x 1
Pichling x 1
Pöstlingberg, Auberg, Alt-Urfahr 0
Karlhof-, Hartmayr-, Harbachsiedlung, Heilham, Bachl-Gründberg 0
St. Magdalena, Elmberg, Katzbach 0
Altstadt-, Rathaus-, Kaplanhofviertel, Römberger-Margarethen 0
Frosch-, Freinberg 0
Keferfeld, Bergern, Bindermichl, Spallerhof 0

GEFAHR = gefährliche Wohngegend
SI-HEIT  = geringes Sicherheitsgefühl
VANDA = große Angst vor Vandalismus
RAD  = große Angst vor Fahrraddiebstahl
TASCHE = große Angst vor Taschendiebstahl
WOHN = große Angst vor Wohnungseinbruch
KFZ = große Angst vor Kfz-Diebstahl
KV = große Angst vor Körperverletzung.

Anmerkung: In die Abbildung wurden jene drei Stadtteile als belastet eingetragen, welche die jeweils höchsten Werte der Furcht sowie die geringsten Werte des Sicherheitsgefühles aufweisen.

Stellt man die bisher skizzierten Befunde zusammen, wird ersichtlich, dass ein allerdings keinesfalls eindeutiger Zusammenhang des Sicherheitsempfindens mit den sozialstrukturellen Benachteilungen besteht. In sozialstrukturell belasteten Teilen der Stadt lässt sich häufig ein reduziertes Sicherheitsempfinden der Bevölkerung beobachten. Dieses Ergebnis stimmt mit Erkenntnissen der Kriminalitätsfurchtforschung gut überein, die darauf hindeuten, dass Kriminalitätsfurcht Ausdruck allgemeiner Verunsicherungen ist.

Des Weiteren wurde das Sicherheitsempfinden der Linzer BürgerInnen mit deutschen Städten verglichen. Im Städtevergleich verfügt Linz über ein hohes Sicherheitsgefühl und eine geringe Kriminalitätsfurcht. Die vergleichsweise ansprechende subjektive Sicherheitslage in der oberösterreichischen Landeshauptstadt spiegelt ein in international vergleichenden Untersuchungen häufig beobachtetes Ergebnis, wonach Österreich sich von anderen Ländern durch ein verhältnismäßig niedriges Furchtniveau abhebt.

5. Ergebnisse der Analyse der Kriminalitätsberichterstattung

In diesem Teil der Sicherheitsanalyse galt es unter anderem zu klären, ob sich die Medienberichterstattung über Kriminalität in Linz von jener in Randgemeinden oder den Statutarstädten Steyr und Wels unterscheidet. Hierzu kann festgehalten werden, dass sich mehr als ein Viertel (26,4 Prozent) der ausgewerteten Artikel auf Linz bezog. Im Vergleich zur Berichterstattung über Steyr und Wels ergibt sich ein Linz-Bias: Es wird deutlich häufiger über Linzer Vorkommnisse berichtet, als über Vorkommnisse in Steyr oder Wels. Auch im Vergleich zur Offizialstatistik zeigt sich, dass deutlich häufiger über Kriminalität in den Medien berichtet wird, als Fälle in der Polizeilichen Kriminalstatistik angeführt sind. Vermutliche Ursache für diesen Linz-Bias ist die Tatsache, dass die Redaktionen der Zeitungen ihren Sitz in Linz haben.

In den Medien treten mit Ausnahme der Linzer Rundschau keine Unterschiede auf. Alle Medien weisen denselben Linz-Bias auf. Die Neue Kronenzeitung, die -Nachrichten, Österreich und die Sonntagsrundschau nehmen durchgehend zwischen 27 Prozent und 28 Prozent Artikel mit Linz-Bezug auf. Lediglich die Linzer Rundschau weist einen höheren Anteil auf: In dieser Zeitung betreffen knapp drei Viertel (72,7 Prozent) der Artikel die Kriminalität und abweichendes Verhalten in Linz, was aber durch den dezidierten Linzbezug der Linzer Rundschau verständlich ist.

In Bezug auf die räumliche Verteilung der Berichte über Linz fällt auf, dass ein beträchtlicher Anteil der Vorfälle in der Innenstadt lokalisiert wurde. Knapp 35 Prozent der Linzer Berichte, welche eindeutig einer Gebietseinheit zugeordnet werden konnten (n=141), entfallen auf die Innenstadt, die Altstadt oder das Rathausviertel – was den Stadtkern von Linz darstellt. Ein weiteres knappes Drittel (31,2 Prozent) entfällt auf den Süden von Linz, wovon hier insgesamt zwölf Nennungen (27,3 Prozent) den gesamten Linzer Süden betreffen, zehn Nennungen (22,7 Prozent) lediglich Ebelsberg und weitere sieben (15,9 Prozent) Kleinmünchen. Die restlichen Nennungen entfallen auf die Neue Heimat (fünf Nennungen), Wegscheid (vier Nennungen), Auwiesen (drei Nennungen), Pichling (zwei Nennungen) und schließlich auf die Neue Welt (eine Nennung). Der Norden von Linz und die restliche Linz-Mitte (ohne Innenstadt, Altstadt und Rathausviertel) sind nur mehr in jeweils rund 17 Prozent der Artikel angeführt. Somit fällt deutlich auf, dass der Stadtkern von Linz sowie der Süden in den Medien sehr stark repräsentiert sind, der Norden aber eher unauffällig ist.

Keine beachtenswerten Differenzen im oberösterreichischen Regionalvergleich ergeben sich bei der Positionierung der Kriminalitätsberichte, bei der Art des Artikels (Verbrechensmeldung, Berichte über Kriminalitätskontrolle) sowie bei der Metainformation der Artikel und Überschriften. Rund 90 Prozent der Berichte über Kriminalität und abweichendes Verhalten sind im Blattinneren positioniert, der Rest verteilt sich zu annähernd großen Anteilen auf Titelseiten sowie besondere Positionen im Blattinneren.

Bezüglich der Art des Artikels bleibt festzuhalten, dass rund drei Viertel (74,4 Prozent) der Berichte Verbrechensmeldungen darstellen. Der Rest entfällt vorwiegend auf Berichte über Gerichtsverhandlungen, das subjektive Sicherheitsempfinden sowie Kriminalitätskontrolle.

Metainformationen der Artikel beziehen sich vorwiegend auf die Art der Überschrift und die Art der Artikel, das heißt, ob diese neutral verfasst wurden oder nicht. Hier bleibt festzuhalten, dass rund zwei Drittel der Artikel und Überschriften Neutralität aufweisen. Jedoch entfallen noch beträchtliche Anteile auf die Kategorien „hetzend“, „verunsichernd“, „Partei ergreifend gegen TäterIn“ sowie „Partei ergreifend für Opfer“. Insgesamt betrachtet hat eine Zunahme der Neutralität der Berichterstattung seit 2004 stattgefunden. Während 2004 nur 54,1 Prozent der Artikel und 61,9 Prozent der Überschriften als neutral klassifiziert wurden, betrug sowohl der Anteil der neutralen Artikel als auch jener der Überschriften im Jahr 2007 jeweils 71,1 Prozent.

In Bezug auf etwaige Ursachendiagnosen und vorgeschlagene Lösungsansätze lässt sich beobachten, dass für Linz im Vergleich zu Steyr und Wels weniger Ursachendiagnosen in den Artikeln zu finden sind (25,7 Prozent in Linz versus 30,9 Prozent in Wels und 33,3 Prozent in Steyr), jedoch am häufigsten Lösungsansätze angeboten werden (19,7 Prozent in Linz versus 14,8 Prozent in Wels und 12,5 Prozent in Steyr). Als Lösungsansätze werden vor allem „law and order“-Aspekte, „mehr Polizei“ und die „Beseitigung von StörerInnen“ angeboten.

6. Zusammenfassung

Ziel einer regionalen Sicherheits- oder Kriminalanalyse ist die Bereitstellung von Informationen zur Sozialstruktur, zur Kriminalität, zum Sicherheitsempfinden und zur Kriminalitätsberichterstattung in einer Region / Stadt mit Bezug zu anderen Städten / Regionen, einer inneren Differenzierung und in zeitlicher Entwicklung. Entsprechend dieser Zielsetzung wurden auf der Basis von Sekundärdaten umfangreiche statistische Analysen durchgeführt, über deren Ergebnisse in Teilberichten detailliert informiert wird. Eine Zusammenfassung wurde in den vorausgehenden Abschnitten vorgenommen.

Die vorliegende Analyse ist eine Momentaufnahme. Zielsetzung regionaler Sicherheitsanalysen muss aber die Etablierung einer fortlaufenden Sicherheitsberichterstattung sein. Eine Dokumentation lokaler Entwicklungsprozesse versetzt Exekutive und Kommunalpolitik in die Lage, die Entstehung sozialer Brennpunkte frühzeitig zu erkennen und der Entwicklung von „Kriminalitätszentren“ bereits im Ansatz zu begegnen. Bei künftigen Erhebungen sollten die methodischen Schwächen und Unzulänglichkeiten der vorliegenden Studie aus dem Weg geräumt werden. Diese sind:

  • Begrenzte Aussagekraft der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik:
    Eine Analyse der objektiven Sicherheitssituation anhand der den Sicherheitsbehörden gemeldeten Straftaten bleibt auf einen systematisch verzerrten, kleinen Ausschnitt des Kriminalitätsgeschehens beschränkt. Da der Selektionsvorgang selbst eine veränderliche Größe darstellt – Anzeigeneigung und Kontrollintensität sind wandelbare Entitäten –, ermöglicht eine Auswertung offizieller Kriminalitätsstatistiken nur in eingeschränktem Maße Rückschlüsse auf die Entwicklung der tatsächlichen Delinquenzbelastung.
     
  • Fehlende kleinräumige Differenzierung
    Die Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik ermöglichen keine detailliertere Aufschlüsselung nach Stadtteilen oder einzelnen Polizeiinspektionen. Der Sicherheitsmonitor der Exekutive wäre solchen Binnendifferenzierungen grundsätzlich zugänglich, ist in seiner derzeitigen Form für wissenschaftliche Analysen aber noch nicht ausgereift. Eine Aufhellung der Kriminalitätslage in einzelnen Gebietseinheiten der Stadt bleibt damit verwehrt.

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