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STADTPLANUNG/BAU
Presseaussendung vom 20.08.2009

Schwebende Verfahren des Bundesdenkmalamtes

Stadt Linz geht in die Berufung: 
Gleichheitsgrundsatz wurde verletzt
Sanierungen für zeitgemäßes Wohnen in Gefahr 
Teils groteske Entscheidungen zurücknehmen!

Die inhaltlichen Auffassungsunterschiede zwischen der Stadt Linz und dem Bundesdenkmalamt gehen in eine nächste Runde. Die Landeshauptstadt hat gegen Bescheide der Denkmalschützer Einspruch erhoben. In zwei Bescheiden des Bundesdenkmalamtes aus den Jahren 2007 und 2008 sind insgesamt sind 260 verschiedene Gebäude per Verordnung unter Denkmalschutz gestellt worden. Neben zahlreichen historisch bedeutenden Objekten, die außer Streit stehen, werden ganze Wohnanlagen aus der NS-Ära bzw. Nutzbauten wie die Nibelungenbrücke oder Wasserspeicher, die Wegeführungen des Botanischen Gartens oder zahlreiche Schulgebäude wie die Korefschule denkmalgeschützt..

„Durch den Denkmalschutz von Wohnanlagen wird die Sanierung der Gebäude erschwert oder teilweise verhindert. Die dadurch entstehenden Kostensteigerungen gehen zu Lasten der MieterInnen. Bei der geplanten Sanierung der Wohnanlage an der Gruberstraße würden sich die Kosten für den Vollwärmeschutz von 350 000 auf 700 000 Euro verdoppeln“, weiß der Linzer Planungsstadtrat Klaus Luger.

Zu den Kuriositäten, die in Linz unter Denkmalschutz gestellt wurden, gehören einige Figurenbildstöcke oder Kleindenkmale im Volksgarten ebenso wie die Mauer am Urfahraner Friedhof in der Nähe des Jahrmarktgeländes. Auf besonderes Unverständnis seitens der Stadt-ExpertInnen stoßen die nunmehr geschützten elf Beleuchtungskörper an der Figulystraße, deren Betonmasten nicht einmal mehr im Originalzustand vorhanden sind. Ebenso ins Visier der Denkmalschützer geriet der Luftschutzbunker im Park des Andreas-Hofer-Platzes, dessen Erhalt eine großzügige Gestaltung des Parks in einem dicht besiedelten Wohngebiet verhindert.

Der Schutz der Nibelungenbrücke, der GWG-Anlage an der Sintstraße und zahlreicher anderer GWG-Wohnbauten aus der Zeit der NS-Diktatur liegen im Zentrum des Konflikts zwischen Stadt und Denkmalamt. Im Zusammenhang mit der Nibelungenbrücke und dem Brückenkopf-Ensemble stößt sich Stadtrat Luger vor allem an der Begründung des Bundesdenkmalamtes: Im Bescheid vom 22. Dezember 2008 wird angeführt, die Brücke und die Brückenkopfgebäude seien deshalb unter Schutz zu stellen, weil Adolf Hitler persönlich in die Planungen eingegriffen habe. Angesichts der Millionen Menschen, die durch die NS-Diktatur ihr Leben verloren, wirke diese Amtsaussage befremdend und bedenklich.

Insgesamt führt die Stadt in ihren Einsprüchen verfahrenstechnische Mängel seitens des Denkmalamtes an. Selbst wenn es sich im gegenständlichen Fall um ein Verordnungsverfahren handelt, das nicht die gutachterliche Tiefe wie ein bescheidmäßiges Unterschutzstellungsverfahren aufweisen muss, ist jedoch auch für die gegenständliche Verordnung vom Verordnungsgeber eine kurze gutachterliche Angabe, warum die gegenständliche Objekte besonders erhaltungswürdig sind und deren Erhaltung im öffentlichen Interesse gelegen ist, zu fordern. Die Verordnung entspräche selbst diesen geringen Maßstäben nicht und sei durchaus als gesetzwidrig anzusehen, sagt die Stadtplanung des Linzer Magistrates.

Darüber hinaus kritisiert Stadtrat Luger, dass es durch eine Verordnung wie die gegenständliche nicht zu einer Ungleichbehandlung der Grundeigentümer vor dem Denkmalschutzgesetz kommen darf. Dies sei jedoch der Fall, indem beispielsweise Wohnbauten aus der NS-Zeit, die sich im Eigentum der Stadt Linz bzw. der städtischen Wohnungsgesellschaft GWG befinden, unter Denkmalschutz gestellt werden, jene, die sich im Eigentum von nicht städtischen Wohn- und Genossenschaften befinden, hingegen nicht.

Ebenfalls vernichtend wirkt die städtische Kritik hinsichtlich der ausgewählten Objekte. Diese ließen weder eine Systematik noch einen Bezug zur Stadtlandschaft und ihren Stadtvierteln erkennen. Stadtrat Luger fordert deshalb die Reduzierung der denkmalgeschützten Gebäude, vor allem der Wohnanlagen!

Rechtliche Rahmenbedingungen des Denkmalschutzes

Denkmalschutz hat immer zwei Komponenten. Das Gebäude oder Objekt muss von geschichtlicher, künstlerischer oder sonstiger kultureller Bedeutung sein. Außerdem muss das öffentliche Interesse an der Erhaltungswürdigkeit gegeben sein.

Vorläufige Unterschutzstellung: Frist bis 31. Dezember 2009

Der vermutete Denkmalschutz wird unmittelbar aus dem Denkmalschutzgesetz heraus verhängt. Er gilt für Denkmale im Eigentum des Bundes, eines Landes oder von anderen öffentlich-rechtlichen Körperschaften und damit auch von einer Gemeinde wie der Stadt Linz.

Dieser vorläufige Denkmalschutz läuft am 31. Dezember 2009 aus, wenn diese Denkmale nicht mit einer Denkmalschutzverordnung erfasst werden.

Unterschutzstellung durch Verordnung

Dabei handelt es sich um eine verlängerte vorläufige Unterschutzstellung für unbewegliche Denkmale. Dadurch ergeben sich dieselben Rechtsfolgen wie bei einer gesetzlichen Unterschutzstellung. Es wird vorausgesetzt, dass es sich um ein Denkmal handelt, beim dem ein öffentliches Interesse an der Erhaltung mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist. Durch dieses Verfahren wird der Rechtsschutz der Eigentümer wesentlich beschränkt.

Denkmale verlieren diesen Schutz am 1. Oktober 2010 nicht mehr.

Unterschutzstellung durch Bescheid

Der Denkmalschutz durch einen Bescheid wäre das Regelverfahren. Bei diesem normalen Verwaltungsverfahren mit Gutachtenspflichten sowie Stellungnahme- und Rechtsschutzmöglichkeiten werden die Rechte der Eigentümer besser gewahrt als beim Denkmalschutz durch Verordnung. Einleitung und Durchführung des Verfahrens werden vom Bundesdenkmalamt (BDA) selbst veranlasst.

Unterschutzstellungen durch Verordnungen des Bundesdenkmalamtes vom 30. November 2007, vom 4. Dezember 2008 und vom 23. März 2009

Im Bescheid des Bundesdenkmalamtes aus dem Jahr 2007 sind 38 verschiedene Gebäude unter Denkmalschutz per Verordnung gestellt worden. Neben Objekten, die außer Streit stehen, wie etwa das Prunerstift, werden auch die Wegeführungen des Botanischen Gartens geschützt oder viele Schulen wie etwa die Korefschule.
Im Bescheid vom Dezember 2008 werden weitere 222 Denkmale per Verordnung unter Schutz gestellt. Neben nachvollziehbaren Unterschutzstellungen für Linzer Kirchen gibt es auch hier strittige Punkte. So sollen etwa die ganze Gründberg- und die Harbachsiedlung der GWG unter Schutz gestellt werden. Probleme, Zeitverzögerungen und vor allem Kostensteigerungen für die MieterInnen bei der Renovierung sind damit vorprogrammiert.

Im Ergänzungsbescheid vom 23. März des heurigen Jahres sind beispielsweise die 11 Beleuchtungskörper mit Betonmasten an der Figulystraße unter Denkmalschutz gestellt worden.

Kuriose Entscheidungen des Denkmalschutzes in Linz

Zu den Kuriositäten, die in Linz unter Denkmalschutz gestellt wurden, gehören einige Figurenbildstöcke oder Kleindenkmale im Volksgarten ebenso wie die Mauer am Urfahraner Friedhof an der Friedrichstraße.

Die 11 Beleuchtungskörper an der Figulystraße sind Betonmasten in schlechtem Zustand und auch nicht mehr im Originalzustand. Schon aus Sicherheitsgründen müssten sie demnächst erneuert werden. Die zwei Portalpfeiler an der Lustenauerstraße sind die Reste eines Ensembles, das nicht mehr besteht. Der Luftschutzbunker mitten im Park des Andreas-Hofer-Platzes ist ein zweigeschoßiger Betonbau ohne jede architektonische Qualität und verhindert eine großzügige Gestaltung des Parks in einem dicht besiedelten Wohngebiet.

 Objekt unter Denkmalschutz  Standort
Mauer Urfahraner Friedhof Friedrichstraße 20
Wasserreservoir Wambacher Straße 82
Figurenbildstock Hl. Nepomuk Ebelsberg
Alle Kleindenkmale Volksgarten
Wasserreservoir Auf der Gugl 1

Figurenbildstock Hl. Nepomuk

Ottensheimer Straße
Figurenbildstock Leonfeldner Straße 3
11 Beleuchtungskörper Figulystraße
Portalpfeiler Lustenauerstraße
Bunker Winterhafen
Jugendzentrum Lederergasse 7
Stadtgärten Thurnermeisterhof

Denkmalschutz für die Friedhofsmauer in Urfahr

Denkmalschutz für die Friedhofsmauer in Urfahr

Elf Beleuchtungskörper an der Figulystraße stehen unter Denkmalschutz

Elf Beleuchtungskörper an der Figulystraße stehen unter Denkmalschutz

Inhaltliche Konflikte zwischen Stadt Linz und Bundesdenkmalamt

Durch den Schutz der Nibelungenbrücke samt Brückenkopfbauten, der GWG-Anlage an der Sintstraße und zahlreicher anderer GWG-Wohnanlagen aus der Zeit der NS-Diktatur sowie des Luftschutzbunkers mitten im Park am Andreas-Hofer-Platz ergeben sich schwerwiegende Interessenskonflikte zwischen dem BDA (Bundesdenkmalamt) und der Stadt Linz.

 Objekt unter Denkmalschutz  Standort
Nibelungenbrücke Innenstadt
GWG-Wohnanlage Sintstraße
GWG-Wohnanlage Unionstraße 50-70
GWG-Wohnanlage Gruberstraße 66-78
GWG-Wohnanlage Gruberstraße 65/67
GWG-Wohnanlage Wimhölzelstraße 17-37
GWG-Wohnanlage Franckstraße 50-66
GWG-Wohnanlage Hittmairstraße 16-66
GWG-Wohnanlage Füchselstraße 21,23
GWG-Wohnanlage Am Anger 6,7
GWG-Wohnanlage Leonfeldner Straße 94-130
Evangelische Kirche Hörschingergut mit Umfriedung
GWG-Wohnanlage  Im Bachlfeld 30-38
GWG-Wohnanlage Leonfeldner Straße 66-92
Luftschutzbunker Andreas-Hofer-Platz

GWG-Wohnanlage Sintstraße: Entscheidung im Herbst 2009

Das Bundesdenkmalamt hat angekündigt, diesen Herbst eine Entscheidung im Zusammenhang mit der Unterschutzstellung der Wohnanlage Sintstraße bekannt zu geben. Insgesamt 18 Häuser an der Sintstraße 3 bis 37 hat das Bundesdenkmalamt mit Bescheid vom 26. Juli 2005 unter Denkmalschutz gestellt. Das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur hob diesen Bescheid in letzter Instanz auf.

Denkmalschutz bei Wohnbauten: Zeitgemäße Sanierungen teilweise unmöglich, Kostensteigerungen für MieterInnen

Durch den Denkmalschutz von Wohnanlagen wie etwa aus der Zeit der NS-Diktatur ergeben sich zahlreiche Probleme bei der Sanierung der Gebäude. Die dadurch entstehenden Kostensteigerungen gehen zu Lasten der MieterInnen.

Lifteinbauten werden dabei ebenso erschwert wie Balkonnachrüstungen oder die Sanierung von alten Stiegenhäusern, die oft noch aus Holz sind.

Damit die Fensterlaibungen nicht zu tief werden, darf nur ein Vollwärmeschutz mit 8 Zentimetern Stärke angebracht werden. Der Standard im Wohnbau liegt aber bei mindestens 16 cm Stärke. Außerdem müssen kostenintensivere Materialien verwendet werden. Eine Regelung, die es beispielsweise in Wien nicht gibt. Dort dürfen auch normale EPS-Platten in der notwendigen Stärke verwendet werden.

Statt der üblichen Kunststofffenster müssten auf Wunsch des Denkmalamtes teure Holzkastenfenster eingebaut werden, die auch die notwendigen Dämmwerte nicht erfüllen und in der Wartung mehr kosten.

Gruberstraße 66-78: Verdoppelung der Kosten für Vollwärmeschutz

Für die geplante Sanierung dieser GWG-Wohnanlage dürfen im Gegensatz zu Wien keine EPS-Dämmplatten verwendet werden. Die erlaubten Materialien wie Mineralschaum oder Holzfaser haben einen höheren Preis und einen schlechteren Dämmwert. Um die Förderung des Landes Oberösterreich für die Wohnanlage zu erhalten, muss die Materialdicke erhöht werden. Dies führt zu einer weiteren Verteuerung für die MieterInnen. Schließlich ist auch noch ein stärkerer Oberputz mit anderer Körnung notwendig, der die Kosten für die MieterInnen ein drittes Mal in die Höhe treibt. In Summe würden sich die Kosten für den Vollwärmeschutz von 350 000 Euro auf 700 000 Euro verdoppeln.

Berufung der Stadt Linz: Denkmalschutz für Nibelungenbrücke, Brückenkopfgebäude und Gleißner-Haus

Mit Bescheid des Bundesdenkmalamtes vom 22. Dezember 2008 wurde festgestellt, dass die Erhaltung der „Denkmalanlage“ Nibelungenbrücke mit Brückenkopfgebäuden im öffentlichen Interesse gelegen ist. Gegen diesen Bescheid hat die Stadt Linz das Rechtsmittel der Berufung erhoben.

Besonders die Begründung des Bundesdenkmalamtes, die Brücke und die Brückenkopfgebäude seien deshalb unter Schutz zu stellen, weil Adolf Hitler persönlich in die Planungen eingegriffen habe, wirkt angesichts der Millionen Menschen, die durch die NS-Diktatur ihr Leben verloren, für die Stadt Linz befremdend und bedenklich.

Faksimile/Quelle: Bescheid des BDA, 22. Dezember 2008

Quelle: Bescheid des BDA, 22. 12. 2008

Die Berufung der Stadt Linz konzentriert sich auf folgende Argumentation:

Nibelungenbrücke: Kein besonderes Denkmal

Die Ausführung als niemals fertig gestellte Stahlkonstruktion, deren Schmuckelemente Nibelungenrelief und vier Reiterstandbilder zwar geplant, aber nicht mehr in Auftrag gegeben wurden, sei kunsthistorisch vernachlässigenswert. Der Gebrauchswert der Brücke stand stets im Vordergrund und von Seite der Denkmalbehörde wäre die Stufe des technischen Fortschrittes, die Fortschrittlichkeit der Brückenkonstruktion zur Zeit ihrer Erbauung zu bewerten gewesen. Dies wird aber in der Begründung unterlassen bzw. sogar noch die Durchschnittlichkeit der sehr traditionellen Brückenkonstruktion als "Deckbrücke" bestätigt. Jedenfalls sollte die Unterschutzstellung nicht dazu führen, dass bauliche Interventionen an der Brücke unmöglich gemacht werden.

Brückenkopfgebäude: Historisierende Verklärung und mangelhafte Wissenschaftlichkeit der Bescheidbegründung:

Durch die im Bescheid unmittelbar hintereinander erfolgte Reihung der Begriffe "Patenstadt des Führers" und "In diesem Zusammenhang wurden die Großbauten im Bereich des Linzer Brückenkopfes und der Neubau der Donaubrücke verwirklicht.“ sowie der Betonung des Umstandes, dass der beauftragte Architekt direkt Adolf Hitler unterstellt gewesen wäre, wird die zeitgeschichtlich-politische Bedeutung des Bauvorhabens überbetont.

Der hier angeführte Eindruck wird durch die völlig unzutreffende Bewertung in der Bescheidbegründung bestätigt: "Als Zeugnis für die megalomanen urbanistischen Vorstellungen der NS-Herrschaft kommt der Bauanlage für die Zeitgeschichte, aber auch aus architekturhistorischer Sicht ein wesentlicher Stellenwert zu.“
Das vielleicht megalomane Bauprojekt "Führerstadt Linz", dessen Planunterlagen stets bekannt waren und auch dem Bundesdenkmalamt zugänglich sein mussten, wurde in den letzten Jahren anschaulich aufgearbeitet. Es zeigt mehrere Quadratkilometer städtischer Wohnbauten, mehrere Kilometer beidseitiger Donauufer-Bebauung mit Repräsentationsbauten und zwei weitere, viel größere Brücken mit Brückenkopfanlagen, eine neue Verkehrsdrehscheibe mit neuem Hauptbahnhof, einen Autobahnzubringer, eine kilometerlange neue Prachtstraße mit Reichs-Museum und Opernhaus sowie eine riesige, stadtbeherrschende Universitätsanlage.

Demgegenüber wird festgehalten, dass gemäß den zeitgenössischen wie auch der rezipierenden Literaturquellen das gesamte Linzer Brücken-Bauvorhaben nachweislich nur unter einem technischen und materialistisch-kriegswirtschaftlichen Zwang stand:

Die fachliche Verteidigung von historisierenden Baudetails und Kopien an den beiden Brückenkopf-Gebäuden - ganz so, als ob derartige Kopien für städtebauliche Repräsentationsbauten begründbar und vorzuziehen wären - ist für eine Denkmalbehörde unter der Leitung des österreichischen Präsidenten des ICOMOS im Hinblick auf die Charta von Venedig bemerkenswert und nicht nachvollziehbar. Gerade in der unnötigen Verteidigung von Kopien bestätigt die ausstellende Behörde einen ganz unangebrachten und ansonsten abgestrittenen, "geschmäcklerischen" und daher unwissenschaftlichen Umgang auch mit der hier zur Diskussion stehenden Bausubstanz.

Stellungnahme der Stadt Linz gegen Denkmalschutzverordnungen

Obwohl der Stadt Linz eine detaillierte fachliche Auseinandersetzung mit den zahlreichen als erhaltungswürdig eingestuften Objekten der beiden Bescheide innerhalb der sechsmonatigen Stellungnahmefrist nur schwer möglich war, erhob der Magistrat Einspruch gegen die Denkmalschutz-Bescheide
Darin werden folgende inhaltliche Auffassungsunterschiede festgehalten:

Verfahrenstechnische Mängel:

Verfahrenstechnisch ist anzuführen, dass der Stadt Linz eine fundierte fachliche Auseinandersetzung mit den zahlreichen als erhaltungswürdig eingestuf-ten Objekten innerhalb der sechsmonatigen Stellungnahmefrist definitiv nicht möglich war. Bedenkt man, dass selbst für die Kunsttopographie der Stadt Linz (ohne Prüfung auf Denkmalwürdigkeit im Sinne des Bundesgesetzes!) mehrere Jahre und eine größere Anzahl wissenschaftlicher Fachleute notwendig waren, so kann der nunmehrige Begutachtungszeitraum nur als un-angemessen kurz angesehen werden.

Selbst wenn es sich im gegenständlichen Fall um ein Verordnungsverfahren handelt, das nicht die gutachterliche Tiefe wie ein bescheidmäßiges Unterschutzstellungsverfahren aufweisen muss, ist jedoch auch für die gegenständliche Verordnung vom Verordnungsgeber eine kurze gutachterliche Angabe, warum die gegenständliche Objekte besonders erhaltungswürdig sind und deren Erhaltung im öffentlichen Interesse gelegen ist, zu fordern. Eine Verordnung, die selbst diesen geringen Maßstäben nicht genügt, muss als gesetzwidrig angesehen werden. Indem sich die Mitteilungen des BDA im Begutachtungsverfahren zu den einzelnen Objekten in aller Regel auf deren bloße Beschreibung beziehen, ohne dass auf denkmalschutzrechtliche Aspekte im engeren Sinn eingegangen würde, sieht die Stadt das Zustandekommen der gegenständlichen Verordnung bei einer Reihe von Objekten als nicht gesetzeskonform an.

Inhaltliche Mängel der Verordnung: Gleichheitsgrundsatz wird verletzt

Die Stadt Linz vertritt den Standpunkt, dass es durch eine Verordnung wie die gegenständliche nicht zu einer Ungleichbehandlung der Grundeigentümer vor dem Denkmalschutzgesetz kommen darf. Hingegen wird dies durch die gegenständliche beabsichtigte Verordnung tatsächlich bewirkt, indem beispielsweise Wohnbauten aus der NS-Zeit, die sich im Eigentum der Stadt Linz bzw. der städtischen Wohnungsgesellschaft GWG befinden, unter Denkmalschutz gestellt werden, jene, die sich im Eigentum von nicht städtischen Wohn- und Genossenschaften befinden, hingegen nicht.

Unsystematische Auswahl der einzelnen Objekte

Zudem ist für die Stadt Linz hinsichtlich der ausgewählten Objekte weder eine Systematik noch ein Bezug zur Stadtlandschaft und ihren Stadtvierteln erkennbar. Weiters ist die „Denkmaltauglichkeit“ und „Denkmaleigenschaft“ des Baubestandes (materieller Zustand, zwischenzeitiger Veränderung, Standsicherheit, Reparierbarkeit, Funktionserhaltung bzw. Nutzungsfindung, Revitalisierungsmöglichkeit) weder dokumentiert noch vor dem Hintergrund der Tatbestandlichkeiten des § 1 Abs. 1-3 Denkmalschutzgesetz auch nur annähernd reflektiert. So sieht die Stadt Linz bspw. das für die Unterschutz-stellung notwendige öffentliche Interesse an der Erhaltung bei einer Reihe der zur Diskussion stehenden Objekte als nicht gegeben an (sh. Anhang).

Zeitgemäßes Wohnen hat Vorrang

Weiters entsprechen manche dieser Wohnbauten nicht mehr heutigen Wohnbaustandards und verlangen dem Stand der Technik entsprechende Veränderungsmaßnahmen. Angesichts des beabsichtigten prolongierten Denkmalschutzes scheinen diese notwendigen und sinnvollen Sanierungs- und Adaptierungsmaßnahmen gefährdet und zum Teil nicht durchführbar.

Vor diesem Hintergrund ist daher nach Ansicht der Stadt Linz die gegenständliche Verordnung zu überarbeiten und zu revidieren, und zwar insbesondere hinsichtlich nachstehender Objekte, für die die Unterschutzstellung nicht erforderlich ist.

Anhang

Stadt Linz

  • Wiener Straße 474a
  • Fadingerplatz 14
  • Wambacher Straße - Wasserreservoir
  • Pestalozzistraße 94
  • Pestalozzistraße 84a-86a
  • Spaunstraße 1
  • Dauphinestraße 56-56e
  • Prunerstraße 3
  • Bethlehemstraße 37
  • Eisenbahngasse 1
  • Museumstraße 15
  • Unionstraße 50-70
  • Volksgarten – Kleindenkmale
  • Altstadt 10
  • Altstadt 12
  • Goethestraße 23
  • Gruberstraße 66-78
  • Krankenhausstraße 9
  • Gruberstraße 71
  • Gruberstraße 75
  • Lustenauerstraße - Portalpfeiler
  • Lessingstraße - Treppe
  • Gruberstraße 65-67
  • Derfflingerstraße 4
  • Im Dörfl 3
  • Eisenbahngasse 20
  • Derfflingerstraße 8, 8a
  • Wimhölzlstraße 17-37
  • Garnisonstraße 27-49
  • Franckstraße 38-38c
  • Franckstraße 72-76
  • Franckstraße 50-66
  • Hittmayrstraße 16-66
  • Makartstraße 3
  • Füchselstraße 21, 23
  • Florianer Straße - Bildstock
  • Urbanskistraße – Mariensäule
  • Am Anger 6-7a
  • Leonfeldner Straße 94-130b
  • Kreuzstraße 7
  • Freistädter Straße 8, 8a
  • Im Bachlfeld 30-38
  • Aubergstraße 38
  • Verlängerte Kirchengasse 2
  • Knabenseminarstr. - Mariensäule
  • Ottensheimer Straße – Nepomuk
  • Leonfeldner Straße 66-92b
  • Leonfeldner Straße - Bildstock
  • Kirchengasse 4
  • Glimpfingerstraße 10, 12

Linz Service

  • Kaplanhofstraße 1
  • Auf der Gugl 1
  • Kaplanhofstraße 2
  • Maderspergerstr. 2/Bad

GWG

  • Schratzstraße 9

Immobilien Linz

  • Flötzerweg bei 63 – Knaben
  • Freinberg - Fliegerdenkmal

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Planungsreferent Stadtrat Klaus Luger zum Thema „Schwebende Verfahren des Bundesdenkmalamtes“)

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Magistrat der Landeshauptstadt Linz
Hauptstraße 1-5
4041 Linz

Tel: +43 732 7070 0
Fax: +43 732 7070 54 2110
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