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SOZIALES
Presseaussendung vom 07.02.2012

Erste Bilanz der Lernförderung in den städtischen Horten

Fast jedes zweite Linzer Hort-Kind bekommt Nachhilfe

Eine erste Bilanz seit der Einführung des neuen Fördersystems in den Linzer Horten zieht Sozialreferent und Vizebürgermeister Klaus Luger: „Nach gut einem halben Jahr wissen wir, dass etwa 44 Prozent aller Kinder in den ausgewählten Einrichtungen Nachhilfe benötigen“. Insgesamt 954 Mädchen und Buben wird derzeit beim Lernen unter die Arme gegriffen. „Damit wollen wir Bildungsdefizite bei lernschwachen Kindern beseitigen, generell mit den SchülerInnen den Lernstoff vertiefen und allen möglichst gleiche Ausgangschancen für ihren weiteren Berufsweg bieten“, erklärt Luger. Daneben ergänzt ein ganzes Maßnahmenbündel die Deutsch- und Lern-Offensive in den städtischen Betreuungseinrichtungen, um bereits vor dem Eintritt in das Schulleben etwaige Defizite zu bekämpfen.

In 19 der insgesamt 31 städtischen Horte wurde im vergangenen Herbst das neue Fördersystem eingeführt. Generell besuchen etwa 4.000 der insgesamt 7.000 Linzer VolksschülerInnen die Betreuungseinrichtungen der Stadt, exakt 2.163 Mädchen und Buben gehen in einen der 19 neuen Förder-Horte. Die größte Gruppe der Förderkinder stellen laut aktuellen Zahlen Mädchen und Buben mit Migrationshintergrund: Etwa 35 Prozent – oder 770 in absoluten Zahlen – erhalten Nachhilfe. Unter den Kindern mit deutscher Muttersprache liegt der Förderanteil bei knapp 10 Prozent oder 184. In absoluten Zahlen liegen die Kinder mit Deutsch als Muttersprache am zweiten Platz, mehr Förderbedarf haben lediglich SchülerInnen mit türkischen Wurzeln. Auf den weiteren Plätzen folgen Kinder mit Migrationsbackground aus dem ehemaligen Jugoslawien und mit Albanisch als Muttersprache.

Nord-Süd-Gefälle bei Nachhilfe

„Die Zahlen zeigen uns deutlich, dass es zwischen den Einrichtungen im Norden bzw. im Zentrum und im Süden der Landeshauptstadt Unterschiede gibt, die manche Vorurteile über Linzer Stadtgebiete in Bezug auf das Thema Migration Lügen strafen“, erklärt Luger anhand der neuen Daten. So bekommen in den nördlichen Horten mit FreizeitpädagogInnen mehr Kinder Nachhilfe als in den südlichen Einrichtungen: In den sieben Mitte-Nord-Standorten werden 62 Prozent der Mädchen und Buben betreut, in den zwölf Süd-Standorten sind es hingegen 43 Prozent.

Das Fördersystem Neu in den Linzer Horten

Der Einsatz von neuen Freizeit- und regulären Gruppen-PädagogInnen macht das innovative Fördersystem in den Horten möglich. Derzeit werden die 29 zusätzlichen „Spezialkräfte“ so eingesetzt, dass Kinder mit Migrationshintergrund und aus bildungsfernen Schichten unterstützt werden können: Dazu werden die Gruppen für einen gewissen Zeitraum getrennt. Während die normalen HortpädagogInnen einem Teil der Kinder bei den Hausübungen und bei der Vorbereitung auf Schularbeiten und Tests helfen, sorgen die neuen Freizeit-PädagogInnen mit einem abwechslungsreichen Programm für Spiel und Spaß beim anderen Teil der Gruppe. Die Hortleitung wacht darüber, dass alle Gruppen gleichmäßig von der individuelleren Betreuungsform profitieren können. Das neue Fördersystem kommt auch Kindern mit kleineren Lernschwächen zu Gute: „Das Üben und Wiederholen des Gelernten mit den Kindern kann in vielen Familien aus unterschiedlichen Gründen nicht geleistet werden. Hier springen die Betreuer in den Horten ein“, sagt Luger.

Maßnahmen-Bündel Sprache

Das neue Nachhilfe-Projekt in den Linzer Horten ist nur ein Teil eines ganzen Maßnahmen-Bündels, das Sprach- und Lernförderung zum Ziel hat.

Deutsch lernen

Seit Herbst werden alle Kinder im Rahmen der „Linzer Sprachförderung NEU“ in den Kindergärten zwei Mal pro Jahr auf ihre sprachliche Fitness hin getestet. „Stellen wir Deutsch-Mängel fest, bekommt jedes Mädchen oder jeder Bub ab dem ersten Tag Nachhilfe. In den drei Kindergartenjahren können es insgesamt bis zu 540 Stunden sein“, erklärt Vizebürgermeister Klaus Luger.

Die Linzer Sprachförderung NEU

Lesen Lernen

„Bilderbuch-Rucksack“

„Acht der 50 Linzer Kindergärten erhielten mit September einen Rucksack voll mit neuen Bilderbüchern. Nach dem Vorlesen basteln und malen die Kids, um so die Inhalte der Bücher auch kreativ umzusetzen. Im Frühjahr 2012 werden dann die Meisterwerke der Kleinen in der ganzen Stadt präsentiert“, weiß Luger. Das Projekt, das gemeinsam mit dem Institut für Jugendliteratur unter der Leitung von Karin Haller realisiert wird, soll Sprachkompetenz und Lesefähigkeit der Kinder weiter fördern. Haller hat insgesamt 14 Bilderbücher aus der neueren deutschsprachigen Produktion ausgewählt. Der Fokus der Bildauswahl liegt inhaltlich auf gesellschaftspolitisch relevanten Themen wie Migration, Fremdenfeindlichkeit, Armut und Geschlechterrollen. Darüber hinaus finden sich in dem Rucksack auch zwei mehrsprachige Bücher, eines davon in 20 Sprachen. Weiters gibt es Zusatzangebote durch andere Medien wie Musik und Film auf Audio-CD oder DVD. „Die neuen Bücher bleiben nach Projektende in den Kindergärten und sollen so auch den Medienbestand in den einzelnen Einrichtungen ausbauen“, so Sozialreferent Luger.

„Lesetandem“

Der Begriff Tandem steht für die Zusammenarbeit zwischen einem Patenkind aus einer der Linzer Volksschulen und einem/r MentorIn. Ein bis zwei Semester lang treffen sich die beiden einmal pro Woche nachmittags in der Schule. Die MentorInnen lesen bei den Treffen vor, motivieren dazu, selbst zu lesen oder bringen ihren Schützlingen bei, wie man interessant und spannend vorliest. Die LesepatInnen werden vom Verein für interkulturelle Begegnung und Kulturvermittlung (ibuk) speziell für ihre Aufgaben geschult und laufend bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit unterstützt. Derzeit nehmen 126 Kinder und 119 MentorInnen am Lesetandem teil.

„Vorlesebuch“

Im Rahmen des Pilotprojekts des Vereins ibuk besuchen Kindergartenkinder mit und ohne Migrationshintergrund regelmäßig Linzer Seniorenheime. Die Kinder werden in kleine Gruppen aufgeteilt, jeweils ein/e MentorIn betreut so vier bis fünf Kinder. Die Lesetandemstunde wird von den Kindergarten-Pädagoginnen mit betreut. Die MentorInnen werden für ihre Aufgabe vom Verein ibuk in den Räumlichkeiten des Seniorenzentrums ausgebildet und laufend unterstützt.

„Rucksack-Modell“

Das Programm unter der Leitung des Instituts für Interkulturelle Pädagogik fördert die Muttersprache und Deutsch von Kindern im Alter zwischen vier und sechs Jahren mit Migrationshintergrund. In dem Projekt werden auch Eltern und Kindergarten-Pädagoginnen eingebunden. „Rucksack“ zielt auf die Förderung der Muttersprachenkompetenz, der deutschen Sprache und auf die Förderung der allgemeinen kindlichen Entwicklung ab. Dabei werden die Mütter als Expertinnen für das Erlernen der Erstsprache angesprochen. Durch Anleitung und mit Hilfe von Arbeitsmaterialien werden sie auf die Förderung der Muttersprache vorbereitet. Sie treffen sich einmal in der Woche für zwei Stunden (üblicherweise im Kindergarten) und bereiten gemeinsame Aktivitäten vor, die sie quasi im „Rucksack“ mit nach Hause nehmen und dort mit ihren Kindern durchführen. Das Rucksack-Modell schließt an das Projekt „Griffbereit“ an. Dort werden Kinder im Alter zwischen ein und drei Jahren spielerisch sprachfit gemacht. Insgesamt 92 Mütter nehmen derzeit mit ihren Kindern in Linz an den beiden Projekten teil.

„Mama lernt Deutsch“

Mütter mit Migrationshintergrund kommen mitunter aus bildungsfernen Schichten und haben meist auch in ihrer Muttersprache Sprachdefizite. Neben dem Deutschunterricht stehen auch Bildungsfragen oder die Förderung von interkultureller Kompetenz und Integration auf dem Lehrplan. Um die Frauen besser erreichen zu können, werden die Kurse des Instituts für Interkulturelle Pädagogik in Kindergärten und Schulen abgeboten. Aktuell feilen insgesamt 203 Mütter im Rahmen des Projekts an ihren Sprachkenntnissen.

Mehr fremdsprachige Bücher im Wissensturm

Fremdsprachige Medien dienen Eltern und Kindern als Lernhilfen und tragen somit auch einen wichtigen Teil zur Sprachförderung bei. Daher wird die Fremdsprachen-Bibliothek im Wissensturm stetig ausgebaut. Neben Lernhilfen, mehrsprachigen Werken und Texten in vereinfachtem Deutsch sollen auch fremdsprachige Bildwörterbücher angeboten werden, um Integration von fremdsprachigen Kindern und Erwachsenen zu fördern. Derzeit läuft der Ankauf von mehreren hundert Exemplaren in den in Linz am meist verbreiteten ZuwanderInnen-Sprachen wie Bosnisch-Kroatisch-Serbisch, Türkisch, Englisch, Französisch oder Albanisch. Im abgelaufenen Jahr wurden insgesamt 639 Bücher von ExpertInnen des Wissensturms angekauft. Dazu kommen noch etwa 600 Exemplare, die Botschaften oder Privatpersonen gespendet haben. Im Wissensturm und den Stadtteil-Bibliotheken stehen nun etwa 7.700 fremdsprachige Werke zur Ausleihe bereit.

Lernbetreuung

Das Projekt für Volks- und HauptschülerInnen des Instituts für Interkulturelle Pädagogik richtet sich in erster Linie an Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache. Bei Bedarf können auch Kinder mit deutscher Muttersprache teilnehmen. Zwei bis drei Mal pro Woche helfen Pädagoginnen und Pädagogen unter anderem im Wissensturm den Kindern – vor allem bei den Hausaufgaben. Das Projekt richtet sich vorrangig an junge Linzerinnen und Linzer, die keinen Hort besuchen. Im abgelaufenen Jahr bekamen etwa 300 Kinder die kostenlose Nachhilfe.

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Vizebürgermeister Klaus Luger zum Thema „Erste Bilanz der Lernförderung in den städtischen Horten“)


Ergänzende Informationen (PDF, 16 kB) (neues Fenster).

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