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UMWELT
Presseaussendung vom 26.06.2012

Ergebnisse des Stickstoffdioxidmessprogrammes 2011 in der Linzer Innenstadt

Die Stadt Linz hat gemeinsam mit dem Land Oberösterreich ein Sondermessnetz für Stickstoffdioxid (NO2) installiert. An 25 Messpunkten im Stadt-zentrum wurde mit Passivsammlern die Langzeitbelastung (Jahresmittelwerte) an Stickstoffdioxid ermittelt. Die Daten lassen eine eindeutige Tendenz erkennen:

An allen stark befahrenen Straßen im Stadtzentrum liegen die NO2 –Jahresmittelwerte deutlich über den Grenzwerten des IG-L und der europäi-schen Luftqualitätsrichtlinie.

Unterschiedliche Grenzwerte

In den vergangenen Jahren machte im Raum Linz – wie in anderen Gebieten Europas auch – die Einhaltung von zwei Grenzwerten Schwierigkeiten, nämlich die Jahresmittelwerte für Stickstoffdioxid (NO2) und die Anzahl der Tage mit Grenzwertüberschreitungen bei Feinstaub (PM10). In Österreich sind die Grenzwerte für Stickstoffdioxid im Immissionsschutzgesetz-Luft schärfer formuliert als in den EU-Richtlinien. So ist der Jahresmittelwert für NO2 in der EU bei einem Grenzwert von 40 µg/m³ festgelegt, in Österreich gelten derzeit 30 µg/m³.
 
Die 25 Messpunkte sollten auch genaue und detaillierte Informationen darüber liefern, wie sich die Belastung an Stickstoffdioxid flächenmäßig in der Linzer Innenstadt verteilt, um auf Basis genauerer Informationen auch präzisere Gegenmaßnahmen erarbeiten zu können. Mit den Passivsammlern an den einzelnen Messpunkten wurden dafür im Jahr 2011 Monatsmittelwerte ermittelt, um daraus aussagekräftige Jahresmittelwerte über die Belastung von Stickstoffdioxid in der Linzer Innenstadt zu bekommen.

Im Raum Linz finden sich unterschiedliche Immissionsniveaus für NO2. Relativ niedrige Immissionen – unter den Grenzwerten – treten in Bereichen fern des Stadtzentrums auf. Es folgt ein etwa bis zum Grenzwert belasteter Bereich von der Innenstadt bis Kleinmünchen. Hoch belastete Bereiche liegen direkt an stark befahrenen Straßenzügen im Innenstadtbereich. Hier werden die Grenzwerte deutlich überschritten.

Messstellen, die in unmittelbarer Nähe von stark befahrenen Straßenzügen stehen, erfassen neben den diffus flächig verteilten Immissionen zusätzlich auch jene NO2-Anteile, die unmittelbar und direkt von den Kraftfahrzeugen ausgestoßen werden. Daher sind in der Nähe von stark befahrenen Straßen die NO2-Konzentrationen höher als an Punkten, die nur mit den bereits flächig verteilten Immissionen belastet sind.

Messpunkte und Charakterisierung

Die Messpunkte wurden so gewählt, dass über die Belastung an Stickstoffdoxid in den unterschiedlichen Bereichen der Linzer Innenstadt Aussagen getroffen werden können. Diese Bereiche sind:

  • Überwiegender Verkehrseinfluss
  • Städtischer Hintergrund 
  • Zuordnung in die beiden oben genannten Kategorien nicht eindeutig möglich. (Mischeinfluss aus Industrie, Kraftwerke, Gewerbe, Verkehr und Hausbrand, auch besondere örtliche Situation)

Ziele des NO2-Messprogrammes

NO2-Immissionsbelastung im Stadtzentrum von Linz

Feststellung der Belastung an Stickstoffdioxid (Jahresmittelwerte) im Stadtzentrum von Linz an 25 Messpunkten (Ist-Situation), Überprüfung auf Einhaltung von Immissionsgrenzwerten.

Repräsentativität von Messstationen

Abklärung, ob die Messstationen des Luftmessnetzes des Amtes der Oö. Landesregierung repräsentativ für verkehrsnahe Räume und für den städtischen Hintergrund sind (Römerberg, Stadtpark).

Ausbreitungsmodelle
Validierung und Abgleich der Ergebnisse mit mathematischen Modellen (Ausbreitungsrechnungen). Diese Modelle dienen z.B. als Grundlage für die Festlegung von Sanierungsgebieten oder als Beurteilungsgrundlage für Sachverständige im Bereich des technischen Umweltschutzes.

  • Immissionskataster (Ausbreitungsmodell – Amt der Oö. Landesregierung), alle Messpunkte
  • ADAS-Berechnungen, verkehrsbelastete Messpunkte
    (ADAS = „Austrian Dispersion Model for Air Quality Assessment Near Small Sources“)

Zusammenhang zwischen Verkehrsaufkommen und NO2-Belastung

Aus den Ergebnissen des Messprogramms sollten Erkenntnisse gewonnen werden, ob ein Zusammenhang zwischen dem Verkehrsaufkommen an stark befahrenen Straßenzügen und der Stickstoffdioxidbelastung an verkehrsbelasteten Messpunkten im Stadtzentrum besteht, und ob aus dem Verkehrsaufkommen die Stickstoffdioxidbelastung abgeschätzt werden kann.

NO2-Messmethode mittels Passivsammlern und Vergleich mit Referenzmessverfahren

Passivsammlermessungen wurden auch unmittelbar bei den Immissions-messstationen des Amtes der Oö. Landesregierung durchgeführt. Dadurch besteht die Möglichkeit, die Ergebnisse der Passivsammler mit den Referenzmessverfahren zu vergleichen und zu bewerten. 

Zusammenfassung der Ergebnisse:

An stark befahrenen Straßenzügen im Stadtzentrum von Linz liegt die NO2-Langzeitbelastung (Jahresmittelwerte) deutlich über den Grenzwerten des IG-L und der europäischen Luftqualitätsrichtlinie.

Im Stadtzentrum von Linz liegt der städtische Hintergrund der Stickstoffdioxidbelastung über dem IG-L-Grenzwert, aber unter dem Grenzwert der europäischen Luftqualitätsrichtlinie.

Die Immissionsmessstationen des Luftmessnetzes des Amtes der Oö. Landesregierung in Linz sind repräsentativ für das Untersuchungsgebiet. Die Stationen Römerberg und Stadtpark bilden die Luftsituation im Stadtzent-rum von Linz realistisch ab. Damit können Kritikpunkte eindeutig widerlegt werden.

Die Ergebnisse der Berechnungen des Immissionskatasters des Amtes der Oö. Landesregierung mithilfe eines Schadstoffausbreitungsmodells bilden in vielen Bereichen die realen Langzeitbelastungen (Jahresmittelwerte) an Stickstoffdioxid sehr gut ab. Weniger gut ist dies in Bereichen mit überwiegendem Verkehrseinfluss. Eine Anpassung des Rechenmodells für den Nahbereich von Straßen ist daher wünschenswert.

Zusätzlich wurden Ergebnisse von ADAS-Berechnungen mit den Ergebnissen des NO2-Messprogramms verglichen. Mit ADAS-Berechnungen können für bestimmte verkehrsbelastete lokale Bereiche die Langzeitbelastungen gut abgeschätzt werden. Es hat sich allerdings gezeigt, dass bestimmte örtliche Situationen mit dem Modell nicht abgebildet werden können und dadurch die Gefahr von deutlichen Fehleinschätzungen besteht.

Aus dem Verkehrsaufkommen im Stadtzentrum kann die NO2-Langzeitbelastung für spezifische Bereiche größenordnungsmäßig abgeschätzt werden. Für genaue Aussagen ist diese Methode nicht oder nur bedingt geeignet.

Die NO2-Messmethode mit Passivsammler ist eine einfache und genaue Methode für die Ermittlung von Langzeitbelastungen wie Monats- und Jahresmittelwerte. Die Ergebnisse stimmen sehr gut mit den Ergebnissen des Refrenz-Messverfahrens überein. 

Ergebnisse: NO2 - Immissionsbelastung im Stadtzentrum von Linz

NO2-Immissionsbelastung im Stadtzentrum von Linz

Ergebnisse - Messpunkte und Charakterisierung:

NO2 – Immissionsbelastung (Jahresmittelwerte)

Messpunkte mit überwiegendem Verkehrseinfluss:

An stark befahrenen Straßenzügen im Stadtzentrum von Linz liegt die NO2-Langzeitbelastung (Jahresmittelwerte) deutlich über den Grenzwerten des IG-L und der europäischen Luftqualitätsrichtlinie.

Messpunkte für den städtischen Hintergrund

Im Stadtzentrum von Linz liegt der städtische Hintergrund der Stickstoffdioxidbelastung über dem IG-L-Grenzwert, aber unter dem Grenzwert der euro­päischen Luftqualitätsrichtlinie.

Ergebnisse – Jahresgang der NO2-Belastungen

Es ist eindeutig erkennbar, dass der Jahresgang an Messpunkten für den städtischen Hintergrund wesentlich deutlicher ausgeprägt ist als an überwiegend verkehrsbelasteten Messpunkten. So liegt die Differenz zwischen den „messtechnischen Wintermonaten“ (Oktober - März) und den „messtechnischen Sommermonaten“ (April – September):

  • an überwiegend verkehrsbelasteten Messstationen bei -5%
  • an Messstationen für den städtischen Hintergrund bei -40%

Jahresgang der Stickstoffdioxidbelastung an Messpunkten für den städtischen Hintergrund (Monatsmittelwerte)

Jahresgang der Stickstoffdioxidbelastung an überwiegend verkehrsbelasteten Messpunkten (Monatsmittelwerte)

Ergebnisse - Repräsentativität von Messstationen

Die Immissionsmessstationen des Luftmessnetzes des Amtes der Oö. Landesregierung in Linz sind repräsentativ für das Untersuchungsgebiet. Die Stationen Römerberg und Stadtpark bilden die Luftsituation im Stadtzentrum von Linz realistisch ab.

Station Römerberg repräsentativ für verkehrsbelastete Messpunkte im Stadtzentrum von Linz

Station Stadtpark repräsentativ für den städtischen Hintergrund von NO2 im Stadtzentrum von Linz

Ergebnisse - Berechnungen des Immissionskatasters

Die Ergebnisse der Berechnungen des Immissionskatasters des Amtes der Oö. Landesregierung mithilfe eines Schadstoffausbreitungsmodells bilden in vielen Bereichen die realen Langzeitbelastungen (Jahresmittelwerte) an Stickstoffdioxid sehr gut ab. Weniger gut ist dies in Bereichen mit überwiegendem Verkehrseinfluss der Fall, sodass eine Anpassung des Rechenmodells für den Nahbereich von Straßen wünschenswert ist.

Gegenüberstellung von berechneten (Immissionskataster) zu tatsächlich gemessenen Ergebnissen (JMW NO2)

Ergebnisse – Bewertung der NO2-Messmethode mit Passivsammlern

Die NO2-Messmethode mit Passivsammler ist eine einfache und genaue Methode für die Ermittlung von Langzeitbelastungen wie Monats- und Jahresmittelwerte. Die Ergebnisse stimmen sehr gut mit den Ergebnissen des Referenz-Messverfahrens überein.

Gegenüberstellung der Ergebnisse von Passivsammlermessungen zu denen mit dem Referenzmessverfahren.
Basis sind alle Monatsmittelwerte an den Messpunkten 1, 2, 3, 4 (n = 48), lineare Ausgleichsgerade

Trend der Stickstoffdioxidbelastung in Linz

Die langjährigen kontinuierlichen Messungen des Landes zeigen, dass die Langzeitbelastung an Stickstoffdioxidbelastung leider seit Jahren fast unverändert ist. An überwiegend verkehrsbelasteten Bereichen (Römerberg) ist ein leichter Anstieg der Belastung erkennbar.

Vergleich mit anderen Städten

Die Ergebnisse in Linz zeigen im Vergleich zu anderen österreichischen und europäischen Städten eine ähnliche Situation. Bei verkehrsbelasteten Messpunkten in Ballungsräumen tritt überall eine hohe NO2-Belastung auf. Damit sind die Ergebnisse der Messungen kein Linz-spezifisches Problem, da auch in anderen Städten die Grenzwerte kaum oder schwer einzuhalten sind.

Verursacher für Stickoxide

Stickoxide (NOx) sind Luftschadstoffe, die bei fast allen Verbrennungsprozessen entstehen (Brenn- und Treibstoffen sowie von Abfall) und sind Vorläuferschadstoffe von Ozon und Feinstaub.

Alle Verbrennungsvorgänge sind auch von Stickoxidemissionen begleitet. Es sind dies:

  • Verbrennungsvorgänge im Rahmen von industriellen Prozessen (z.B. Kraftwerke)
  • Verbrennungsvorgänge beim Hausbrand (Gas, Holz, Öl, etc.) Verbrennungsvorgänge in Motoren (Benzin, Diesel), wobei Dieselmotoren in höherem Maße

Stickoxide emittieren, da sie keinen Katalysator besitzen.

Daneben gibt es auch noch bei einigen industriellen Prozessen Stickoxidemissionen (z.B. bei Salpetersäureproduktion).

Die Stickoxidemissionen setzen sich im Wesentlichen aus zwei Substanzen zusammen, nämlich dem Stickstoffmonoxid (NO), das gesundheitlich nicht besonders relevant ist und dem Stickstoffdioxid (NO2), welches gesundheitlich bedeutsam ist, und daher existieren dafür auch Grenzwerte.

Stickstoffmonoxid wandelt sich mit Hilfe von Ozon innerhalb von Minuten bis Stunden in Stickstoffdioxid um. Hohe Konzentrationen von Stickstoffmonoxid finden sich daher nur an Verkehrsmessstationen. Abseits von Straßen liegt der größte Teil der Stickoxide bereits als Stickstoffdioxid vor.

Die Konzentration von Stickstoffdioxid (NO2) hat in den vergangenen Jahren weniger stark abgenommen als diejenige der gesamten Stickoxide. In großen Städten und entlang von stark befahrenen Straßen werden die Grenzwerte für NO2 regelmäßig überschritten.

Gesundheitliche Belastung

Die in umweltepidemiologischen Studien beobachteten gesundheitsschädlichen Wirkungen sind nicht allein auf NO2 zurückzuführen, sondern stehen auch im Zusammenhang mit dem Vorhandensein anderer verkehrsbedingter Emissionen. Die höchsten Konzentrationen an Stickstoffoxiden werden an eng bebauten, viel befahrenen Straßen gemessen, weil sich die Autoabgase dort nicht ungehindert ausbreiten können und daher nur langsam in der Atmosphäre verdünnt werden.

Große Gesundheitsstudien der vergangenen Jahre konnten zeigen, dass es mit ansteigender Stickstoffdioxid-Konzentration in der Außenluft auch zu einer Zunahme an gesundheitlichen Beschwerden und Atemwegserkrankungen in der Bevölkerung kommt. Je höher die Stickstoffdioxid-Belastung in der Außenluft ist, desto ausgeprägter ist dieser Effekt.

Weitere Gesprächspartner:
Dr.in Elisabeth Danninger (Land OÖ, Abteilung Umweltschutz)
DI Martin Sonnleitner (Leiter UTC)
Ing. Gerald Binder (UTC)

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz für Umweltstadträtin Mag.a Eva Schobesberger und Umweltlandesrat Rudi Anschober „Ergebnisse der Stickstoffdioxidmessungen“)

Ergänzende Informationen (PDF, 500 kB) (neues Fenster).

KONTAKT

Magistrat der Landeshauptstadt Linz
Hauptstraße 1-5
4041 Linz

Tel: +43 732 7070 0
Fax: +43 732 7070 54 2110
E-Mail: info@mag.linz.at

weitere Informationen:


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