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KULTUR
Presseaussendung vom 21.01.2013

Kulturentwicklungsplan neu (Foto)

Am Donnerstag zur Beschlussfassung im Gemeinderat

Mit dem im Jahr 2000 beschlossenen ersten Kulturentwicklungsplan der Stadt Linz wurden Leitlinien, Prioritäten und Rahmenbedingungen für die Kulturpolitik von Linz für die nächsten Jahre festgelegt. Höhepunkt der strategischen Kulturentwicklung war das Kulturhauptstadtjahr 2009.

Nach mehr als zehn Jahren ist es an der Zeit gewesen, diese Leitlinien, Prioritäten und Rahmenbedingungen für die Kulturpolitik neu festzulegen und zu schauen, wo Linz nach Linz09 steht. In der nun vorliegenden Neufassung des Kulturentwicklungsplans erfolgt eine zukunftsorientierte, kulturpolitische Planung und Positionierung, die auf der kulturellen Entwicklung der vergangenen Jahre aufbaut und insbesondere das Kulturhauptstadtjahr 2009 reflektiert.

Der Kulturentwicklungsplan neu liegt am kommenden Donnerstag, 24. Jänner 2013 in der Sitzung des Linzer Gemeinderates zur Beschlussfassung vor.

Vizebürgermeister Dr. Erich Watzl: „Als Kulturreferent ist mir die Analyse der kulturellen Entwicklung der vergangenen Jahre von Linz von großem Interesse - nur so können Ziele und Maßnahmen für die Zukunft objektiv erarbeitet und vorgegeben werden. Mit der Beschlussfassung des neuen Kulturentwicklungsplans im Gemeinderat werden die gemeinsam mit zahlreichen Fachleuten, Vereinen und Kulturinteressierten erarbeiteten Inhalte nun verbindlich gemacht. Nach einem erfolgreichen Europäischen Kulturhauptstadtjahr 2009 ist dies ein weiterer Meilenstein in der kulturellen Entwicklung unserer Stadt."

Kultur weiter entwickeln

Die inhaltlichen und strukturellen Herausforderungen, die sich im Kontext des Europäischen Kulturhauptstadtjahrs ergeben haben, erforderten eine Verfeinerung, Adaptierung und Erweiterung der festgeschrieben Schwerpunkte der Kulturentwicklung. Die Erfahrungen aus dem Europäischen Kulturhauptstadtjahr Linz 2009 sowie der vergangenen zehn Jahre sollten auf nachhaltige Weise sichtbar, nutzbar und verwertbar gemacht werden.

Es stellte sich die Frage, inwieweit die Ziele, Strukturen und Handlungsmaximen von gestern für morgen noch tauglich sind. Die Prozesshaftigkeit der Planung musste in diesem Sinne als Weiterentwicklung zwischen Kontinuität und Innovation verstanden werden, wobei das gesamte Spektrum des Kunst und Kulturfeldes – von den Verbänden der Volkskultur bis hin zu experimentellen, zeitgenössischen Kunstinitiativen – mit einzubeziehen war.

Kunst und Kultur müssen aber auch vielmehr als Mittel und Teil von Stadtentwicklung gesehen werden. Vor diesem Hintergrund ist Kulturentwicklungsplanung Stadtentwicklungsplanung im weiteren Sinne, ein wichtiges Element, urbane Prozesse voranzutreiben.

Der Prozess

Partizipation wurde beim Prozess im wahrsten Sinne des Wortes groß geschrieben. Möglichst viele relevante Einrichtungen und Personen im Kunst- und Kulturfeld sowie die kulturinteressierte Öffentlichkeit und die Politik wurden aktiv eingebunden. Im November 2010 wurde das Projekt KEP neu, in dessen Rahmen eine Evaluierung und Neufassung des Kulturentwicklungsplans der Stadt Linz vorgesehen war, vom Linzer Gemeinderat genehmigt. Ein prägnantes Kulturleitbild, ein strategisches Programm für die kulturelle Entwicklung der Stadt Linz und ein Maßnahmenpaket waren das Ziel.

Die Gesamtkosten beliefen sich auf 100.000 Euro und wurden je zur Hälfte aus dem städtischen Kulturbudget der Jahre 2010 bis 2012 und aus Restmitteln der Linz09 GmbH gedeckt. Neben einer externen wissenschaftlichen und fachlichen Begleitung des Projekts wurden der gemeinderätliche Ausschuss für Kultur, Tourismus und Wohnungswesen sowie der Stadtkulturbeirat Linz laufend in die Arbeiten einbezogen. Die Projektlaufzeit betrug zwei Jahre.

Geleitet wurde der Gesamtprozess von einer Steuerungsgruppe mit VertreterInnen des Büros Linz Kultur, der Unternehmensgruppe Linz und des Stadtkulturbeirates. Ihnen zur Seite stand als beratendes Gremium ein Advisory Board mit 18 Mitgliedern – Linzer ExpertInnen und Opinion Leader aus den Bereichen Kunst, Kultur, Bildung, Tourismus und Wissenschaft.

Grundlagenarbeit mit 73 Interviews

Die evaluierende Grundlagenarbeit begann Ende 2010. Im Zeitraum von März bis Mai 2011 wurden qualitative, leitfadengesteuerte Interviews mit 73 Persönlichkeiten aus dem Linzer Kunst- und Kulturfeld geführt. Aus den Ergebnissen der Interviews konnten zentrale Themen für eine zukünftige Kulturentwicklung gewonnen werden, die zuerst die Basis für das Grundlagenpapier lieferten und anschließend in monatlichen Visions- und Zielworkshops in verschiedenen Linzer Kultureinrichtungen ausführlich bearbeitet wurden. Beide Fassungen des Grundlagenpapiers - eine Kurzfassung mit 50 Seiten und eine Langfassung mit 500 Seiten - sowie die ExpertInnen-Interviews sind auf der KEP neu - Webseite zu finden.

Acht Workshops mit 640 Persönlichkeiten

Die Workshop- und Diskussionsphase fand zwischen Oktober 2011 und Mai 2012 statt. Fast 640 Persönlichkeiten, kulturinteressierte BürgerInnen und ExpertInnen aus Fachbereichen beteiligten sich an diesem breit angelegten Diskussionsprozess.

Gestartet wurde diese Phase im Rahmen einer „Kick-Off-Veranstaltung“ mit einem Stärken-Schwächen-Workshop und abgeschlossen mit einem großen Maßnahmenworkshop in der Tabakfabrik Linz. Zu den insgesamt acht veranstalteten Workshops waren ExpertInnen sowie AkteurInnen aus dem Kunst- und Kulturfeld, KünstlerInnen, KulturarbeiterInnen, alle kulturinteressierten Linzer BürgerInnen, VertreterInnen aus Wirtschaft, Bildung, Wissenschaft, Tourismus, Sozialwesen oder Politik eingeladen. In jedem Workshop wurden mehrere Themenfelder aus dem Grundlagenpapier diskutiert und bearbeitet, die Ergebnisse zu den einzelnen Themenbereichen auf der Webseite veröffentlicht.

Gemeinderat Severin Mayr, Kultursprecher der Grünen Linz: „Mir war es bei meinen Anträgen zur Neufassung des KEP immer ein Anliegen, dass ein breiter, partizipativer Prozess stattfindet. Das ist zweifelsfrei gelungen, so wurde etwa in den Workshops von vielen hochengagierten TeilnehmerInnen intensiv gearbeitet. Auch die Politik hat in vielen Sitzungen und Klausuren gezeigt, dass inhaltliche Auseinandersetzungen mit intensiver Diskussion statt parteipolitischem Streit möglich sind.“

Hauptbotschaften des KEP neu

Linz hat in den vergangenen Jahrzehnten einen enormen Wandel von einer Industriestadt zu einer dynamischen Wirtschafts- und Kulturstadt vollzogen. Die entscheidenden Weichen in Richtung Kulturstadt wurden bereits in den 1970er- und 1980er-Jahren gelegt.

Der neue Kulturentwicklungsplan, der für die nächsten 10 bis 15 Jahre gültig sein soll, versteht sich als verbindliches, auf breiter Basis erstelltes Strategiepapier, um die kulturelle Dynamik in der Stadt für die kommenden Jahre zu garantieren. Er definiert den kulturpolitischen Handlungsrahmen, der strategische Ziele formuliert, entsprechende Maßnahmen festschreibt, aber auch genügend Spielraum für Entwicklungen und Herausforderungen offen lässt. Dabei zeigen folgende vier Leitlinien, denen jeweils drei kulturpolitische Schwerpunkte zugeordnet sind, die Richtung an:

  • Chancengleichheit erhöhen
  • Potenziale fördern
  • Zugänge schaffen
  • Stadt öffnen

Die vier inhaltlichen Säulen des ersten Kulturentwicklungsplans - Kultur für alle, Neue Medien und Technologien, Freie Szene und Offene Räume – wurden neu interpretiert und eingearbeitet. Stadtspezifische Profile lassen sich aus dem Kulturentwicklungsplan ebenso herauslesen wie globale Themen. Linzbezogen und damit im Sinne eines Linzprofils tauglich sind das Bekenntnis zur Freien Kunst- und Kulturszene sowie zum besonderen Stellenwert der digitalen Medienkunst, die Aufarbeitung des Erbes des Nationalsozialismus sowie ein von „Kultur für alle“ ausgerichteter Vermittlungs- und Partizipationsansatz.

Globale Themen wie die zunehmende Bedeutung von internationalen Netzwerken, die Interdisziplinarität in Kunst, Kultur und Wissenschaft sowie Chancengleichheit im Bezug auf Barrierefreiheit, Interkulturalität, Gendergerechtigkeit und kulturelle Bildung sind im Gesamtkontext des neuen Kulturentwicklungsplans mindestens ebenso zentral.

Gemeinderätin Erika Rockenschaub, Kultursprecherin der SPÖ Linz: „Der neue Kulturentwicklungsplan ist ein großer Schritt in Richtung Chancengleichheit, in Bezug auf Barrierefreiheit, Interkulturalität und Gendergerechtigkeit. Schwerpunkt ist ein im Sinne von "Kultur für alle" ausgerichteter Vermittlungs- und Partizipationsansatz, der erstmals so prominent verankert wurde und verstärkt auch "Kultur durch alle" forciert.“

Wichtige Impulse für eine verstärkte Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und urbanen Fragestellungen setzte die Europäische Kulturhauptstadt Linz09, für deren nachhaltige Wirkung unter anderem auch der neue Kulturentwicklungsplan sorgen wird.

Gemeinderätin Ute Klitsch, Kultursprecherin der FPÖ Linz: „Ein besonderer Fokus lag unserseits bei der Erstellung von beiden KEPs auf der Schärfung des Linz-Profils. Beim neuen KEP wird dies sehr konsequent fortgesetzt, um Kulturprogramme zu bieten, die von anderen Städten schwer abgekupfert werden können. Festivals und Kunst auf öffentlichen Plätzen stehen hier ganz voran. Professionelle Kooperationen mit dem Tourismus und ein eigener Schwerpunkt für Kinder und Jugend sichern bereits jetzt das kulturelle Leben in unserer Stadt für die nächsten Generationen.“

Chancengleichheit erhöhen

Im Sinne der politischen Gesamtausrichtung von Linz als sozial gerechte Stadt gilt auch für den Kulturbereich der Grundsatz, dass Chancengleichheit auf allen Ebenen hergestellt werden muss. Die Stadt Linz bekennt sich daher auch in der Kulturpolitik zu einer Gleichstellung aller Menschen und Gruppen und somit zur Chancengleichheit und zur fairen gesellschaftlichen Teilhabe aller. Noch bestehende Zugangs- und Nutzungsbarrieren müssen beseitigt, Gendergerechtigkeit auf allen Ebenen hergestellt und die gesellschaftliche Vielfalt in ethnischer und religiöser Hinsicht als Normalität betrachtet werden. Diese Ziele schaffen die unabdingbaren Voraussetzungen für eine gelebte „Kultur für alle“.

Kapitel im KEP neu zu diesem Themenschwerpunkt sind:

  • 1. Kapitel - “Kunst und Kultur barrierefrei nutzen”
  • 2. Kapitel - “Interkulturalität leben”
  • 3. Kapitel - “Gendergerechtigkeit erreichen”

Potenziale fördern

Kulturentwicklung und -planung sind der Motor für kulturellen Fortschritt und Basis für die Auseinandersetzung mit gesellschaftsrelevanten Fragen und künstlerischen Tendenzen. Um dies zu gewährleisten sind die vorhandenen kreativen Potenziale einer Stadt bestmöglich zu fördern. Einerseits in Form eines Bekenntnisses zur Unterstützung von Kunst und Kultur als öffentliche Aufgabe, die eine finanzielle Förderung öffentlicher Kulturträger und der freien Kunst- und Kulturszene mit einschließt. Andererseits durch die Sicherstel-lung einer adäquaten Infrastruktur, die das kulturelle und künstlerische Produzieren erst ermöglicht. Darüber hinaus konzentriert sich das Kunst- und Kulturschaffen in Linz auf ein interdisziplinäres Agieren auf der Höhe der Zeit.

Kapitel im KEP neu zu diesem Themenschwerpunkt sind:

  • 4. Kapitel - “Freie Kunst und Kulturszene fördern”
  • 5. Kapitel - “Interdisziplinär arbeiten”
  • 6. Kapitel - “Räume nutzen und schaffen”

Zugänge schaffen

Partizipation und Vermittlung sind die Voraussetzungen einer „Kultur für alle“. In diesem Sinne ist kulturelle Bildung ein Schlüsselbegriff für eine echte Teilhabe möglichst breiter Bevölkerungsschichten am kulturellen Geschehen. Einen Schwerpunkt der Linzer Kulturpolitik stellt dabei der Fokus auf die Zielgruppen der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen dar, die unabgängig von ethnischer Herkunft und sozialem Milieu ein Recht auf Kunst und Kultur haben. Zugänge zu Kunst und Kultur schafft insbesondere der öffentliche Raum, wobei dieser nicht nur als physischer Stadtraum, sondern auch als mediale Öffentlichkeit definiert ist, wodurch Diskurs, Auseinandersetzung und Kritik intensiviert werden.

Kapitel im KEP neu zu diesem Themenschwerpunkt sind:

  • 7. Kapitel - “Kunst und Kultur vermitteln”
  • 8. Kapitel - “Junge Menschen beteiligen”
  • 9. Kapitel - “Kunst und Kultur öffentlich machen”

Stadt öffnen

Urbanität steht für Offenheit, Vielschichtigkeit, Vernetzung und Verdichtung. Linz als das urbane Zentrum Oberösterreichs kommt in diesem Sinne eine besondere Rolle und Aufgabe zu. Nicht nur als Verwaltungszentrum des Bundeslandes, sondern auch als kulturelles Kraftfeld in einer boomenden Wirtschaftsregion. Für die Kulturstadt Linz bedeutet das, die Beteiligung an überregionalen und europäischen Netzwerken weiter auszubauen, die Internationalisierung des Kunst- und Kulturschaffens weiter zu forcieren sowie das Kulturangebot in der Stadt in seiner Dichte durch Kooperationen der Kulturanbieter weiter zu optimieren.

Die Reflexion von Vergangenem und die Auseinandersetzung mit Zukünftigem in dieser Stadt soll Basis sein, um auf eine komplexer werdende Welt mit Lösungen und Projekten zu reagieren, die Linz und ihre Region als innovativen, weltoffenen und zukunftsfähigen Standort festigen. Denn Verantwortung für seine Vergangenheit zu übernehmen, insbesondere für das nationalsozialistische Erbe der Stadt Linz, schafft erst die Voraussetzungen für eine humane, demokratische Gegenwart und Zukunft.

Kapitel im Kep neu zu diesem Themenschwerpunkt sind:

  • 10. Kapitel - “Internationalität forcieren”
  • 11. Kapitel - “Vernetzung und Kooperation stärken”
  • 12. Kapitel - “Vergangenheit reflektieren und Zukunft denken”

Übrigens: Am Freitag, 15. Februar findet im Sky Media Loft des Ars Electronica Centers um 18 Uhr die „KEP neu – Abschlusspräsentation“ statt. Dabei wird der Kulturentwicklungsplan neu druckfrisch ausgeteilt.

Weitere GesprächspartnerInnen: Gemeinderätin Erika Rockenschaub (SPÖ), Gemeinderätin Ute Klitsch (FPÖ), Gemeinderat Severin Mayr (GRÜNE), Mag.a Gerda Forstner - Linz Kultur

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Vizebürgermeister Dr. Erich Watzl und Kulturdirektor Dr. Julius Stieber über den nun vorliegenden neuen Kulturentwicklungsplan)


Kulturentwicklungsplan neu.

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