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KULTUR
Presseaussendung vom 25.02.2016

Neue Publikation des Archivs der Stadt Linz

Studie zur Entwicklung der Linzer Bevölkerung und der städtischen Identität im 20. und 21. Jahrhundert

Im Rahmen des vom Linzer Gemeinderat beschlossenen Projekts „Linz im 20. Jahrhundert“ ist die Publikation „Vom nationalen Hort zur postmodernen City. Zur Migrations- und Identitätsgeschichte der Stadt Linz im 20. und 21. Jahrhundert“ von Univ.-Prof. Dr. Michael John erschienen. Der Autor veranschaulicht mittels verschiedener Methoden die Dimension der Zuwanderung, die Begegnungsstrategien von einheimischer Seite, ebenso wie die Lebenswelten der zugewanderten Menschen in Linz und wie dies insgesamt letztlich auch die Identität der Stadt mitformte.

Wanderbewegungen im „kollektiven Gedächtnis“

Über weite Strecken des 20. Jahrhunderts bildeten regionale und überregionale Zuwanderer und Zuwanderinnen die Mehrheit der Linzer Stadtbevölkerung. Dieser Band versucht einen Überblick über das Wanderungsgeschehen im 20. Jahrhundert sowie über den Umgang mit den aus der Zuwanderung entstandenen Minderheiten im Großraum Linz zu geben. Im Mittelpunkt stehen soziale, ökonomische und kulturelle Entwicklungen und Prozesse, die in die gesamtösterreichische Entwicklung eingeordnet werden. Auch Selbstwahrnehmungen, „Erinnerung“ und „kollektives Gedächtnis“ finden in dieser Regional- und Lokalgeschichte ihren Platz: Schriftliche Zeugnisse, aber auch lebensgeschichtliche Interviews mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen runden das Bild ab.

Zuwanderungsstadt Linz

In dieser Publikation werden über das gesamte 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart die wesentlichen Entwicklungen und die gesellschaftspolitische Dimension der Zuwanderungen in den Linzer Raum abgebildet. Es geht letztlich auch darum, die gesellschaftliche Atmosphäre in der Stadt bei der Frage der Migration und der Minderheiten sichtbar zu machen sowie stadthistorische mit migrationshistorischen Aspekten zu verbinden. Über den gesamten Untersuchungszeitraum kann Linz – allein von der statistischen Dimension, aber auch in Hinblick auf andere Faktoren – als Zuwanderungsstadt bezeichnet werden. Was bedeutete dies für die städtischen Eigendefinitionen, für die Identität der Stadt und für die Identität der Zuwanderer und Zuwanderinnen?

Prägende (sozial)geschichtliche Faktoren

Ebenso wie die gesamte Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Stadt Linz im genannten Zeitraum war auch die Migrationsgeschichte von starken Diskontinuitäten und Brüchen geprägt. Für die Entwicklungen spezifischer städtischer Identitäten spielten im gesamten 20. Jahrhundert die Bevölkerungsentwicklung, Zu- und Abwanderung sowie der Umgang mit Minderheiten eine wichtige Rolle. Mehrere politische Zäsuren kennzeichnen das 20. Jahrhundert: das Ende der Monarchie, die Zeit des Austrofaschismus, die Machtergreifung durch die Nationalsozialisten sowie der Beginn der Zweiten Republik. Diese Umbrüche waren im gesellschaftlichen Klima der Stadt ebenso spürbar wie die enge Verwobenheit der Landeshauptstadt mit dem Umland und die starke Prägung durch die ländliche Zuwanderung. Mit der in Linz ansässigen Landesregierung existierte ein weiterer Einflussfaktor im städtischen Geschehen.

Formen der Integration in die Gesellschaft

Die Anpassung an die Großstadt war für die großteils ländlichen Zuwanderer und Zuwanderinnen ein komplizierter Prozess, der in unterschiedlichen Formen gestaltet werden konnte. Dieser komplexe Vorgang war auch von der Frage nach der „Heterogenität der Zuwanderung“ abhängig. Von besonderem Interesse sind im Fall der Stadt Linz neben den „fremden“ Migrantinnen und Migranten, die aus einem anderen Kulturkreis oder aus weiter entfernten Destinationen stammen, besonders auch die aus den ländlichen Regionen Oberösterreichs und Südböhmens kommenden Zuwanderer.

Michael John versucht, den angesprochenen Adaptionsprozess aus verschiedenen Perspektiven darzustellen und in diesem Zusammenhang auch die Lebensrealität von Migranten und Migrantinnen exemplarisch abzubilden. Nicht zuletzt werden das Selbstbild der zugewanderten Menschen und das der sie aufnehmenden Gesellschaft durch den Verlauf und das Ergebnis dieser Prozesse entscheidend geprägt.

Interview mit einem 102-jährigen Linzer

Werner Neugebauer, Sohn des k.u.k. Hofbuchhändlers Otto Neugebauer, wurde 1913 in Prag geboren und übersiedelte nach dem Ende der Monarchie in die Stadt Salzburg, Stadtteil Parsch. Dort besuchte er nach der evangelischen Volksschule die Handelsschule. Im Jahr 1935 erhielt er von seinem Vater die Buchhandlung am Linzer Taubenmarkt, die er am 1. Jänner 1937 mit 23 Jahren eröffnete.

Er meldete sich freiwillig zur NS-Militärausbildung und wurde gleich zu Kriegsbeginn am 1. September 1939 eingezogen. Nach Einsätzen in Polen und Frankreich arbeitete er für den Sicherheitsdienst in Berlin und decodierte geheime Nachrichten. 1942 meldete er sich nach einer beendeten Liebesbeziehung zur Aufklärungsstaffel in Nordafrika und wurde nach einem Flugzeugabsturz schwer verletzt als Kriegsgefangener in ein britisches Lazarett nach Kairo verlegt, wo er vier Jahre als „Prisoner of War“ verbrachte. Wieder genesen, arbeitete er als Dolmetscher und zuletzt als Bibliothekar in einer englischen Rotkreuz-Bibliothek. 1946 wurde er in die englische Zone in Kärnten entlassen und flüchtete wenig später zu seiner Familie nach Salzburg. Zurück in Linz, baute Neugebauer seine Buchhandlung aus und wurde Hauptlieferant des Linzer Magistrats. Ab 1966 etablierte er seine Geschäftsbeziehungen zur neu gebauten Hochschule und heutigen Johannes Kepler Universität und profitierte in den 1970er-Jahren von der kostenlosen Schulbuch-Aktion der Regierung Kreisky. Der „Linzer Traditionsbuchhändler“ lebt heute, nach der Übergabe der Buchhandlung an seinen Sohn Walter Neugebauer, den ersten gebürtigen Linzer in der Familiendynastie, im Seniorenwohnheim der Diakonie an der Linzer Körnerstraße.

Zur Publikation

Michael John, „Vom nationalen Hort zur postmodernen City. Zur Migrations- und Identitätsgeschichte der Stadt Linz im 20. und 21. Jahrhundert“

Archiv der Stadt Linz, 477 Seiten, zahlreiche Abbildungen, Preis 34 Euro.

ISBN 978-3-900388-62-1

Erhältlich im Archiv der Stadt Linz, Neues Rathaus, Hauptstraße 1–5, A-4041 Linz, sowie im Buchhandel.

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Bürgermeister Klaus Luger und Vizebürgermeister Mag. Bernhard Baier anlässlich der Präsentation des Buches von Univ.-Prof. Dr. Michael John „Vom nationalen Hort zur postmodernen City. Zur Migrations- und Identitätsgeschichte der Stadt Linz im 20. und 21. Jahrhundert“)

KONTAKT

Magistrat der Landeshauptstadt Linz
Hauptstraße 1-5
4041 Linz

Tel: +43 732 7070 0
Fax: +43 732 7070 54 2110
E-Mail: info@mag.linz.at

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