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Schulklasse
SOZIALES
Presseaussendung vom 05.09.2017

Städtische Schulsozialarbeit

Fast 800 SchülerInnen in Betreuung

Soziale Probleme haben Einfluss auf die Lernbereitschaft und die weiteren Berufs- und Lebenschancen jedes Einzelnen. Da Kinder und Jugendliche einen großen Teil ihrer Zeit in der Schule verbringen, ist das System Schule neben dem pädagogischen Auftrag auch mit vielen sozialen Herausforderungen konfrontiert. Um diese zu bewältigen und die Kinder und Jugendlichen in ihrem Heranwachsen zu unterstützen, wurde Sozialarbeit an Schulen als präventiver sozialer Dienst etabliert.

An Linzer Pflichtschulen wird Schulsozialarbeit im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe angeboten. Die SozialarbeiterInnen der Abteilung Jugendgesundheit und Schulsozialarbeit aus dem Geschäftsbereich Soziales, Jugend und Familie stehen als AnsprechpartnerInnen für SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen vor Ort bereit. „Ziel unserer Schulsozialarbeit ist, Problemsituationen möglichst früh zu erkennen und bei der Lösungsfindung professionell zu unterstützen. Gemeinsam mit dem Kooperationspartner Schule gelingt es, die Kinder bestmöglich in ihrer Entwicklung zu begleiten“, sagt Sozialreferentin Stadträtin Karin Hörzing.

Aktuell wird in zwei Drittel der öffentlichen Pflichtschulen in Linz Schulsozialarbeit nachgefragt. Konkret konnten im Schuljahr 2016/2017 791 SchülerInnen und deren Umfeld vom niederschwelligen Angebot profitieren. Auch nicht betreute öffentliche Pflichtschulen in Linz haben die Möglichkeit, sich an die Schulsozialarbeit zu wenden.

Steigende Nachfrage

Ziel der Schulsozialarbeit (SuSA) ist es, durch die regelmäßige Präsenz psychosoziale Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig geeignete Maßnahmen zur individuellen Förderung der sozialen Integration der Kinder und Jugendlichen in ihrem Umfeld zu setzen. Das passiert derzeit an zwei Drittel der 56 öffentlichen Pflichtschulen (37 Volksschulen, 14 Neue Mittelschulen, zwei Polytechnische Schulen, drei Sonderschulen) in Linz. Die Anfragen aus den nicht betreuten Schulen nehmen zu.

Schuljahr 2016/2017: 791 SchülerInnen in Betreuung

Derzeit zählt der Bereich der städtischen Schulsozialarbeit zwölf MitarbeiterInnen, die zum Großteil teilzeitbeschäftigt sind. Im vergangenen Schuljahr 2016/2017 haben sie 791 der Linzer PflichtschülerInnen begleitet und betreut. Davon besuchten 339 eine Volksschule, 340 eine Neue Mittelschule, 17 gingen in ein Polytechnikum und 95 in eine Sonderschule. Vor allem Jungen – es waren 491 – nahmen das SuSA-Angebot in Anspruch.

In den meisten Fällen (332) dauerte die Betreuung weniger als zwei Monate.  Um 274 Mädchen und Jungen nahmen sich die SozialarbeiterInnen länger an. 185 Kinder und Jugendliche wurden über sechs Monate hinaus betreut. Bei 31 SchülerInnen reichte das SuSA-Angebot nicht aus. Für sie wurden Erziehungshilfemaßnahmen organisiert.

Problemfelder der Schulsozialarbeit (SuSA)

Die Problemstellungen sind vielfältig. Sie reichen von Erziehungsüberforderung, Verhaltensauffälligkeiten der SchülerInnen, ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnissen, kulturellen und sprachlichen Integrationsproblemen, gesundheitlichen Problemen, familiären Konflikten und Krisen über Lernschwierigkeiten und Schulverweigerung bis hin zu Gewalt, Suchtmittelmissbrauch und Straffälligkeit.

Erziehungsüberforderung, Lernschwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten der SchülerInnen sind nach wie vor die Hauptproblemfelder. Wobei dieses Schuljahr die Verhaltensauffälligkeiten der betreuten SchülerInnen um fünf Prozent, die Konflikte in der Schule um 6,5 Prozent und die Gewalt der SchülerInnen untereinander um vier Prozent zurückgegangen sind. Die Interventionen seitens System Schule und SuSA für ein förderliches Schulklima und ein friedliches und freudvolles Miteinander haben zu dieser positiven Entwicklung beigetragen.

Die ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse in 22 Prozent der betreuten Familien und die Vernachlässigung bis hin zur Verwahrlosung der SchülerInnen in 23 Prozent der betreuten Fälle sind nach wie vor besorgniserregend hoch. In diesem Zusammenhang sind für das kommende Schuljahr noch engere Kooperationen mit internen und externen Hilfsangeboten notwendig.

Es erfordert viel Zeit und Einfühlungsvermögen, das Vertrauen der Eltern, der SchülerInnen und der LehrerInnen zu gewinnen. Für eine erfolgreiche Betreuung sind SchulsozialarbeiterInnen im Einsatz, die einerseits gut ausgebildet sind, andererseits mit viel Empathie, Geduld, Zuversicht und Freude ihre Aufgabe wahrnehmen.

SuSA berät, begleitet, zeigt bestehende Ressourcen auf, nutzt diese und unterstützt damit effizient. Im Falle einer Gefährdung des Kindeswohls wird mit den MitarbeiterInnen der Kinder- und Jugendhilfe kooperiert.

Für jede/n das passende Angebot

Zielgruppe für die Schulsozialarbeit sind SchülerInnen mit einem zusätzlichen Betreuungsbedarf, der im Rahmen der schulischen Förderung nicht abgedeckt werden kann. Darüber hinaus SchülerInnen, die innerhalb der Familie bei der Bewältigung der täglichen Anforderungen nicht ausreichend unterstützt werden. Auch Erziehungspersonen, die Beratung und Hilfe in der Pflege und Erziehung ihrer Kinder benötigen und PädagogInnen, die sich Sorgen um das Wohl einer/s SchülerIn machen, können Schulsozialarbeit in Anspruch nehmen.

Am häufigsten wird SuSA durch LehrerInnen beziehungsweise SchulleiterInnen beauftragt. Im Schuljahr 2016/2017 war dies 534 Mal der Fall. BetreuungslehrerInnen meldeten insgesamt 94 Mal Betreuungsbedarf. 65 Mal wandten sich Eltern(teile) und 30 Mal SchülerInnen direkt an die SozialarbeiterInnen. Bei 68 SchülerInnen meldeten die SchulärztInnen und sonstige HelferInnen einen Betreuungsbedarf.

Das Tätigkeitsfeld umfasst präventive, begleitende und aufsuchende Sozialarbeit sowie Krisenintervention. Gleichzeitig sind die SuSA-MitarbeiterInnen gut mit internen und externen Hilfsangeboten vernetzt.

„Die Schule ist ein wichtiger Lebensbereich für Kinder und Jugendliche. Heutzutage ist sie nicht mehr nur ein Ort des Wissenserwerbes, sondern übernimmt auch vermehrt erzieherische und persönlichkeitsbildende Aufgaben“, meint die Linzer Sozialreferentin Karin Hörzing.

Von SuSA profitieren alle Beteiligten: Die SchülerInnen können kommen, wenn sie Ärger zuhause, Probleme mit LehrerInnen, Streit mit KlassenkameradInnen haben oder sich von der Welt unverstanden fühlen. Auch für Eltern sind die SozialarbeiterInnen kompetente AnsprechpartnerInnen in Erziehungsfragen und sozialen Belangen. LehrerInnen und sonstige Beteiligte wenden sich an SuSA, um passende Lösungen für komplexe soziale Problemstellungen zu entwickeln. Im Detail sieht die Leistungspalette folgendermaßen aus:

Angebote für SchülerInnen und Eltern

  • Beratung und Begleitung in schwierigen schulischen, persönlichen und familiären Situationen
  • Erziehungsberatung
  • Konfliktregelung
  • Krisenintervention
  • Vermittlung und Begleitung zu anderen sozialen Institutionen

Angebote für Lehrerinnen

  • Information über Angebote anderer Sozialeinrichtungen 
  • Durchführung oder Organisation von Präventionsprojekten in Klassen zu spezifischen Themen
  • Teilnahme an Elternabenden, Schul- und Klassenforen 
  • Anwesenheit bei Elternsprechtagen

Das Beratungsangebot der Schulsozialarbeit wird übrigens auch außerhalb der Unterrichtszeiten und in den Ferien fortgeführt.

Erfolgsfaktoren

Schulsozialarbeit ist wirksam, wenn

  • das Kind regelmäßig in die Schule kommt, an allen schulischen Angeboten (Schulveranstaltungen) teilnehmen kann, einen positiven Schulabschluss schafft und berufliche Perspektiven entwickelt
  • sich Kinder und Jugendliche in unserer Gesellschaft eine Zukunft sehen und aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen
  • sich das Familiensystem stabilisiert, weniger Konflikte auftreten, die Familie sozial eingebettet und wirtschaftlich stabil ist
  • die Familie neue Perspektiven entwickelt
  • die Familie passende Hilfen annimmt 
  • psychische Belastungen abgefedert werden und
  • der Kinderschutz gesichert ist

Beispiele aus der Praxis

Jonas besuchte die erste Klasse Volksschule. Bei der schulärztlichen Untersuchung fiel auf, dass der Junge schlecht sieht und dringend eine augenärztliche Abklärung braucht. Die Eltern waren für die Lehrerin und die Schulärztin nicht erreichbar. Die Schulsozialarbeiterin wurde eingebunden. Sie suchte die Familie zuhause auf. Die Mutter konnte kaum Deutsch und so wurde ein neuer Termin mit einem Dolmetscher organisiert. Mit Hilfe des Dolmetschers wurde eine soziale Anamnese gemacht.

Die fehlende Brille war nur ein Teil der sozialen Problemlage. Ein Optiker in Urfahr spendete nach Schilderung der Situation die dringend benötigte Brille. Da der Junge jetzt sein Handikap verloren hatte, wurde er auch sportbegeistert und verlor einiges an Gewicht. Er war plötzlich besser integriert und machte große Fortschritte im Lernen. Die Mutter fasste Vertrauen und bei einem weiteren Termin wurden die schwierigen finanziellen Verhältnisse besprochen, die Einnahmen den Ausgaben gegenübergestellt und der Schuldenstand erhoben. Die Sozialarbeiterin begleitete die Eltern zur Schuldnerhilfe, um einen Finanzierungsplan zu erstellen. Die Eltern schafften es, ihre finanzielle Situation in den Griff zu bekommen. Die Betreuung endete mit der 3. Klasse Volksschule. Jonas hat mittlerweile die Schule abgeschlossen und macht eine Lehre als Einzelhandelskaufmann.

Vera besuchte eine polytechnische Schule in Linz. Die Lehrerin meldete dem Schulsozialarbeiter ihr häufiges Fernbleiben. Ihre schulischen Leistungen waren schwach, sie wirkte uninteressiert und unaufmerksam. Da sie die Schulpflicht bereits beendet hatte, war von der Schule eine Abmeldung angedacht worden.

Der Schulsozialarbeiter suchte das Gespräch mit dem Mädchen, um die soziale und familiäre Situation abzuklären. Vera gab zu, dass sie die Schule nicht interessiere, da sie keinen NMS-Abschluss hatte und daher ohnedies keine Lehrstelle bekommen würde. Als Wunschberuf gab sie Kosmetikerin an. In weiterer Folge erfolgte ein Hausbesuch, um die Lebensumstände der Familie kennen zu lernen. Die Mutter war alleinerziehend, der Vater hatte die Familie verlassen und eine neue Familie gegründet. Er kümmerte sich wenig um seine Tochter. Es stellte sich heraus, dass Vera schon länger an depressiven Verstimmungen litt und einen Aufenthalt in der Jugendpsychiatrie abgebrochen hatte. Allein vom Hausarzt fühlte sie sich verstanden.

Mit der Schulleitung und den wichtigsten LehrerInnen wurde ein Plan zur Erhöhung der Erfolgserlebnisse erarbeitet. Die Betreuungslehrerin unterstützte bei der Aufbereitung des Lernstoffes, sodass in kleinen Portionen nachgelernt werden konnte. Die Mutter wurde beim Lernen miteinbezogen.

Mit der Zeit wurde klar, dass es möglich war, den versäumten Lernstoff nachzuholen. Vera kam wieder regelmäßig in die Schule. Sie wurde zunehmend kooperativer, aktiver und integrierte sich besser in den Klassenverband. Sie kam weiterhin zu regelmäßigen Gesprächen, an denen gelegentlich auch die Mutter teilnahm. Sie hatte am Ende zwei Nachprüfungen, die sie im Herbst erfolgreich bestand. Mit dem Austritt aus der Schule endete die Betreuung. Die Mutter berichtete schließlich, dass ihre Tochter eine Lehrstelle gefunden hatte.

Kontakt
Jugendgesundheit und Schulsozialarbeit
Geschäftsbereich Soziales, Jugend und Familie
Hauptstraße 1-5, 4041 Linz
Journaldienst: +43 732 7070 2667, Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Stadträtin Karin Hörzing zum Thema "Städtische Schulsozialarbeit – Kooperation im schulischen Umfeld gelingt")

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