Medienservice vom: 26.03.2024 |Fotos zum Medienservice

Erfolgsprojekt „Community Nursing“ Bereits mehr als 2.000 Klient*innen

  • Ergebnisse wissenschaftlicher Wirkungsanalyse belegen eine bessere Gesundheitsversorgung älterer Linzer*innen 
  • Präventive Hausbesuche und Beratung ab sofort in allen Stadtteilen

Im März 2022 wurde das Pilotprojekt „Community Nursing“ der Stadt Linz gestartet. Die sechs diplomierten Gesundheits- und Krankenpfleger*innen sind erste Anlaufstelle und Expert*innen für alle Fragen rund um Gesundheit und Pflege von Senior*innen und bieten ein wohnortnahes, niederschwelliges Angebot für Menschen mit Pflegebedarf, ihre Angehörigen sowie für alle interessierten Personen bereits vor Eintritt der Pflegebedürftigkeit. Ziel ist es, eine stationäre Heimaufnahme durch frühe Intervention so lange wie möglich hinauszuzögern und das Bewusstsein für Präventionsmaßnahmen in der Pflegevorsorge zu verbessen. Ältere Menschen sollen bereits vor Eintritt der Pflegebedürftigkeit erreicht und Angehörige früh für das Thema Pflege und Betreuung sensibilisiert werden. 

Seit Herbst 2022 begleitet die Fachhochschule das Projekt wissenschaftlich und erstellt eine sozialökonomische Wirkungsanalyse. Das Forschungsprojekt „Wirkungsanalyse der Community Nurse-Projekte der SZL Seniorenzentren Linz GmbH“ untersucht, welche Effekte das Projekt in den Stadtteilen Franckviertel, Dornach/Auhof und Kleinmünchen/Auwiesen hat. 

Mehr als 2.000 Klient*innenkontakte seit dem Start zeigen eine Nachfrage, die weit über das ursprüngliche Projektgebiet – die Stadtteile Dornach-Auhof, Franckviertel und Kleinmünchen/Auwiesen – hinausgeht.  Basierend auf diesem großen Bedarf, einer Förderaufstockung der Gesundheit Österreich GmbH um 75.000 Euro für die restliche Projektlaufzeit und den vorliegenden Ergebnissen der Wirkungsanalyse erfolgte kürzlich eine Ausweitung des Projekts. Die Stadt Linz erhöhte die Personalressourcen der Community Nurses um 25 Wochenstunden. Damit kann die Leistung der präventiven Hausbesuche nun im gesamten Stadtgebiet angeboten werden.

„Mit dem Projekt ist es uns gelungen, die Gesundheitsversorgung und die Lebensqualität der älteren Linzerinnen und Linzer weiter zu verbessern. Heimunterbringungen können hinausgezögert werden und auch pflegende Angehörige werden entlastet. Die erhöhten Personalressourcen der Community Nurses machen es darüber hinaus möglich, die Leistung der präventiven Hausbesuche flächendeckend anzubieten. Wir werden weiterhin eng mit der Fachhochschule Oberösterreich zusammenarbeiten, um die Wirkungen des Projekts in den verschiedenen Stadtteilen zu analysieren und sicherzustellen, dass wir die Bedürfnisse der Klientinnen und Klienten aber auch der pflegenden Angehörigen bestmöglich erfüllen“, sagt Vizebürgermeisterin Karin Hörzing. 

„Die positive Resonanz auf das ‚Community Nursing‘ Projekt zeigt uns, dass die Pflege-Expertise der Seniorenzentren Linz auch außerhalb unserer Häuser – in den Stadtteilen – wirkt. Wir verstehen unsere Einrichtungen dadurch verstärkt als Kompetenzzentren, in denen Betroffen zu allen Fragen um Gesundheit und Pflege, rasche, unbürokratische Information und Unterstützung erhalten. Es freut mich außerordentlich, dass wir durch die Projektausweitung nun im ganzen Stadtgebiet tätig werden können. Die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit der FH OÖ bereits seit der Vorbereitung der Projekteinreichung war insgesamt ein wesentlicher Erfolgsfaktor“, erklärt Mag. Robert Ritter-Kalisch, Leiter der Seniorenzentren Linz.

„Wirkungsanalyse ist auf dem Weg, eine fixe Größe im Sozial-, Gesundheits- und Public-Bereich zu werden. Mit diesem Instrument unterstützt das Department Gesellschaft und Management der FH OÖ die Organisationen dabei, auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse die Wirkungen (Impacts) von Projekten zu evaluieren und so ihre finanziellen Mittel effizient und effektiv einzusetzen“, so Prof. Thomas Prinz, Leiter des FH OÖ Projektes.

Die Wirkungsanalyse des Community Nurses-Projekts folgt einem multidisziplinären wissenschaftlichen Ansatz und umfasst mehrere Schritte — darunter Literaturrecherche, Stakeholder-Analyse, Benchmarking und die Erstellung von Wirkungszielen. Sie berücksichtigt auch empirisch fundierte Ursache-Wirkungszusammenhänge und berechnet Kostenersparnisse sowie den Nutzen in Geldwert. Die Datengewinnung wurde durch Experteninterviews angereichert, vertieft und mittels Workshops und Gesprächen mit Community Nurses überprüft.

Was bringen die neuen Dienstleistungen der „Community Nurses“?

Die direkten Effekte umfassen laut Analyse unter anderem eine verbesserte Versorgung der Klient*innen sowie Entlastung für pflegende Angehörige. Indirekt profitieren auch Ärzt*innen, Krankenhäuser, ambulante Dienste, Nachbarn aber auch mobile Dienste von einer Reduzierung gesundheitlicher Komplikationen. Eine verbesserte Gesundheitsversorgung und präventive Unterstützung tragen nicht nur zum individuellen Wohlbefinden bei, sondern stärken auch die Resilienz und das soziale Gefüge der Gemeinschaft. Weniger Krankenhausaufenthalte und stabile Pflegebedürftigkeit führen zu einer effizienteren Ressourcennutzung und einer Entlastung des Gesundheitssystems insgesamt. Dazu kommen Kostenersparnisse durch die Vermeidung oder Verringerung von teureren Versorgungsformen wie Krankenhausaufenthalten oder Pflegeheimunterbringungen.

Um den sich ändernden Bedürfnissen ihrer Zielgruppe und deren Umfeld gerecht zu werden, entwickeln die Community Nurses auch neue Angebote (z.B. die „Bewegte Apotheke“). Diese Anpassungsfähigkeit und das Engagement der Community Nurses sind entscheidend für den Erfolg ihrer Arbeit und den positiven Einfluss auf die Gemeinschaft im Stadtteil.

Basierend auf Interviews und Analysen wurden drei Hauptwirkungspfade für das Projekt „Community Nursing” identifiziert:

  • Sturzprävention bei älteren Menschen: Die Community Nurses setzen ihre sozialen, emotionalen und fachlichen Kompetenzen ein, um präventive Maßnahmen zu entwickeln. Durch Beratungen, Vorträge und Hausbesuche tragen sie dazu bei, Stürze zu verhindern und das Wohlbefinden ihrer Klient*innen zu verbessern.
  • Verzögerung von Heimaufnahmen: Durch frühzeitige Interventionen versuchen die Community Nurse stationäre Aufnahmen in Alten- und Pflegeheimen so lange wie möglich zu verzögern.
  • Entlastung von Angehörigen: Die Community Nurses bieten Unterstützung und Informationen für pflegende Angehörige.

Direktor Mag. Robert Ritter-Kalisch mit dem 6-köpfigen Community Nurses-Team der Stadt Linz. Foto: R. MaybachDirektor Mag. Robert Ritter-Kalisch mit dem 6-köpfigen Community Nurses-Team der Stadt Linz. Foto: R. Maybach

Aktueller Monitoringbericht zum Projektfortschritt

Nach der Aufbauphase zeigte es sich rasch, dass die Ressourcen für ein breites, niederschwelliges Angebot über die Projektregionen hinaus nicht ausreichten. Im Zuge der Projektausweitung wurde um zusätzliche finanzielle Mittel angesucht, um diesen Bedarf zu decken und präventive Hausbesuche im gesamten Linzer Zentralraum anbieten zu können. Mit 1. März 2024 sind die zusätzlichen Community Nurses-Ressourcen besetzt und wird dies umgesetzt. Sprechstunden und telefonische Beratungen für alle Linzer*innen geben einen guten Überblick über den Bedarf in ganz Linz. 

Die Bekanntheit des Projekts in der Bevölkerung und bei den Zuweisern hat sich kontinuierlich gut entwickelt. Das Angebot wird von den meisten Akteur*innen im Gesundheitsbereich als bereichernd und unterstützend beschrieben. Es gibt mittlerweile einige vielversprechende Kooperationen — z.B. „Bewegte Apotheke“, Sprechstunden und Vorträge in Seniorenclubs („Club Aktiv“) sowie einen Smartphone-Stammtisch.

Die Vernetzung im Stadtteil wurde in den vergangenen Monaten prioritär behandelt. Die Anbindung an bestehende Strukturen zur sozialen Teilhabe im Alter wird laufend vorangetrieben. Direkt an den bestehenden Senior*innentreffpunkten wurden regelmäßige Impulsreferate zu Themen rund um Gesundheit und Pflege umgesetzt, mit anschließenden Sprechstunden vor Ort. Für eine noch bessere Bekanntheit sind beispielsweise Gesundheitsworkshops, Vorträge und Smartphone-Workshops in den Stadtteilen ins Leben gerufen worden. Seit einem Jahr wird der Social Media-Auftritt der Community Nurses als Informationsangebot zu Pflege- und Gesundheitsthemen betrieben.

Hauptzielgruppe sind über 75-jährige, zu Hause lebende Menschen mit oder ohne Pflege- und Betreuungsbedarf mit bevorstehendem oder vorhandenem Informations-, Beratungs-, Pflege- und/oder Unterstützungsbedarf in pflegebezogenen und gesundheitlichen Belangen.

Weitere Zielgruppen sind pflegende und betreuende Angehörige, Personen, die einen präventiven Ansatz zum Thema „gesund und selbstbestimmt alt werden“ verfolgen sowie Menschen, die von Isolation und Einsamkeit betroffen, sozial bedürftig, non-compliant oder multimorbid sind.
Die Community Nurses haben sich durch konsequente Netzwerkarbeit bei allen relevanten Systempartnern etabliert und arbeiten konstruktiv zusammen. Hier ergeben sich laufend neue Interessenten und zielführende Partnerschaften, z.B. mit Angehörigenvereinen, Clubs und Vereinen.

Als neue Vernetzungspartner konnten im vergangenen August eine Apotheke im Stadtteil Kleinmünchen als Partner gewonnen werden. Dies ist der Ausgangspunkt für das Angebot der „Bewegten Apotheke“, einem niederschwelligen Bewegungsangebot mit Spaziergängen und Bewegungsübungen, in Zusammenarbeit mit Sozialarbeiter*innen der Gemeinwesenarbeit im Stadtteilzentrum bzw. einem Sportwissenschaftler und Apotheken. Das Angebot wurde innerhalb kurzer Zeit von einer großen Teilnehmer*innen-Anzahl (bis zu 25 Personen pro Termin) sehr gut angenommen.

Dazu startete auch eine Vortragsreihe zu präventiven, gesundheitsfördernden Themen in Seniorenclubs mit anschließenden Community Nurses-Sprechstunden. Die Besuche im Club Franckviertel sind aufgrund dieses Angebots erheblich gestiegen.

Etabliert hat sich seit Februar 2023 die gezielte Gesundheitsinformationsarbeit über die Social Media Plattformen der Community Nurses der Stadt Linz (www.facebook.com/communitynursesderstadtlinz und Instagram @communitynursesderstadtlinz).

Bewusstseinsbildung wird auch aktiv innerhalb des eigenen Trägers, der mit ca. 1.000 Mitarbeitenden der größte in der Seniorenarbeit in Oberösterreich ist, betrieben. Das Angebot der Community Nurses und die angestrebte gesundheits- und sozialpolitische Wirkung wird laufend in internen Medien kommuniziert.

Informationsunterlage zur Pressekonferenz mit Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing zum Thema „Wirkungsanalyse belegt positive Effekte des Pilotprojektes Community Nursing“)

Weitere Gesprächspartner*innen:
Mag. Robert Ritter-Kalisch, Geschäftsführer Linzer Seniorenzentren 
FH-Prof. Mag. Dr. Thomas Prinz, Leiter des FH OÖ Projektes

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