Frauenpreis der Stadt Linz 2026: Beratungsstelle LENA wird für Aufklärungskampagne für Sexarbeiter*innen und deren Kunden ausgezeichnet Langjähriges Engagement und kontinuierliche Arbeit für die Rechte und Selbstbestimmung von Sexarbeiter*innen wird gewürdigt
Seit 2012 würdigt die Stadt Linz alljährlich herausragendes frauenpolitisches Engagement. Heuer geht der mit 5.000 Euro dotierte Frauenpreis an die Caritas Beratungsstelle LENA für Menschen, die in der Sexarbeit tätig sind bzw. waren.
Die prämierte Kampagne nutzt Visitenkarten mit dem Slogan „Alles, was Spaß macht“, die an Kunden verteilt werden. Diese Karten erwecken zunächst den Eindruck, dass ungeschützter Sex möglich sei. Wählt man jedoch die angegebene Telefonnummer, wird man mit einer Mailbox verbunden, die ein fiktives Gespräch zwischen einer Sexarbeiterin und einem Kunden wiedergibt. In diesem Hörspiel versucht der Kunde, die Sexarbeiterin zu überreden, auf ein Kondom zu verzichten, während sie ihre Entscheidung für geschützten Sex argumentiert. Der Jingle endet mit einem Hinweis auf das kostenlose und anonyme Test- und Beratungsangebot der Aidshilfe OÖ.
Die Kampagne sensibilisiert Kunden für ihre Verantwortung bei der Prävention von sexuell übertragbaren Krankheiten und HIV. Sie trägt wesentlich zur Gesundheitsförderung innerhalb der Szene und der Gesellschaft bei.
„Sexarbeiter*innen sind in besonderem Maß von Stigmatisierung, Gewalt und Kriminalisierung betroffen. Ihre Arbeit macht sie vulnerabel für sexuell übertragbare Infektionen sowie HIV. Mit der Kampagne werden Kunden angesprochen und informiert, dass sie Verantwortung für Safer Sex tragen und übernehmen müssen. Über diese Initiative hinaus wird das LENA-Team um Elke Welser insbesondere dafür ausgezeichnet, dass sie beharrlich und gemeinsam mit Sexarbeiter*innen gegen Stigmatisierung und für Rechte und Selbstbestimmung kämpfen“ betont Frauenstadträtin Mag.a Eva Schobesberger.
Jurybegründung
Insgesamt 41 Einreichungen für den Frauenpreis 2026 erreichten das Frauenbüro der Stadt Linz. Unter dem Vorsitz von Stadträtin Mag.a Eva Schobesberger gehörten der Jury 2026 weiters die Gemeinderätinnen GR.in Gerlinde Grünn (KPÖ), GR.in Brita Piovesan (LINZ+), GR.in Vera Schachner (MFG), GR.in Renate Schütz (ÖVP), GR.in Martina Tichler (FPÖ) und GR.in Paulina Wessela (SPÖ) an. Sie begründeten ihre einstimmige Entscheidung folgendermaßen:
„Die Aufklärungskampagne für Sexarbeiter*innen und deren Kunden der Beratungsstelle LENA leistet einen wichtigen gesellschaftspolitischen Beitrag, indem sie das nach wie vor tabuisierte Thema Sexarbeit sichtbar macht und Raum für Aufklärung rund um Sexarbeit und sexuelle Gesundheit schafft. Die Kampagne setzt ein klares Zeichen für Safer Sex für alle – insbesondere auch durch die Verankerung der Verantwortung zum Safer Sex bei den Kunden der Sexarbeiter*innen. Zugleich stärkt das Projekt die Rechte, Selbstbestimmung und Handlungsfähigkeit von Sexarbeiter*innen und würdig ihre Tätigkeit als das, was sie ist: Arbeit.
Mit dem Preis soll auch das langjährige Engagement und die kontinuierliche Arbeit der Beratungsstelle LENA Anerkennung finden. LENA setzt sich bereits seit Jahrzehnten in einem patriarchalen System für eine marginalisierte Gruppe ein und stärkt mit ihrer Aufklärungsarbeit Sexarbeiter*innen nachhaltig.“
Zur Aufklärungskampagne
Kunden von sexuellen Dienstleistungen werden kaum durch die Gesundheits- und Präventionsarbeit von Beratungsstellen oder auch durch die Behörden erreicht. Sie genießen große Anonymität, weil sie nur sehr schwer direkt angesprochen werden können. Die Kampagne erreicht diese Zielgruppe durch Inserate in einschlägigen Foren über die ausgegebenen Visitenkarten. Die Wirkung erhöht sich zusätzlich, weil Sexarbeiter*innen selbst als Expert*innen in die Kampagne eingebunden sind und diese laufend mitgestalten.
Im Rahmen der aufsuchenden Sozialarbeit informieren die Mitarbeiter*innen der Beratungsstelle LENA Sexarbeiter*innen über die Ansteckungswege und -risiken bei ungeschützten Sexualkontakt. In den psychosozialen Beratungsgesprächen werden sie bestärkt, die eigenen Bedürfnisse und Grenzen im Kundenkontakt zu wahren.
Die Visitenkarten mit der Handynummer und dem Slogan „Alles, was Spaß macht“ dienen dabei als unterstützendes Werkzeug, insbesondere bei Kunden, die ungeschützten Verkehr verlangen. Die Einbindung der Kunden und die Bewusstmachung, dass auch sie Verantwortung für die Prävention von sexuell übertragbaren Infektionskrankheiten und HIV tragen, hat eine enorm hohe Relevanz für die langfristige Gesundheitsförderung innerhalb der Szene, sowie auch der Bevölkerung. Besonders ist an diesem Projekt, dass auch die Sexarbeiter*innen selbst als aktive Kooperationspartner*innen fungieren.
„Wir freuen uns sehr über den Erhalt des Frauenpreises Linz 2026 und danken von Herzen für diese besondere Auszeichnung. Dieser Preis ist weit mehr als eine Ehrung – er ist ein starkes, öffentliches Statement für unsere langjährige Arbeit und für die Haltung, die dahintersteht. Er gibt Rückenwind. Er steht für Respekt statt Stigma, für Rechte statt Bevormundung und holt Sexarbeiter*innen aus dem Tabubereich und der gesellschaftlichen Unsichtbarkeit. Er erinnert uns daran: Gleichstellung ist nur dann real, wenn sie auch die Lebensrealitäten von Sexarbeiter*innen einschließt. Eine zentrale Herausforderung unserer Arbeit ist es, auch jene zu erreichen, die meist im Verborgenen bleiben: Kunden sexueller Dienstleistungen. Sie werden durch Gesundheits- und Präventionsangebote von Beratungsstellen oder Behörden kaum erreicht und genießen ein hohes Maß an Anonymität. Genau hier setzt unsere Aufklärungskampagne an: Durch Inserate in einschlägigen Online-Foren sowie über von Sexarbeiter*innen ausgegebene Visitenkarten gelingt es, diese Zielgruppe direkt anzusprechen. Die Wirkung dieser Kampagne wird zusätzlich gestärkt, weil Sexarbeiter*innen selbst als Expert*innen eingebunden sind und die Inhalte maßgeblich mitgestaltet haben. Das ist Hilfe zur Selbsthilfe in der Praxis – partizipativ, respektvoll und wirksam. Unsere tägliche Arbeit bedeutet: zuhören statt urteilen, schützen und unterstützen statt bevormunden. Für die Zukunft wünschen wir uns eine Gleichstellungspolitik, die konsequent alle Lebensrealitäten mitdenkt – und Sexarbeiter*innen endlich jene Selbstbestimmung, Sicherheit und Rechte zugesteht, die ihnen zustehen. Dieser Preis bestärkt uns darin, diesen Weg konsequent weiterzugehen – mit Expertise, Haltung und Tatkraft.“, so Elke Welser, Leiterin der Beratungsstelle LENA
Beratungsstelle LENA
Prostitution ist in Österreich nicht strafbar, die Ausübung unterliegt den Prostitutionsgesetzen der Länder. Dennoch erleben Sexarbeiter*innen häufig Stigmatisierung und Ausgrenzung, was den Zugang zu sozialen Rechten erschwert. Übliche Arbeitsorte sind Bordelle, Laufhäuser oder die eigene Wohnung (unter Auflagen). Viele Sexarbeiter*innen sind selbstständig, was bedeutet, dass sie für Sozialversicherung und Steuern selbst verantwortlich sind. Durch strenge Auflagen und hohe Mieten in offiziellen Etablissements findet Sexarbeit vermehrt in privaten Wohnungen statt was die Sicherheit und den Zugang zu Beratungsstellen erschwert.
Umso wichtiger ist die Arbeit von Beratungsstellen wie LENA, denn sie treten tatkräftig, nachhaltig und anwaltschaftlich für Menschen ein, die in der Sexarbeit tätig sind oder waren.
Ein wesentliches Ziel ist die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen für Sexarbeiter*innen. LENA zeigt Ausbeutungsformen und -risiken der Adressat*innengruppe auf und wirkt dem durch Individualberatung/-begleitung als auch Lobbyarbeit entgegen. Unter dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ entwickeln und stärken sie die Handlungskompetenz der Adressat*innen. Sie erreichen es mit einem Bündel von Leistungen: Aufsuchende Sozialarbeit in rund 85 OÖ Bordellen / Clubs / Laufhäusern, wöchentliche Sprechstunde an der BH Linz und Linz-Land , Kontaktaufnahme mit Sexarbeiter*innen im virtuellem Raum, Chatberatungen, Beratung/Begleitung und themenspezifisches Coaching, Case Management, Qualifizierungsprojekte für die Adressat*innengruppe, Offene und Freizeitangebote, Gesellschaftspolitische Bewusstseinsbildung und Netzwerkarbeit u.v.m.
Verleihung des Frauenpreises
Die Verleihung des Frauenpreises findet im Rahmen der festlichen Veranstaltung „talk of fem“ am Donnerstag, 26. Februar um 19 Uhr im Alten Rathaus statt.
(Pressekonferenzunterlage von Frauenstadträtin Mag.a Eva Schobesberger)
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Fotos
- Druckdatei (JPG | 6,22 MB) 51 x 34 cm mit 300 dpi Foto: Stadt Linz
(v.l.): Anne Brack, Dipl. Soz.-Päd. (FH) vom Frauenbüro Linz, Preisträgerin Elke Welser, Dipl. Sexualberaterin, -pädagogin, Stellenleiterin der Beratungsstelle LENA, Frauenstadträtin Mag.a Eva Schobesberger und Frauenbeauftragte Mag.a Abena Carty-Pinner.
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