Medienservice vom: 20.04.2026 |Fotos zur Meldung

Stadt Linz stärkt Lebensräume für bedrohte Arten Schaffung eines Mosaiks aus Lebensräumen und konkrete Schutzmaßnahmen für gefährdete Tierarten in Linz

  • Nachhaltige Maßnahmen werden durch den Biodiversitätsfonds des BMLUK finanziert

Linz setzt ein umfassendes Projekt zur Stärkung der biologischen Vielfalt im urbanen Raum um. Ziel ist es, neue Lebensräume für bedrohte Tierarten zu schaffen und bestehende Flächen besser zu vernetzen. Grundlage bildet die langjährige Forschung der Naturkundlichen Station Linz. Das Vorhaben reagiert auf steigenden Siedlungsdruck, zunehmende Bodenversiegelung und die Folgen des Klimawandels. Das Projekt umfasst konkrete Maßnahmen im gesamten Stadtgebiet. Dazu zählen unter anderem neue Laichgewässer für Amphibien, Quartiere für Fledermäuse, Nistplätze für Schwalben sowie strukturreiche Lebensräume für Reptilien.

„Der Schutz und die Wiederherstellung der Stadtnatur sind grundlegend dafür, dass Linz auch in Zukunft lebenswert bleibt. Denn Menschen brauchen ein Umfeld, in dem sie gesund leben können. Mit diesem Projekt verbessert Linz gezielt die Lebensbedingungen für gefährdete Arten und stärkt gleichzeitig die ökologische Stabilität der Stadt. Wir schaffen konkrete Lebensräume und vernetzen bestehende Flächen. Das ist ein wichtiger Beitrag zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung, von der Mensch, Natur und gleichermaßen profitieren“, betont Stadträtin Mag.a Eva Schobesberger.

Das Projekt wird in voller Höhe durch den Biodiversitätsfond des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft abgedeckt. Es läuft bis Ende 2028 und umfasst ein Volumen von zirka 140.000 Euro.

Die Herausforderung: Urbaner Druck und schwindende Lebensräume in Linz

Linz, als drittgrößte Stadt Österreichs, ist von einer hohen Flächennutzung und industriellen Prägung gekennzeichnet. Von den 7.752 Hektar Dauersiedlungsraum sind bereits 68 Prozent in Anspruch genommen. Diese intensive Nutzung führt zu einer erheblichen Flächenkonkurrenz, die den Druck auf verbleibende Grünflächen und naturnahe Lebensräume stetig erhöht.  Besonders betroffen sind Flächen ohne formalen Schutz wie Wälder, Parks und Randbereiche von Siedlungen. Diese übernehmen eine zentrale Funktion als Lebensraum und Verbindungselemente im urbanen Ökosystem.

„Obwohl Linz über wertvolle Natur- und Europaschutzgebiete wie die Traun-Donau-Auen verfügt, sind es oft die rechtlich nicht geschützten Flächen – Parks, Wälder wie der Schiltenbergwald, der Freinberg oder das Areal am Segelflugplatz Linz-Ost –, die als überlebenswichtige Rückzugsorte und Trittsteinbiotope für viele Tier- und Pflanzenarten dienen“, weiß Mag.a Gudrun Fuß, Ökologin der Naturkundlichen Station Linz.

Die fortschreitende Urbanisierung, Versiegelung und eine oft zu intensive Pflege von Grünflächen führen jedoch zu einem zunehmenden Verlust an geeigneten Habitatstrukturen. Die Naturkundliche Station der Stadt Linz hat durch langjährige Forschung und Kartierungen spezifische Defizite identifiziert, die das Überleben mehrerer gefährdeter Tiergruppen im Stadtgebiet akut bedrohen.

Maßnahmen im gesamten Stadtgebiet

Ein Schwerpunkt liegt auf der Schaffung neuer Habitate. Im Schiltenbergwald, in der Heilhamer Au und im Arboretum am Freinberg entstehen vier neue Amphibienteiche. Sie sichern Laichplätze für Arten wie Erdkröte und Springfrosch und reduzieren Risiken wie Straßenquerungen während der Laichwanderungen. 

  • Zusätzlich errichtet die Stadt vier Fledermaustürme. Diese ersetzen fehlende Baumhöhlen und bieten sichere Quartiere in geeigneten Jagdgebieten.
  • Am Segelflugplatz Linz-Ost entsteht ein Schwalbenhaus mit 30 künstlichen Nestern. Damit reagiert die Stadt auf den starken Rückgang der Mehlschwalben. 
  • Im Bauernbergpark errichtet die Stadt eine etwa 90 Meter lange Trockensteinmauer. Sie bietet der Zauneidechse und weiteren Arten Sonnenplätze, Verstecke und Überwinterungsmöglichkeiten.
  • Ein weiterer Fokus liegt auf der Vernetzung von Lebensräumen. Entlang der Umfahrung Ebelsberg wertet die Stadt bestehende Flächen ökologisch auf. Neue Gehölze schaffen Trittsteinbiotope und verbessern Wanderkorridore für Tiere. 
  • Begleitend setzt die Stadt Linz auf Bildung und Information. Insgesamt 60 Workshops für Schulen und Horte vermitteln Wissen über Artenvielfalt und ökologische Zusammenhänge. Informationstafeln an den Projektstandorten machen Maßnahmen sichtbar und erklären deren Bedeutung für die Stadt. 

Diese Maßnahmen stärken die Biodiversität und erhöhen die Widerstandsfähigkeit des städtischen Ökosystems gegenüber klimatischen Veränderungen.

Mangel an Lebensräumen für spezifische Tiergruppen

Amphibien in Not: Linz beheimatet eine für einen urbanen Raum bemerkenswerte Vielfalt von 15 Amphibienarten. Doch diese Vielfalt ist trügerisch. Populationen wie die der in Oberösterreich gefährdeten Erdkröte im Schiltenbergwald oder des streng geschützten Springfrosches in der Heilhamer Au sind durch einen gravierenden Mangel an sicheren Laichgewässern bedroht. Die Tiere sind gezwungen, auf ihren Wanderungen gefährliche Straßen zu überqueren. Ein 2021 als Reaktion auf einen dramatischen Bestandseinbruch errichteter Laichteich im Schiltenbergwald zeigte bereits eine deutliche positive Wirkung und eine Erholung der Population. Der Bedarf an weiteren Stillgewässern ist jedoch hoch, um die Bestände langfristig zu sichern und die Risiken der Wanderungen zu minimieren.

Fledermäuse ohne Wohnung: Obwohl in Linz 18 Fledermausarten nachgewiesen wurden, leiden sie unter akutem "Wohnungsmangel". Durch thermische Sanierungen, Dachbodenausbauten und den Verlust alter Bäume mit natürlichen Spalten und Höhlen verschwinden ihre Quartiere in alarmierendem Tempo. Dies zwingt die nützlichen Insektenjäger zu energieaufwändigen, weiten Flügen zwischen ihren Schlafplätzen und Jagdgebieten, was ihre Überlebenschancen und Fitness langfristig mindert. Besonders im Schiltenbergwald, einem wichtigen Jagdhabitat, fehlen nach Borkenkäferkalamitäten alte Bäume, die als Quartiere dienen könnten.

Sorgenkind Mehlschwalbe: Der Bestand der Mehlschwalbe ist in den letzten 20 Jahren österreichweit um rund 50 Prozent zurückgegangen – ein dramatischer Trend, der auch in Linz unübersehbar ist. Die Hauptursachen sind menschengemacht: Die zunehmende Bodenversiegelung raubt den Vögeln das für den Nestbau unverzichtbare lehmige Baumaterial. Gleichzeitig bieten moderne, glatte Gebäudefassaden keinen Halt mehr für die kunstvollen Nester. Der massive Rückgang von Fluginsekten als Nahrungsquelle und Extremwetterereignisse, wie der Starkregen im September 2024, der in Linz zum Tod hunderter Schwalben führte, verschärfen die ohnehin prekäre Situation.

Die bedrängte Zauneidechse: Einst im gesamten Stadtgebiet weit verbreitet, sind die Bestände der anpassungsfähigen Zauneidechse stark geschrumpft. Ihr fehlen zunehmend kleinste, aber lebenswichtige Strukturen wie sonnige, offene Bodenstellen, Totholz und eine strukturreiche Vegetation. Eine zu intensive Mahd von Grünflächen, fehlende gestufte Pflege und der hohe Druck durch Fressfeinde wie Hauskatzen tragen ebenfalls zum leisen Verschwinden dieser Art bei.

Fehlende ökologische Korridore

Ein weiteres zentrales Problem ist das ungenutzte Potenzial sogenannter Trittsteinbiotope. Die großen Begleitflächen entlang der Umfahrung Ebelsberg können als artenreiche Wiesen und Gehölzstreifen gestaltet werden und so Lebensräume vernetzen und als Wanderkorridore für Insekten, Vögel und Kleinsäuger fungieren. Derzeit wird ihr ökologisches Potenzial kaum genutzt. Dadurch geht eine enorme Chance für die Stärkung der städtischen Biodiversität und der ökologischen Widerstandsfähigkeit der Stadt verloren. Ein Teilbereich des Projektes setzt genau hier an, um diese Flächen gezielt aufzuwerten.

„Das Biodiversitätsprojekt der Stadt Linz verfolgt das klare Ziel, die Lebensbedingungen für gefährdete Tierarten im urbanen Raum gezielt zu verbessern und ökologisch wertvolle Flächen miteinander zu vernetzen. Durch die Schaffung neuer und die Aufwertung bestehender Habitate wird ein wichtiger Beitrag zum Artenschutz und zur Stärkung der städtischen Natur geleistet“, Naturschutz- und Umweltstadträtin Mag.a Eva Schobesberger.

Erdkrötenpärchen (Bufo bufo), die gerade ihr Laichgewässer erreicht haben. Das kleinere Männchen lässt sich vom Weibchen Huckepack tragen. Foto: Jutta Reisinger

Die Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) ist aufgrund von fehlender Unterschlupfmöglichkeiten in Fassadenspalten zunehmend auf künstliche Quartiere wie Fledermausbretter und -stelen angewiesen. Foto: Josef Limberger

Durch die zunehmende Versiegelung städtischer Flächen und das Verschwinden offener Bodenstellen fehlt den Mehlschwalben (Delichon urbicum) das für den Nestbau unverzichtbare lehmige Baumaterial. Foto: Gudrun Fuß

Durch das Anlegen von Amphibienlaichgewässern verbessert sich nicht nur die Situation von Kröten und Fröschen, auch eine Vielzahl anderer Lebewesen wie Insekten profitieren davon. Foto: Gudrun Fuß

Dieses Projekt wird durch den Biodiversitätsfonds des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft gefördert.

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz mit Umweltstadträtin Mag.a Eva Schobesberger)

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