Medienservice vom: 08.05.2026

Mengerschule wird ab Schuljahr 2026/27 als Übergangsstandort reaktiviert SPF-Finanzierungsschlüssel von 2,7 Prozent entspricht nicht mehr der Realität – Zukan fordert Anhebung auf mindestens 5 Prozent

  • Vizebürgermeisterin Zukan: „Der Förderbedarf steigt – das System muss endlich nachziehen“

Die Stadt Linz reagiert auf den steigenden Bedarf im Bereich der sonderpädagogischen Förderung und schafft kurzfristig zusätzliche Kapazitäten im Schulbereich. Aufgrund einer deutlichen Abweichung von der bisherigen Schulbedarfsprognose bei Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf wird die ehemalige Mengerschule in Linz-Dornach mit Beginn des Schuljahres 2026/27 als zusätzlicher Übergangsstandort wieder geöffnet. Die Schule wurde im Zuge der Eröffnung der neuen VS 27, Mira-Lobe-Schule am Aubrunnerweg aufgelassen. So kann der Wahlfreiheit der Eltern entsprochen werden.

Mit der Wiedereröffnung der Mengerschule soll die ASO 4 – Allgemeine Sonderschule, Schule für Alle - an diesem Standort mit einer Expositur bis zum Jahr 2030 erweitert werden. Ziel ist es, den notwendigen Platz für Schüler*innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf zu schaffen, bis das neue Inklusive Schulzentrum im Linzer Süden im Jahr 2030 fertiggestellt wird. Damit der Schulbetrieb mit Beginn des Schuljahres 2026/27 gut starten kann, werden im Sommer die dafür notwendigen baulichen Maßnahmen am Standort Mengerschule umgesetzt.

Das neue Inklusive Schulzentrum im Linzer Süden befindet sich aktuell in Planung. Vorgesehen sind rund 150 Plätze für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf sowie reguläre Klassen. Die Standortprüfung läuft derzeit.

„Wir handeln rasch, weil Kinder nicht warten können. Die Mengerschule ist eine wichtige Übergangslösung, aber sie zeigt auch ganz klar: Wir brauchen endlich ein System, das mit der Realität Schritt hält“, betont Schulreferentin Vizebürgermeisterin Merima Zukan.

Kompetenz-Dschungel erschwert Planung – Zukan fordert Reformen von Bildungsminister Wiederkehr

Der Blick auf das Linzer Schulausbauprogramm bis 2030 zeigt für Schulreferentin Zukan aber auch ein strukturelles Problem, das in Österreich seit Jahren ungelöst ist: Der Kompetenzdschungel zwischen Bund, Land und Städten macht vorausschauende Bildungsplanung immer schwieriger – besonders in der Sonderpädagogik.

„Die Zahl der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf steigt, und wir als Stadt müssen darauf reagieren. Gleichzeitig sind uns aber die Hände gebunden, innovative Lösungen zu setzen, weil Zuständigkeiten und Finanzierung zersplittert sind“, kritisiert Zukan.

Besonders problematisch sei der überholte SPF-Quotenschlüssel von 2,7 Prozent. Österreich bemisst die Ressourcen für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf nicht nach den tatsächlichen Zahlen, sondern nach einem gesetzlich festgelegten Richtwert. Dieser liegt seit mehr als 30 Jahren unverändert bei 2,7 Prozent. Der Bund geht damit pauschal davon aus, dass 2,7 Prozent aller Pflichtschüler*innen einen SPF haben – und stellt den Bundesländern genau für diesen Anteil zusätzliche Lehrkräfte zur Verfügung, auch wenn der reale Bedarf deutlich höher liegt.

„Mit einem veralteten Finanzierungsschlüssel kann niemand ein modernes, inklusives Schulsystem aufbauen. Der Schlüssel muss endlich der Realität angepasst und auf mindestens fünf Prozent angehoben werden. Hier ist Bildungsminister Wiederkehr gefordert, nicht länger zuzusehen, sondern zu handeln“, fordert Schulreferentin Zukan.

Zeit für Reformen – Städte brauchen Verantwortung, Ressourcen und Planungssicherheit

Der steigende Bedarf in der Sonderpädagogik zeigt für die Stadt Linz deutlich: Ohne strukturelle Änderungen im Kompetenz- und Finanzierungssystem werden Städte weiterhin zwischen Bund und Land zerrieben. Während der Bund pädagogische Vorgaben festlegt und das Land die Personalzuteilung steuert, tragen Städte als Schulerhalterinnen die Verantwortung für Gebäude, Infrastruktur und Umsetzung – jedoch ohne ausreichende Ressourcen oder Entscheidungsspielräume.

Die Situation zeigt, vor welchen Herausforderungen Städte und Gemeinden im Bildungsbereich stehen: Wenn die konkreten Schüler*innenzahlen für das kommende Schuljahr im SPF-Bereich erst jeweils im Frühjahr festgestellt werden können, bleibt für Planung, Organisation und Bereitstellung von Infrastruktur nur sehr wenig Zeit. Größere Abweichungen wirken sich direkt auf Personal, Betreuung und Raumressourcen aus.

Problematisch ist zudem, dass selbst magistratsintern vorhandene Daten, etwa aus dem Kindergartenbereich, derzeit nur eingeschränkt für die frühzeitige Einteilung und Planung im Volksschulbereich genutzt werden dürfen. Eine rechtlich abgesicherte Nutzung relevanter personenbezogener Daten könnte wesentlich dazu beitragen, neue Erfordernisse früher zu erkennen und Schulstandorte rechtzeitig vorzubereiten.

„Jetzt ist die Zeit für Reformen. Das Land darf nicht länger bloße Briefträgerin zwischen Bund und Städten sein. Wer Aufgaben weitergibt, muss auch Verantwortung und Finanzierung übernehmen. Der Bund muss die gesamte Kompetenz übernehmen – und die Städte müssen als Schulerhalterinnen und Standortentwicklerinnen endlich jene Rolle bekommen, die sie in der Realität längst haben“, so Vizebürgermeisterin Zukan abschließend.
 

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