Zukunft gestalten Wirtschaftsprogramm für einen starken Industriestandort im Wandel
- Bürgermeister Prammer: „Linz hat immer bewiesen, dass wir Transformationsprozesse meistern – diese Stärke zeichnet unseren Industriestandort aus.“
- Stadtrat Gegenhuber: „Das neue Wirtschaftsprogramm dient als Kompass, der die Leitlinien vorgibt, um aktuelle wirtschaftliche Herausforderungen erfolgreich zu meistern.“
Die Stadt Linz hat unter Federführung von Wirtschafts- und Finanzstadtrat Thomas Gegenhuber ein neues Wirtschaftsprogramm erstellt, das als strategischer Wegweiser für die erfolgreiche Weiterentwicklung des Standorts dient.
Im Zentrum steht die gezielte Positionierung von Linz angesichts der großen wirtschaftspolitischen Herausforderungen unserer Zeit: die Transformation der Industrie, Technologisierung und Künstliche Intelligenz, geopolitische Unsicherheiten sowie der verschärfte internationale Standortwettbewerb.
Linz soll seine industrielle Stärke nutzen, um neue Chancen in den Zukunftsfeldern Industrial Intelligence und Clean Technologies zu erschließen. Gemeinsam mit einem starken Forschungs- und Innovationsumfeld sowie einer aktiven Gründungs- und Start-up-Szene will die Stadt Linz die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts langfristig sichern und neue Wertschöpfung am Standort schaffen.
Als Grundlage für das Programm dienen umfangreiche Analysen, statistische Daten, eine Unternehmensbefragung mit Rückmeldungen von knapp 1.000 Linzer Betrieben, eine Ökosystemanalyse sowie zahlreiche Gespräche mit relevanten Stakeholdern. Das Wirtschaftsprogramm dient als strategischer Orientierungsrahmen und zugleich als „lebendiges Dokument”, das laufend weiterentwickelt und an neue Bedingungen angepasst wird.
Das Programm wird in der Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Innovation und Finanzen am 23. Juni 2026 diskutiert und am 2. Juli 2026 im Linzer Gemeinderat zum Beschluss vorgelegt.
Zwischen Tradition und Transformation: Linz setzt auf strategische Weiterentwicklung
Der Wirtschaftsstandort Linz gehört zu den leistungsfähigsten Wirtschaftsregionen Österreichs. Die Stadt ist industrielles Zentrum, Forschungsstandort, Innovationsspot, Arbeits- und Lebensraum für den gesamten Großraum Linz. Mehr als 110.000 Menschen pendeln täglich nach Linz ein, zahlreiche Betriebe haben hier ihren Sitz. Zudem prägen Forschungseinrichtungen wie die Johannes Kepler Universität, die IT:U und die FH Oberösterreich die Innovationslandschaft weit über die Stadtgrenzen hinaus.
Gleichzeitig verändern technologische Entwicklungen, internationale Wettbewerbsdynamiken, der demografische Wandel, der Einsatz von Künstlicher Intelligenz und die Klimatransformation die Rahmenbedingungen wirtschaftlicher Entwicklung grundlegend. Mit dem Wirtschaftsprogramm legt die Stadt Linz daher eine strategische Zukunftsagenda vor, um die Stärken des Standorts weiterzuentwickeln und auf die Herausforderungen der kommenden Jahre zu reagieren.
„Linz steht wirtschaftlich auf einem starken Fundament. Unser Ziel ist es, diese Stärken konsequent weiterzuentwickeln. Wir wollen die Voraussetzungen dafür schaffen, dass der Standort auch in Zukunft erfolgreich bleibt”, betont Bürgermeister Dietmar Prammer.
Industrielle Stärke als Ausgangspunkt
Wie bleibt Linz auch künftig ein starker Industriestandort?
Linz bleibt Industriestandort. Die industrielle Stärke bildet auch künftig die Grundlage für Beschäftigung, Wertschöpfung und Wohlstand. Für eine erfolgreiche Zukunft ist jedoch entscheidend, wie sich die Industrie am Standort weiterentwickelt, sodass sie mit den laufenden Transformationsprozessen Schritt hält und wettbewerbsfähig bleibt.
Besondere Chancen für diese Entwicklung sieht die Stadt Linz in den Zukunftsfeldern „Industrial Intelligence” und „Clean Technologies”. Industrial Intelligence steht für die Verbindung von Industrie, Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz – etwa durch intelligente Produktionssysteme, digitale Zwillinge oder datengetriebene Prozessoptimierung. Die Erfolgsgeschichte von emmi.ai ist ein gutes Beispiel dafür: emmi.ai entwickelt physikbasierte Künstliche Intelligenz für die Industrie, um Ingenieurprozesse und Simulationen drastisch zu beschleunigen.
Clean Technologies umfassen klimafreundliche Technologien und Lösungen in puncto Wasserstoff, Carbon Management, Kreislaufwirtschaft oder industrielle Energiesysteme. Beide Felder knüpfen an bestehende Stärken des Standorts an. Gleichzeitig zählen sie zu den weltweit wachsenden Technologiemärkten und bieten großes Potenzial für Innovation, Wertschöpfung und Export. Ziel ist es, Linz als Standort der industriellen Erneuerung zu positionieren und jene Technologien weiterzuentwickeln, die weltweit sind.
Exemplarische strategische Maßnahmen
Um Linz als Zentrum industrieller KI-Anwendungen auf europäischer und internationaler Ebene zu positionieren, soll u.a. die Zusammenarbeit mit dem Land OÖ bei der Umsetzung der KI-Exzellenzstrategie intensiviert werden. Weiter gilt es, die Expertise aus der JKU bei den Themen KI und Robotik noch stärker mit lokalen Unternehmen zu verzahnen und Leuchtturm-Projekte von Linzer Betrieben sichtbar zu machen.
Der Ausbau der H2-Convention als internationale Plattform, die Weiterentwicklung des re_use-Kongresses für Kreislaufwirtschaft in der Bauwirtschaft sowie das Etablieren einer Partnerschaft zentraler Stakeholder zur Errichtung notwendiger Infrastruktur für Carbon Management sollen in Zusammenarbeit mit relevanten Stakeholdern die nachhaltige Industrieentwicklung vorantreiben. Linz ist der Ort, wo die Diskussion zu diesen Zukunftsfragen stattfindet. Sie ist mit den städtischen Unternehmen und den Betrieben am Standort in der Umsetzung führend.
Weiter sollen u.a. Flächen für Photovoltaik geschaffen und genutzt sowie der Aufbau von H2- und CO2- Infrastruktur ermöglicht werden – denn ein erfolgreicher Wirtschaftsstandort braucht günstige Energie mit hoher Versorgungssicherheit.
Innovation und Unternehmertum stärken
Wie entstehen neue Unternehmen, Produkte und Arbeitsplätze?
Linz verfügt über ein starkes Netzwerk aus Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Start-ups und Innovationshubs. Die Herausforderungen zur Weiterentwicklung des Ökosystems am Standort Linz sind:
Menschen für Unternehmer*innentum zu begeistern und die Kultur des Anpackens sowie Unternehmen, die am Standort wachsen und hier investieren, zu fördern. Zentral ist dabei die Unterstützung von Start-ups, die neue Impulse für die Wirtschaft und neue Perspektiven für Wachstum bringen.
Es gilt, Wissen in Wachstum zu verwandeln, dafür braucht es die enge Kooperation von Forschungseinrichtungen mit Start-ups und Innovationshubs. Das treibt wirtschaftliche Entwicklung voran.
In Linz war die Entwicklung der Tabakfabrik zu einem international renommierten Innovationshub ein wichtiger Schritt. Dieser Weg wird konsequent fortgesetzt – denn wirtschaftliche Dynamik braucht Räume, wo alle relevanten Akteur*innen zusammenkommen. Weitere Beispiele sind das Open Innovation Center der JKU oder Tech Harbor an der Digitalen Meile. An diesen Innovationshubs entstehen neue Ideen und Kooperationen werden strukturell gefördert.
Gleichzeitig zeigt die Ökosystemanalyse, dass insbesondere technologieorientierte Ausgründungen aus Wissenschaft und Forschung sowie die Skalierung junger Unternehmen viel Entwicklungspotenzial bieten. Ziel ist es, in dieser Hinsicht noch besser zu werden.
Um das zu erreichen, sollen Kooperationen zwischen Industrie, Forschung und Start-ups sowie Neugründungen erleichtert und die Zusammenarbeit in internationalen Innovationsnetzwerken ausgebaut werden. Bestehende Programme wie das Gründer*innen-Stipendium, Formate wie „Linz connects” oder „Linz hACkT” werden gezielt weiterentwickelt und die Palette mit neuen Formaten laufend erweitert.
„Die Herausforderung besteht darin, Wissen in wirtschaftliche Wertschöpfung umzumünzen. So treiben Forschungsergebnisse und Know-how wirtschaftlichen Erfolg, Wohlstand und Beschäftigung am Standort Linz an”, betont Wirtschaftsstadtrat Thomas Gegenhuber.
Exemplarische strategische Maßnahmen
Ziel ist, Start-ups als Treiber der Innovation zu fördern. Um auf europäischer und internationaler Ebene ein relevanter Akteur zu werden, braucht es eine klare Zielsetzung, die sich an erfolgreichen Ökosystemen, wie etwa rund um die Technische Universität München oder die ETH Zürich, misst: Das Ziel im Großraum Linz muss es sein, jährlich 30 Start-up-Ausgründungen aus den Universitäten und Hochschulen (sogenannte Spin-offs) zu erreichen. Gleichzeitig braucht es Mittel, damit diese Start-ups am Standort wachsen können. Es braucht die gemeinsamen Anstrengungen von Bund, Land, Stadt und die Mobilisierung von privaten Kapital, um ein Volumen von einer Milliarde für Start-up-Finanzierung für die nächsten zehn Jahre zu erreichen. Die Bundesregierung arbeitet an der Umsetzung des Start-up- & Scaleup-Dachfonds. Ein Vorschlag von Expert*innen, den die Stadt Linz unterstützt.
Das zweite Ziel ist, das Thema Gründen und eine Kultur des Anpackens in Linz zu stärken, um mehr Menschen für das Thema Unternehmer*innentum zu begeistern. Aus diesem Grund setzt die Stadt Linz auf Formate wie „Linz hACkT“, bei denen angehende Unternehmer*innen ihre Ideen präsentieren, Feedback von Expert*innen bekommen sowie Netzwerke aufbauen können. Darüber hinaus, fördert die Stadt Linz junge Unternehmer*innen mit dem „Gründer*innen-Stipendium“ und fördert die Ansiedlung von Start-ups in Innovationshubs wie die Tabakfabrik oder das Open Innovation Center an der JKU mit einem Mietzuschuss.
Verwaltung als Partnerin der Wirtschaft
Was erwarten Unternehmen von einer modernen Stadtverwaltung?
Für Unternehmen sind schnelle Verfahren, klare Zuständigkeiten und planbare Prozesse entscheidende Standortfaktoren. Deshalb ist die Modernisierung der Verwaltung ein weiterer Schwerpunkt des Wirtschaftsprogramms.
Mit der Digitalisierung von Genehmigungsprozessen, mehrsprachigen Serviceangeboten, der Weiterentwicklung bestehender Beratungsangebote und zusätzlichen digitalen Services (wie dem digitalen Bauverfahren und ab Herbst dem digitalen Verfahren zur Genehmigung von Betriebsanlagen) tritt die Stadtverwaltung noch stärker als Partnerin der Wirtschaft auf.
„Unser Leitmotiv ist dabei klar: Nicht die Unternehmer*innen sollen laufen, sondern die Akten”, gibt Bürgermeister Dietmar Prammer die Richtung vor.
Exemplarische strategische Maßnahmen
Die Stadt Linz setzt gezielte Maßnahmen, um Verfahrensdauern zu verkürzen. Digitalisierung, wie im „digitalen Bauverfahren“ oder bei der geplanten „digitalen Betriebsanlagengenehmigung“ (diese wird ab Herbst 2026 pilotiert), ist dabei ein wichtiger Baustein, der konsequent ausgebaut wird. Die Serviceorientierung der Verwaltung soll durch klare Ansprechpersonen und das One-Stop-Shop-Prinzip, durch den Ausbau von Online-Formularen, durch englischsprachige Services, durch die Etablierung eines digitalen Verfahrentrackings, durch die digitalen Genehmigungen und einem Flächenkalender für die Nutzung des öffentlichen Raums u.v.m. erhöht werden.
Die Stadt Linz soll in Zukunft noch stärker als Innovationskundin auftreten. Dazu werden Pilotprojekte mit Start-ups realisiert und Beschaffungsrichtlinien angepasst. Dadurch kommen regionale, innovative Unternehmen zum Zug, und die städtische Infrastruktur wird auch als Testumgebung für neue Lösungen angeboten.
Fachkräfte gewinnen und binden
Warum entscheiden sich Menschen für einen Lebensmittelpunkt und Wirtschaftsstandort?
Die Sicherung von Fachkräften zählt zu den größten Herausforderungen der kommenden Jahre. Der Fachkräftemonitor aus 2024 geht für die Region Linz-Wels von bis zu 83.000 fehlenden Fachkräften bis 2040 in fast allen Branchen aus. Das zeigt auch die Unternehmensbefragung der Stadt Linz. Hier nennen Unternehmer*innen die Gewinnung qualifizierter Mitarbeiter*innen bereits als eine der zentralen Zukunftsfragen. In diesem Zusammenhang beurteilen die Unternehmer*innen die Verfügbarkeit von leistbarem Wohnraum als wesentlichen Standortfaktor. Linz ist hier mit einem Anteil an genossenschaftlichen und gemeinnützigen Wohnungen von über 50 % sehr gut aufgestellt.
„Leistbarer Wohnraum und günstige Mieten sind ein zentraler Standortfaktor. Als Stadt Linz sind wir hierbei sehr gut aufgestellt und setzen diesen erfolgreichen Weg konsequent fort”, weiß Bürgermeister Dietmar Prammer um dieses für die Menschen, aber auch die wirtschaftliche Entwicklung, wichtige Thema in der Stadtentwicklung.
Mit dem Wirtschaftsprogramm werden Arbeits- und Lebensstandort gemeinsam gedacht. Denn im Wettbewerb um Talente entscheiden nicht nur Jobmöglichkeiten und persönliche Entwicklungsperspektiven, sondern ebenso Lebensqualität, leistbares Wohnen, Mobilität, kulturelles Angebot, internationale Offenheit und die Qualität öffentlicher Räume.
„Linz ist eine weltoffene Stadt. Wir bauen auf unseren Stärken „Industrie, Kultur, Innovation und Forschung“ auf und arbeiten an der Stärkung des Linzer Lebensgefühls. Dazu stärken wir die Qualität im öffentlichen Raum, schaffen Platz für Internationalität und kulturelle Offenheit. Linz ist lebenswert, leistbar, offen und ehrlich. So sind wir einfach”, skizziert Bürgermeister Dietmar Prammer sein Bild für die Entwicklung der Stadt.
Exemplarische strategische Maßnahmen
Mit der Knappheit von Fachkräften kommt auch der Ausbildung am Standort besondere Bedeutung zu. Linz ist Teil der MINT-Region Oberösterreich und mit Initiativen wie beispielsweise der „Linzer Tour der Innovation” begeistern wir gemeinsam mit den Linzer Schulen junge Menschen für technologische Berufe.
Für den Innovationsstandort Linz ist es zentral, Future Skills stärker interdisziplinär zu denken (von STEM zu STEAM) und Technologie mit Kreativität, kritischem Denken und gesellschaftlicher Kompetenz zu verbinden. Das setzen wir gemeinsam mit den Bildungsanbietern in der Stadt um. Austauschformate zwischen Wirtschaft, Creative Industries und der Kunstuniversität (vom Praktikum bis zur High-Level-Kooperation) werden ausgebaut, etwa in den Bereichen Industrial Design oder Creative Robotics.
Mit der Initiative TECHNIKTALENTE und dem Konzept der World Robot Olympiade wird gezielt Technik Know-how in die Linzer Schulen gebracht und diese mit innovativen Betrieben vernetzt.
Englischsprachige Angebote in der Verwaltung (Webseite und Beratung) werden laufend ausgebaut. Mit dem Business Immigration Office Linz (BIOL) werden Betriebe und Fachkräfte bei der Beantragung der Rot-Weiss-Rot Card unterstützt, das „Expats Café“ bietet Möglichkeit für Austausch und Vernetzung. Eine Forderung an die Bundesregierung ist, die Rot-Weiss-Rot Card für Gründer*innen zu etablieren, damit die am Standort Linz ausgebildeten Talente unbürokratischer hier unternehmerisch tätig werden können. Zudem sollen englischsprachige Angebote in Dialog mit anderen Stakeholdern in allen Bereichen ausgeweitet werden (Kunst, Kultur, Gastronomie, Gesundheitssystem, Freizeit, etc).
Leitlinien für die wirtschaftliche Entwicklung
Aus der wirtschaftspolitischen Agenda resultieren somit folgende wirtschaftspolitische Leitlinien für den Wirtschaftsstandort Linz:
- Industrielle Transformation aktiv mitgestalten
- Innovation, Unternehmen und neue Wertschöpfungspotenziale stärken
- Wirtschafts- und Lebensräume weiterentwickeln
- Talente gewinnen, qualifizieren und halten
- Verwaltung und Standortservice als Partnerin der Wirtschaft verstehen
- Linz national und international sichtbar machen.
Mit diesen Leitlinien schafft die Stadt Linz einen langfristigen Orientierungsrahmen für die wirtschaftliche Entwicklung des Standorts. Dabei setzt sie auf die enge Zusammenarbeit von Wirtschaft, Forschung, Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft.
„Der Erfolg des Standorts entsteht gemeinsam. Er entsteht dort, wo Menschen investieren, gründen, forschen, arbeiten und sich wohlfühlen. Unsere Aufgabe ist es, dafür die bestmöglichen Rahmenbedingungen zu schaffen”, freut sich Wirtschaftsstadtrat Thomas Gegenhuber schon auf die Umsetzung des Programms.