Auftakt der Suchtpräventionskampagne „Nikotin geht. Die Abhängigkeit bleibt.“ Stadt Linz und Institut Suchtprävention von pro mente OÖ starten gezielte Sensibilisierung zu Risiken und Abhängigkeit von Nikotinprodukten
Während das klassische Rauchen lange Zeit an Attraktivität verlor, führen neue Nikotinprodukte wie E-Zigaretten („Vapes“), Tabakerhitzer und Nikotinbeutel dazu, dass der Nikotinkonsum – insbesondere unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen – wieder zunimmt. Diese Produkte erscheinen modern, unkompliziert und vermeintlich wenig schädlich. Tatsächlich bergen sie gesundheitliche Risiken und können rasch zur Abhängigkeit führen. Vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist der Konsum von Nikotinprodukten deutlich verbreitet.
Das städtische Gesundheitsressort startet daher in Zusammenarbeit mit dem Institut Suchtprävention von pro mente OÖ eine neue Präventionskampagne unter dem Motto „Nikotin geht. Die Abhängigkeit bleibt – Dein Leben. Deine Entscheidung.“. Ziel ist es, Jugendliche und junge Erwachsene frühzeitig über die Risiken moderner Nikotinprodukte aufzuklären und sie in ihrer Entscheidungsfähigkeit zu stärken. Im Zentrum stehen Information, Sensibilisierung und die Förderung eines gesundheitsbewussten Umgangs mit Substanzen.
„Ein funktionierender Jugendschutz besteht aus starker Prävention und klaren Regeln. Suchtprävention beginnt früh und muss sich konsequent an der Lebensrealität junger Menschen orientieren. Gerade bei neuen Nikotinprodukten zeigt sich, dass viele Jugendliche diese als harmlos oder als moderne Alternative wahrnehmen. Tatsächlich besteht jedoch ein erhebliches Risiko, sehr rasch eine Abhängigkeit zu entwickeln. Im letzten Jahr habe ich gemeinsam mit dem Institut Suchtprävention das Handy als Suchtfaktor in den Schulferien aufgezeigt. Heuer setzen wir mit unserer Präventionskampagne gezielt auf Information, Aufklärung und konkrete Angebote zur Vorbeugung bei Nikotinabhängigkeit. Unser Ziel ist es, vor allem jüngeren Menschen Orientierung zu geben und sie dabei zu unterstützen, bewusste und eigenverantwortliche Entscheidungen zu treffen“, betont Gesundheitsstadtrat Dr. Michael Raml. „Mein Dank gilt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vom Institut Suchtprävention, die mit ihrer Expertise zur Seite stehen.“
„Aufgrund von gesetzlichen und suchtpräventiven Maßnahmen ist die Anzahl der täglichen Raucherinnen und Raucher in den vergangenen zwei Jahrzehnten erfreulicherweise deutlich gesunken. Leider haben jedoch neue von der Industrie eingeführte und stark beworbene Nikotinprodukte wie E-Zigaretten oder Nikotinbeutel dazu geführt, dass Nikotin in dieser neuen – leicht zugänglichen Form – für Jugendliche oft die erste psychoaktive Substanz darstellt, die – aus sehr unterschiedlichen Motiven – regelmäßig konsumiert wird. Die trendig gestalteten und vermarkteten Produkte enthalten meist keinen Tabak mehr, bergen jedoch ebenfalls eine Reihe von kurzfristigen und langfristigen Gesundheitsrisiken, wie zum Beispiel Überdosierungen oder rasche Nikotinabhängigkeit. Die aktuelle Kampagne der Stadt Linz unterstützen wir daher inhaltlich sehr gerne, da die Sensibilisierung, die Information und die Auseinandersetzung mit dem Thema Nikotin - insbesondere für Jugendliche – von großer Bedeutung ist“, informiert Dr. Rainer Schmidbauer, Leiter Institut Suchtprävention von pro mente OÖ.
Aktuelle Entwicklungen bei Nikotinprodukten und Risiken für Jugendliche
Die sogenannten „Next Generation Products“ verändern den Nikotinkonsum grundlegend. Nikotinbeutel und E-Zigaretten werden gezielt als moderne Alternative zu klassischen Tabakprodukten positioniert. Sie sind klein, unauffällig und leicht zugänglich. Besonders auffällig ist die gezielte Ansprache junger Menschen über soziale Medien, Events und Lifestyle-Marketing.
Nikotinbeutel enthalten keinen Tabak, geben jedoch über die Mundschleimhaut Nikotin ab. Ein Beutel enthält meist zwischen drei und 20 Milligramm Nikotin, teilweise auch deutlich mehr. Dies kann insbesondere bei unerfahrenen Konsumierenden zu Überdosierungen führen. Symptome reichen von Übelkeit bis zu schweren gesundheitlichen Komplikationen. Zudem besteht ein hohes Risiko, rasch eine körperliche und psychische Abhängigkeit zu entwickeln.
E-Zigaretten funktionieren über das Verdampfen von Flüssigkeiten, die Nikotin enthalten können. Diese Produkte sind oft farbenfroh gestaltet und mit süßen Aromen versehen. Sie vermitteln einen unkomplizierten Einstieg und sprechen gezielt Jugendliche an. Gleichzeitig ermöglichen sie eine schnelle Aufnahme von Nikotin, was die Entwicklung einer Abhängigkeit zusätzlich begünstigt.
Aktuelle Studien zeigen, dass der Konsum von Nikotinprodukten unter Jugendlichen deutlich verbreitet ist. Knapp ein Drittel der befragten Schülerinnen und Schüler gab an, zumindest gelegentlich Nikotinprodukte zu konsumieren (Quelle: HBSC-Studie Österreich, Health Behaviour in School-aged Children, durchgeführt im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Ergebnisse veröffentlicht 2023.) Auch aktuellere Untersuchungen (ESPAD OÖ Auswertung 2024, veröffentlicht 2025) kommen zu ähnlichen Ergebnissen: Laut ESPAD-Befragung gaben die Schülerinnen und Schüler an, das knapp 31 Prozent im vergangenen Monat E-Zigaretten konsumiert haben und rund 15 Prozent Nikotinbeutel.
Ein erheblicher Anteil der Befragten gibt an, zumindest gelegentlich Tabak- oder Nikotinprodukte zu konsumieren. Auffällig ist dabei, dass tabakfreie Produkte wie E-Zigaretten und Nikotinbeutel häufiger genannt werden als klassische Zigaretten.
Auch die rechtliche Situation hat sich zuletzt verändert. Seit April 2026 unterliegen Nikotinbeutel und E-Zigaretten strengeren Regelungen im Tabakmonopolgesetz. Dennoch bestehen weiterhin Herausforderungen im Bereich der Regulierung und Kontrolle neuer Produkte.
Prävention und konkrete Angebote für Jugendliche
Die Stadt Linz setzt im Rahmen der Kampagne auf Sensibilisierung („Awareness“) für gezielte Präventionsmaßnahmen.
Im Rahmen der Kampagne stehen kompakte Informationsmaterialien zur Verfügung. Diese werden vor allem online auf www.fit.linz.at präsentiert und sind dort für alle Interessierten frei zugänglich.
Begleitend dazu wird die Kampagne über die Online-Kanäle der Stadt Linz verbreitet, um insbesondere auch jüngere Zielgruppen zu erreichen und zur Auseinandersetzung mit dem Thema anzuregen.

Sujet zur neuen Präventionskampagne der Stadt Linz und Institut Suchtprävention OÖ
Umfassende Serviceangebote der Suchtprävention OÖ
Das Institut Suchtprävention stellt ein breites Angebot an Informations- und Unterstützungsmaßnahmen zur Verfügung. Diese richten sich vor allem an Multiplikatoren wie Lehrkräfte, Jugendarbeiterinnen und -arbeiter sowie Eltern und Erziehende und ermöglichen eine fundierte Auseinandersetzung mit dem Thema Nikotin.
Zur Verfügung stehen unter anderem ein Factsheet zu Nikotinbeuteln und E-Zigaretten, das zentrale Informationen zu Wirkung, Risiken und Konsumformen bietet, sowie das Coaching-Programm „ready4life“, das Jugendliche in ihrer Stress- und Sozialkompetenz stärkt. Ergänzt wird das Angebot durch den Workshop „Nikotin“ als kostenloses Schulangebot, das Präventionsmagazin „fortyfour“ mit Schwerpunkt auf der neuen Nikotinwelt sowie die Informationsbroschüre „Übers Rauchen reden“, die in Kooperation mit der Österreichischen Gesundheitskasse entstanden ist.
Für den schulischen Bereich stehen Unterrichtsmaterialien und Programme wie „PLUS“ zur Verfügung, die Prävention bereits in der Unterstufe verankern. Zusätzlich werden Peer-Education-Programme angeboten, bei denen speziell geschulte Jugendliche Gleichaltrige informieren und sensibilisieren. Schulexkursionen an das Institut Suchtprävention sowie Workshops für Jugendliche aus Sozialeinrichtungen erweitern das Angebot.
Weitere Materialien umfassen Informationsbroschüren zu Alkohol und Nikotin in der Schwangerschaft sowie Infoflyer zu Tabak und Wasserpfeife. Ergänzend können Jugendliche und junge Erwachsene auf digitale Angebote wie feel-ok.at zugreifen, eine Plattform zur Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden sowie auf das österreichweite Rauchfrei Telefon mit Beratung und Unterstützung beim Rauchstopp.
„In den vergangenen 20 Jahren konnte die Zahl der täglichen Raucherinnen und Raucher deutlich reduziert werden. Gleichzeitig zeigt sich eine besorgniserregende Entwicklung bei neuen Nikotinprodukten, die gezielt junge Menschen ansprechen. Diese Produkte bergen erhebliche Risiken und unterliegen teilweise noch unzureichender Regulierung. Umso wichtiger sind Information, Sensibilisierung und konkrete Präventionsangebote für Jugendliche und ihr Umfeld“, fasst Dr. Rainer Schmidbauer zusammen.
„Mit der neuen Kampagne setzen wir einen weiteren Schwerpunkt auf Prävention und Gesundheit. Wir wollen Jugendliche frühzeitig erreichen und ihnen die notwendigen Informationen und Kompetenzen vermitteln, um sich bewusst gegen einen Einstieg in den Nikotinkonsum zu entscheiden. Prävention gelingt dann, wenn alle Beteiligten zusammenarbeiten und junge Menschen verlässliche Orientierung erhalten“, hält Gesundheitsstadtrat Raml abschließend fest.
(Informationsunterlage zum Pressegespräch mit Gesundheitsstadtrat Dr. Michael Raml und Dr. Rainer Schmidbauer, Leiter Institut Suchtprävention von pro mente OÖ)
Fotos
- Druckdatei (JPG | 18,41 MB) 56 x 37 cm mit 300 dpi Foto: Stadt Linz/Neuber
Gesundheitsstadtrat Dr. Michael Raml und Dr. Rainer Schmidbauer (Leiter Institut Suchtprävention von pro mente OÖ) präsentieren die neue Suchtpräventionskampagne „Nikotin geht. Die Abhängigkeit bleibt.“
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