Medienservice vom: 09.07.2026 |Fotos zur Meldung

Stadtklima im Fokus der aktuellen Hitzesituation Messdaten zeigen die Hitzebelastung und den Handlungsbedarf in den Stadtvierteln

  • KI gestützte Analyse liefert erstmals Daten zum Baumbestand in der gesamten Stadt

18 Tage Hitzewelle, 14 Tage Rekordhitze: Höchstwerte von 39,3° C und fünf Wüstentagen wurden im städtischen Messnetz gemessen. Die letzten Wochen machen die Auswirkungen des Klimawandels im urbanen Raum deutlich spür-bar. Besonders die bis heute gemessenen 14 Tropennächte in diesem Jahr führen dazu, dass sich viele Linzer*innen nach heißen Tagen auch in der Nacht nicht mehr richtig erholen können. 

„Klimaanpassung in allen Bereichen ist kein Luxus, sondern eine absolute Not-wendigkeit. Mein Ziel ist es, Linz so zu gestalten, dass auch die nächsten Gene-rationen in einer lebens- und liebenswerten Stadt aufwachsen können. Die aktu-ellen Messdaten zeigen sehr klar, wie unterschiedlich sich Hitze in unserer Stadt auswirkt und wie stark sie den Alltag vieler Menschen beeinflusst. Der größte Schatz gegen die Hitze ist unser Stadtgrün. Der Schutz des bestehenden Grüns und der Ausbau des Grünanteils müssen daher unsere größten Anliegen sein“, betont Stadträtin Mag.a Eva Schobesberger. 

„Wir werden klimatische Aspekte noch stärker in alle Planungsprojekte integrie-ren. Stadtklimatologische Stellungnahmen liefern dafür eine wichtige Grundlage und werden konsequent in Verfahren eingebunden. Die geplante Aktualisierung der Stadtklimaanalyse ermöglicht es, die vorhandenen Daten systematisch zu bündeln und für zukünftige Entwicklungen nutzbar zu machen. Damit schaffen wir eine belastbare Basis für eine klimaangepasste Stadtentwicklung“, so Dr. Hans-Martin Neumann, Direktor des städtischen Geschäftsbereichs Planung, Technik und Umwelt. 

„Mit dem Messnetz können wir erstmals sehr genau nachvollziehen, wie sich Temperaturunterschiede im Stadtgebiet entwickeln. Besonders auffällig ist, wie stark aufgeheizte dicht verbaute Bereiche in den Abend- und Nachtstunden er-hitzt bleiben und wie eingeschränkt dort die Abkühlung verläuft. Die Daten zei-gen auch klar, welche Faktoren zur Entlastung beitragen. Durchlüftung, Grün-räume und gezielte Verschattung wirken messbar. Diese Erkenntnisse helfen uns, Maßnahmen gezielt dort umzusetzen, wo sie den größten Effekt erzielen“, erklärt Stadtklimatologe Johannes Horak.

Linzer Temperaturmessnetz

Zentrale Grundlage bildet das seit Ende 2025 laufende Linzer Temperaturmessnetz. Mit mittlerweile 56 Messstationen liefert es erstmals ein gemessenes und umfassendes Bild der Temperaturverteilung im Stadtgebiet. Die Auswertungen zeigen deutlich, wie unter-schiedlich sich Hitze innerhalb der Stadt ausprägt und welche Faktoren dabei eine Rolle spielen. Besonders während der aktuellen Hitzewelle wird sichtbar, wie stark sich Wärme in dicht bebauten Bereichen hält und wie unterschiedlich sich einzelne Stadtteile abkühlen. 

Grundregel: Je grüner, desto kühler

Die Auswertungen des Messnetzes zeigen unter anderem, dass der städtische Hitzein-seleffekt in der Kernstadt und im Industriegebiet besonders stark ausgeprägt ist. In den Nachtstunden liegen die Temperaturen dort im Schnitt um mehr als sechs Grad Celsius über jenen am Stadtrand. Gleichzeitig wird sichtbar, wie wichtig Durchlüftungssysteme und Grünräume für die nächtliche Abkühlung sind.

Bereiche mit guter Durchgrünung oder wirksamen Luftströmungen weisen deutlich bessere Abkühlraten auf. Diese Erkenntnisse fließen direkt in die Planung neuer Maß-nahmen ein. Dazu zählen unter anderem gezielte Begrünungsprojekte, die Weiterent-wicklung des städtischen Baumbestandes sowie Empfehlungen zur Freihaltung und Verbesserung von Bereichen entlang derer sich Kaltluft- und Luftströmungen gut ausbreiten können.

18 Tage Hitzewelle, 14 Tage Rekordhitze 

Am 18. Juni begann die zweite Hitzewelle des Jahres und diese war in Intensität und Dauer für diese Jahreszeit beispiellos. Der bisher in Linz durch die GeoSphere Austria gemessen Höchstwert von 37,6 °C wurde am Sonntag, 28. Juni, übertroffen. Das Thermometer erreichte an der Messstelle der GeoSphere Austria zwischen 15:40 und 16 Uhr im Mittel 38,2 °C. Im städtischen Messnetz wurden sogar 39,3 °C gemessen. Diese Hitzewelle brach mehrfache Rekorde in der Messgeschichte. Noch nie gab es in den letzten knapp 100 Jahren im Juni eine derart lange Hitzewelle, noch wurden derart hohe Temperaturen gemessen.

Insgesamt wurden im Jahr 2026 im städtischen Messnetz bereits bis zu 19 Hitzetage – davon 5 Wüstentage mit Temperaturen über 35 °C - und 14 Tropennächte gemessen. 

 

Detaillierte Erkenntnisse aus dem Linzer Temperatur-Messnetz

Das Messnetz liefert sehr viele neue Erkenntnisse. Beispielsweise wird verdeutlicht, dass die Messungen der GeoSphere Austria im Innenhof der Kreuzschwesternschule in der Stockhofstraße nicht die gesamte Spannweite der am Stadtgebiet gemessenen Temperaturen abdecken, Maxima werden unterschätzt, und Minima teils deutlich über-schätzt. Ausschlaggebend sind neben unterschiedlichen stadtklimatologischen Einflüs-sen, die vom Linzer Messnetz erfasst werden, auch unterschiedliche notwendige Mess-höhen sowie die zu Vergleichszwecken stärker durchgrünte und eben daher abseits solcher lokalen Einflüsse gewählte Messumgebung für die GeoSphere Messstelle.

Der städtische Hitzeinseleffekt beschreibt das Phänomen, dass es in städtischen Bal-lungsräumen, wie der Innenstadt von Linz, deutlich wärmer ist als am Stadtrand. Durch das Messnetz kann dieser Effekt erstmals detailliert dargestellt werden. Insbesondere in der Kernstadt sowie im Industrieviertel zeigt sich dessen hohe Ausprägung besonders am Abend und in der Nacht. Im Mittel wird dort im Vergleich zu einer Messstelle am Stadtrand zwischen 18 und 6 Uhr eine Überwärmung von mehr als 6°C festgestellt.

Besonders während der letzten außergewöhnlichen Hitzewelle (Hauptphase zwischen 18.6.2026 – 1.7.2026) wird durch das Messnetz auch ersichtlich, wie sich diese Hitze-welle im Verlauf der Zeit wortwörtlich aufbaut. Einzelne Stationen, besonders im Ein-fluss von Durchlüftungssystemen und in ausreichend durchgrünten Stadtteilen mit reichlich Baumbestand, stechen durch längere, kühlere Phasen hervor (mehr und in-tensivere Blautöne, die teils auch in die roten Hitzephasen hineinragen).

Auch entlang einer Nord-Süd-Achse wird die Charakteristik der städtischen Hitzeinsel sichtbar. Die mittleren Mindesttemperaturen die in den Nächten der Hitzewelle von 18.6.2026 – 30.6.2026 erreicht wurden (Abende mit Regenereignissen wurden von der Analyse ausgeschlossen), liegen im Norden (Kaltluftabflüsse und Durchgrünung) und Süden (Durchlüftung, Standrand) am tiefsten und sind vor allem im Bereich der Kern-stadt hoch. Dazwischen wird die Hitzeinsel dann aufgebrochen, wenn entweder hohe Durchgrünungsgrade vorliegen und / oder Durchlüftungssysteme wirksam sind (Nibe-lungenbrücke, Wasserwald).

Gesamtblick: Bäume in Linz – die natürlichen Klimaanlagen unserer Stadt

Bäume sind unsere natürlichen Klimaanlagen und entscheidend für die Lebensqualität in der Stadt. Um aussagekräftig Daten zum gesamten Baumbestand in Linz zu erhalten, wurden von der Abteilung Stadtklimatologie und Umwelt vorliegende Daten zum Baumbestand detailliert untersucht. Ausgewertet wurde u.a. die Anzahl und Art der Straßenbäume in Linz sowie der städtische Baumüberschirmungsgrad – gesamtstäd-tisch und stadtweit auf einem 50 x 50 m2 Raster. Mit diesen Methoden konnte erstmals über den direkten Verantwortungsbereich der Stadt hinaus flächig der Baumbestand analysiert und die Größenordnung Baumzahl ermittelt werden. 

Aus den entwickelten Methoden ergeben sich potenziell Tools zum Monitoring des städ-tischen Baumbestandes bzw. der Entwicklung des Überschirmungsgrades, weiters er-möglichen die Resultate stadtweite Aussagen über die Verteilung des Baumbestandes im Hinblick auf Landnutzungskategorien bzw. im Umfeld von Straßen. Insbesondere im Zusammenhang mit der EU-Wiederherstellungsverordnung könnten diese Daten eine wichtige Entscheidungsgrundlagen darstellen und Ansätze für ein zielgenaues Monito-ring stadtweit bieten.

Das Resultat der Auswertung des Baumüberschirmungsgrades auf Bezirksebene sowie für das gesamte Stadtgebiet zeigt, dass der städtische KI-Landcoverdatensatz sehr gut mit einem Datensatz des Bundesamtest für Eich- und Vermessungswesen überein-stimmt. Der Treecover-Density Datensatz von Copernicus unterschätzt hingegen auf-grund der geringeren horizontalen Auflösung den Baumüberschirmungsgrad deutlich. Für „Gesamtlinz“ ergibt sich ein Überschirmungsgrad von bis zu 25,7 Prozent, in einzel-nen statistischen Bezirken liegt dieser deutlicher höher (Pöstlingberg mit 49,4 Prozent), teils aber deutlich darunter (beispielsweise 4,2 Prozent im Industriegebiet-Hafen).

Überschirmungsgrad durch Baumkronen für verschiedene Teilflächen des Linzer Stadtgebietes und Gesamtlinz aus einer städtischen KI-Landcover Auswertung (KI), eines Datensatzes des Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen (BEV) sowie der Copernicus Tree-Cover Density (CTCD).

 

Gebiet KI (%) BEV (%) CTCD (%)
Industriegebiet-Hafen 4,2 3,6 1,4
Kaplanhof 9,7 9,1 2
Innere Stadt 11,1 10,1 2,9
Bulgariplatz 11,1 9,8 3,2
Franckviertel 14,9 13,8 5
Neue Heimat 16,3 15,2 6,8
Urfahr 18,3 17,4 8,2
Spallerhof 18,4 17,7 8
Bindermichl-Keferfeld 20,7 19,4 8,1
Linz Gesamt 25,7 24,8 17,4
Ebelsberg 28,3 29,4 25,5
Pichling 31,6 30 23,9
Froschberg 31,8 30,1 18,9
Kleinmünchen-Auwiesen 33 31,5 19,9
St. Magdalena 33,6 32,5 23,3
Dornach-Auhof 36,9 36,8 27,9
Pöstlingberg 49,4 46,5 36,4

Wo bringen Baumpflanzungen am effektivsten Schatten?

Der Standort von Bäumen wird, sofern im Bereich für den Pflanzungen vorgesehen sind möglich, idealerweise so gewählt, dass diese möglichst großflächig bislang son-nenexponierte Bereiche verschatten. Um dies zu gewährleisten, hat die Abteilung Stadtklimatologie und Umwelt für die Baumoffensive in der Wiener Straße entsprechende Verschattungsanalysen durchgeführt. Betrachtet wurden der damalige IST-Zustand und die Situation für ausgewachsene Bäume an den avisierten Standorten.

Durch das Wachstum der Kronen zeigte sich im Bereich der Wienerstraße zwischen Dürrnbergerstraße/Lissagasse und Brucknerstraße/Melicharstraße, dass durch Neupflanzungen weitaus größere Bereiche vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden können, bei ausgewachsenen Bäumen nahezu der gesamte Straßenzug.

Stadtklimatologische Stellungnahmen

Gerade auch in Planungsprozesse müssen stadtklimatologische Erkenntnisse zwingend einfließen. Seit Anfang 2021 finden stadtklimatologische Stellungnahmen deshalb Ein-gang in die Interessensabwägung bei Raumordnungsverfahren. Zusätzlich werden diese im Rahmen von Projektentwicklungen und Wettbewerben angefragt. Darüber hinaus erfolgt eine Einholung stadtklimatologischer Expertise bei kooperativen Verfahren und städtebaulichen Kommissionen. Insgesamt wurden 151 Stellungnahmen übermittelt, die meisten davon betrafen Vorhaben im statistischen Bezirk Innere Stadt, gefolgt von Dornach-Auhof und Bulgariplatz. Abhängig von Komplexität des Vorhabens und der lokalen Klimatologie umfassen die Stellungnahmen von ein bis zwei Seiten bis hin zu ei-nem bisher erreichten Maximum von 38 Seiten.

Klimaanpassung weiterentwickeln

Ein weiterer Schwerpunkt der Abteilung Stadtklimatologie und Umwelt liegt auf der stra-tegischen Weiterentwicklung der Klimaanpassung. Die Stadt Linz bewirbt sich dafür im Rahmen der bundesweiten Ausschreibung „Pionierstadt – Partnerschaft für zukunftsfit-te Großstädte“ des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur sowie des Klima- und Energiefonds und der Forschungsförderungsgesellschaft um eine drei-jährige Kooperation zur Stärkung der urbanen Klimaresilienz.

Mit einer möglichen Förderung von bis zu 700.000 Euro sollen die Weiterentwicklung des Klimawandelanpassungskonzepts „Zukunft Linz“, der Ausbau von Kompetenzen in-nerhalb der Stadtverwaltung sowie die Umsetzung innovativer Projekte zur Anpassung an den Klimawandel vorangetrieben werden. Im Fokus stehen Maßnahmen, die Linz widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels machen und gleichzeitig Lebensqualität, Gesundheit, attraktive öffentliche Räume und nachhaltige Mobilität stärken.

Gleichzeitig plant das städtische Umweltressort die Aktualisierung der Stadtklimaanalyse. Ziel ist es, die gewonnenen Erkenntnisse systematisch in Planungsprozesse zu integrieren und die Stadt gezielt an die Folgen steigender Temperaturen anzupassen. 

Das Umweltressort verfolgt damit einen klaren Ansatz: Klimaanpassung erfolgt datenbasiert, integriert in bestehende Planungsprozesse und mit konkretem Nutzen für die Bevölkerung. Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass dieser Weg notwendig ist, um die Stadt langfristig widerstandsfähig und lebenswert zu halten.

Städtische Klimaarbeit

Die zunehmende Häufigkeit und Intensität von Unwettern, ungewöhnliche Hitzeereignisse, verschärfte Trockenheit – die klimatischen Entwicklungen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte, zeigen die Notwendigkeit der städtischen Klimaarbeit. Einerseits stellt die Umsetzung des Klimaneutralitätskonzept den wichtigen Beitrag von Linz zum globalen Klimaschutz dar – nur so kann die rasante Klimaveränderung und -erhitzung gestoppt werden. Auf der anderen Seite trägt das Klimaanpassungskonzept „Zukunft Linz“ dazu bei, die nicht mehr abwendbaren und bereits auftretenden Auswirkungen des Klimawandels in Linz zu mindern. Das Konzept wurde gemeinsam mit einem Aktions-programm Ende Juni 2023 als grundlegende Leitlinie für die notwendige Klimawan-delanpassung beschlossen. Es steckt die Rahmenbedingungen ab, wie die Lebensquali-tät im Stadtgebiet trotz der Folgen der globalen Erwärmung bestmöglich erhalten und, wenn möglich, auch verbessert werden kann.

Gemeinsam arbeiten verschiedenste Geschäftsbereiche der Stadt Linz und Mitglieder der Unternehmensgruppe Linz daran, die Klimaresilienz der Stadt zu erhöhen. Der Jah-resbericht zur Klimawandelanpassung zeigt die aktuellen Umsetzungsschritte und prä-sentiert zusätzliche Maßnahmen der Stadt Linz.

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz mit Umweltstadträtin Mag.a Eva Schobesberger zum Thema „Stadtklima und Klimaanpassung in Linz“)

Weitere Gesprächspartner:
Dr. Hans-Martin Neumann, Direktor Geschäftsbereich Planung, Technik und Umwelt
Mag.rer.nat Ph.D. Johannes Horak, Leiter Abteilung Stadtklimatologie und Umwelt

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