Medienservice vom: 23.04.2025 |Fotos zur Meldung

„SEIN“ macht die Lebenswelten von queeren Menschen sichtbar Ausstellung und Buchpräsentation: „SEIN“ dürfen, wie man ist ohne Erklärung und Rechtfertigung

  • Portrait-Fotos von queeren Personen mit ihren individuellen Geschichten

Vizebürgermeisterin und LGBTIQ+-Referentin Tina Blöchl hat gemeinsam mit den Fotokünstler*innen Iris und Erik Diewald-Hagen das LGBTIQ+- Ausstellungs- und Buchprojekt „SEIN“ ins Leben gerufen. Damit sollen die Herausforderungen und Lebensrealitäten von queeren Menschen in der Regenbogenstadt Linz sichtbar gemacht werden. 

Schutzräume, respektvolle Kommunikation und klare gesellschaftliche Positionierung sind essenziell, damit jeder Mensch in seiner Einzigartigkeit sicher leben kann. Die Stadt Linz zeigt vorbildlich im alten Rathaus wie der öffentliche Raum ein Schutzraum sein kann, wo unterschiedliche Menschen mit vielfältigen Lebensgeschichten Akzeptanz erfahren. 
Langfristig geht es um mehr als nur um einen Ort: Es geht um eine Brücke zwischen Menschen, um das Verstehen von Lebensrealitäten, die für Viele nicht greifbar sind. 

Die Ausstellung im Foyer Erdgeschoss, Altes Rathaus ist von 15. bis 22. Juni 2025 bei freiem Eintritt geöffnet, die Vernissage mit Buchpräsentation findet bereits am 23. April um 19 Uhr statt. Am 25. April wird die Ausstellung zudem im Rahmen des LGBTIQ+*-Forums im Neuen Rathaus, Linz, gezeigt. 

„Einfach ‚SEIN‘ zu dürfen. In einer Welt, die oft von Erwartungen, Vorurteilen und Bewertungen geprägt ist, bleibt das Anliegen vieler nach einem Leben in Akzeptanz und Sicherheit eine Herausforderung. 

Das Projekt ‚SEIN‘ ermöglicht es Menschen, ihre Identität ohne Erklärung oder Rechtfertigung zu zeigen. Mit dem verbindenden und bunten Foto-Kunst-Projekt schaffen wir Raum für authentische, einzigartige Darstellungen von Menschen, die in einer oft bewertenden Welt schwer zu finden sind. 

Als Vizebürgermeisterin bin ich davon überzeugt, dass es zentral ist, Berührungsängste und Vorurteile zwischen Menschen abzubauen und daran zu arbeiten, Menschen zusammenzubringen, das Miteinander zu fördern und Barrieren zu durchbrechen. Dieses Miteinander steht für die positive Weiterentwicklung unserer Gesellschaft und die Attraktivität des Standortes.“, sagt LGBTIQ+-Referentin und Vizebürgermeisterin Tina Blöchl. 

"Ausgrenzung entspringt oft einer tiefen Unwissenheit. Mit unserem Projekt ‚SEIN‘ möchten wir den queeren Menschen Raum geben, gehört zu werden, und einen kleinen, aber eindrucksvollen Einblick in ihr tägliches Leben schenken. Die 3 x zwölf Bilder der Ausstellung laden dazu ein, innezuhalten, zu verweilen und die Geschichten dahinter in Ruhe zu erfassen. Das begleitende Buch erzählt bewegende Erlebnisse und baut Brücken, die zu mehr Verständnis und Akzeptanz führen. Die Auseinandersetzung mit diesem Thema hat uns selbst in einer tiefen und unvergesslichen Weise berührt. Wir haben mit den Teilnehmer*innen gemeinsam gelacht, geweint und neue Freundschaften geschlossen", geben Iris und Erik Diewald-Hagen, Foto-Künstler, Einblick in den Entstehungsprozess von „SEIN“. 

Einfach „SEIN“ können, wie man ist, ohne sich die Frage stellen zu müssen, was es eigentlich bedeutet, einfach SEIN zu dürfen? Genau hier setzt das Projekt „SEIN“ an. Es schafft Bilder von echten Menschen, die nicht nur das Äußere, sondern auch das Innere reflektieren – wahrhaftig, echt und einzigartig. Städte sind nicht nur Lebensorte, sie sind ein Zuhause. Orte des Zusammenlebens, des Austauschs und der Begegnung. Die Stadtpolitik könne vieles tun, um das SEIN jeder und jedes einzelnen zu fördern, ist auch LGBTIQ+-Referentin und Vizebürgermeisterin Tina Blöchl sicher, sei es durch kulturelle Initiativen, oder durch Strukturen, die Diversität nicht nur tolerieren, sondern begrüßen. Ein wesentlicher Aspekt sei dabei auch der Schutz der Menschen und ihr Sicherheitsgefühl. 

Das Foto-Kunst-Projekt „SEIN“ zeigt zwölf queere Personen und stellt die Frage: „Warum darf ich nicht „SEIN“, wie ich bin?“. Die Fotokünstler*innen Iris und Erik Diewald-Hagen portraitierten zwölf queere Menschen, ganz einfach in ihrem „SEIN“, so wie sie sind, ohne der von der Gesellschaft geforderten Erklärung. 

Die ausgestellten Portraitfotos sind monochrom und jeweils in einer der Regenbogenfarben gehalten und wurden mit einer 160 Jahre alten Holzkamera in liebevoller Handarbeit auf fragilen Glasplatten angefertigt. Erst gemeinsam erstrahlen sie in einem großen Regenbogen. Tiefgründige Zitate der jeweiligen Person ergänzen die Fotografien und regen zum Nachdenken an. Die Bilder und die Geschichten sind ebenfalls im Buch „SEIN“, das parallel zur Ausstellung erschienen ist, zusammengefasst (ISBN 978-3-903028-99-9). Die zwölf Personen geben tiefe Einblicke in ihr „SEIN“, ihren Weg der Selbstfindung mit all seinen Tiefen und Höhen, wie sie es geschafft haben, „SEIN“ zu dürfen, wie sie sind. Das Buch spricht gleichermaßen queere Personen sowie alle Menschen guten Willens an, die einen ehrlichen Blick auf das „SEIN“ queerer Menschen werfen möchten und baut Brücken für mehr Verständnis und Akzeptanz. 

Künstlerisches Konzept: Alle Fotografien sind bunte Unikate, wie die abgebildeten Menschen und ihre einzigartigen Geschichten

Die Foto-Künstler Iris und Erik Diewald-Hagen beschäftigen sich seit fast einem Jahrzehnt mit der Wiederbelebung historischer fotografischer Verfahren, insbesondere der Kollodium Nassplatten Fotografie sowie Gelatine Trockenplatten, um das alte Wissen und Handwerk aus den Anfängen der Fotografie zu bewahren und wieder zu den Menschen zu bringen.

Originalgeräte und chemischen Rezepturen aus 1850 werden dazu verwendet. Die alten Techniken eigenen sich hervorragend, um das Thema „SEIN” künstlerisch aufzuarbeiten und mit tiefen Aussagen zu verknüpfen. Und auch das Thema Diskriminierung ist den beiden Foto-Künstler*innen selbst in der eigenen Lebensgeschichte, aber auch bei ihren beruflichen Erfahrungen nicht fremd, deshalb wollen sie auch die Möglichkeiten, die die Kunst der historischen Fotografie bietet mit bedeutenden Inhalten verbinden: 

  • alle Fotografien sind Unikate, wie die abgebildeten Menschen;
  • die Fotografien wurden auf Glasplatten fotografiert, zerbrechlich wie die Menschen;
  • die Technik stammt ursprünglich aus einer Zeit der schwarz-weiß-Fotografie, in der auch schwarz-weiß-Denken vorherrschend war;
  • die alten Verfahren bieten keine Möglichkeit einer nachträglichen Veränderung, eines „Filters” oder digitaler Manipulation, sondern zeigen die Personen unverfälscht;
  • jedes Bild verfügt über ein Kernzitat aus den Teilnehmer*innen-Interviews, das mittels Laser auf den Fotos eingebrannt wurde;
  • die abgebildeten Personen sind in „cleanem”, neutralem Umfeld dargestellt, jeder darf „SEIN“, unabhängig von der konkreten Lebenssituation und Umgebung;
  • alle Personen stehen dabei auf demselben Boden;
  • alle Fotografien sind mit identischem Lichtsetup hergestellt, es wird nicht wie in der Fotografie sonst üblich nach „männlichem” und „weiblichem” Licht unterschieden;
  • es wurden aus der „Buntheit der Menschheit” für das Projekt genau zwölf Personen ausgewählt, die das Spektrum des LGBTQIA+* repräsentieren. Die zwölf steht dabei für die Zahl der Fülle/Vollkommenheit und meint damit die gesamte Menschheit;
  • jedes Bild hat seine eigene Farbe, seine Identität, erst in der Zusammenschau aus der Ferne wird deutlich, dass sie zusammen den Regenbogen ergeben;

Neue Fototechnik entwickelt: Historische schwarz-weiß Fotografien erstrahlen in leuchtenden Regenbogenfarben

Um den alten schwarz-weiß-Techniken Farbe einzuhauchen, wurde in einjähriger Forschungsarbeit eine Technik entwickelt, die leuchtende Regenbogenfarben mit historischer schwarz-weiß-Fototechnik verbindet. Die Bilder sind mit jeweils einer der Regenbogenfarben hinterlegt und werden auf fünf Meter breiten, schwarzen Ausstellungselementen, von strahlendem Licht beleuchtet, präsentiert. Eine Wand zeigt nur die Serie der Kopf-Portraits und thematisiert die intellektuelle Auseinandersetzung mit dem SEIN der Personen. Eine zweite Wand zeigt nur die Körper – ohne Kopf – und beschäftigt sich mit der Körperlichkeit der Menschen. Es gibt farblich keine Zuordnung von Kopf zu Körper, keine Möglichkeit, auf die sexuelle Orientierung Rückschlüsse zu ziehen. Der Betrachter ist eingeladen, sich in dieses Spannungsfeld zu begeben und mit tiefgehenden Gedanken und Zitaten der Person auseinanderzusetzen. Eine dritte Wand schließlich zeigt die „Auflösung”, jede Person in einem frei gewählten Gesamtportrait in ihrem SEIN, alle Bilder und Wände zusammen, lassen auch visuell alle Farben des Regenbogens erstrahlen. Unter den Bildern befindet sich zudem ein QR-Code zu einem Song, der die Person in den Zeiten der Selbstfindung besonders begleitet hat, sodass der Betrachter sie mit allen Sinnen erfahren kann.

Buchprojekt „SEIN“ eröffnet tiefste, persönlichste Erfahrungen und Lebenszeugnissen der zwölf fotografierten Teilnehmer*innen

Ursprünglich war das Buch „SEIN“ als „Bildband zur Ausstellung” geplant. Schnell wurde in den Gesprächen mit den zwölf Teilnehmer*innen klar, dass die portraitierten Menschen ihre tiefsten und persönlichsten Erfahrungen und Lebenszeugnisse in den begleitenden Interviews zu ihren Lebensrealitäten eröffnen. Iris und Erik Diewald-Hagen haben mit den portraitierten Personen bei den Interviews gemeinsam gelacht und geweint, waren überrascht, bestürzt, besorgt und vor allem berührt von den ganz persönlichen Erlebnissen und Geschichten. Deshalb entwickelte sich die Buch-Idee rasch weiter und wurde viel mehr als nur eine Dokumentation der Ausstellung. Es stellt ein eigenständiges, wertvolles Zeugnis für die Vielfalt der Menschheit in der Regenbogenstadt Linz dar. Das Buch portraitiert also nicht nur fotografisch zwölf queere Menschen in ihrer authentischen Existenz, sondern erzählt auch ihre Geschichten: Vom Weg ihrer Selbstfindung, den damit verbundenen Herausforderungen und ihrem Streben nach Akzeptanz. Diese Dokumentationen bieten tiefe Einblicke in ihre Lebenswege und laden die Leser*innen ein, die Vielfalt menschlicher Identität zu verstehen und wertzuschätzen. An dieser Stelle dient ein Dank der Gleichbehandlungsbeauftragten der Stadt Linz Patricia Kurz-Khattab, für die Mitorganisation des Projekts.

Für jene, die sich in ihrem eigenen „SEIN“ noch unsicher sind, kann dieses Buch auch eine wertvolle Hilfestellung bieten. Es zeigt, dass der Weg zur Selbstakzeptanz individuell und oft herausfordernd, aber auch von Hoffnung und Unterstützung geprägt sein kann. Die Geschichten ermutigen dazu, den eigenen Weg zu finden und sich selbst treu zu bleiben. Die Herausgeber Iris und Erik Diewald-Hagen sehen sich als Vermittler und Übersetzer dieser Lebenswege. Ihre Verantwortung empfinden sie darin, die Chance mit ihrer Kunst zu ergreifen und langfristig Brücken zwischen Menschen zu bauen und die Welt ein Stück offener, liebevoller und akzeptierender zu gestalten. Denn am Ende geht es um nichts anderes als das Recht jedes Menschen, einfach SEIN zu dürfen. 

„Dieses Buch ist eine Brücke zwischen den Menschen in ihrer Vielfalt. Es richtet sich an diejenigen, die sich in der queeren Community wiederfinden, genauso wie an jene, für die diese Bilder und Geschichten eine erste Begegnung mit einer neuen Realität sind. Es geht nicht um Politik, sondern um Menschen. Darum, sie so zu zeigen, wie sie sind, und ihnen die Möglichkeit zu geben, einfach zu „SEIN“. Ein Mensch ist mehr als ein Name, ein Bild oder eine Zuschreibung. Ein Mensch ist eine Geschichte, eine Existenz – und genau das fängt dieses Projekt ein. Dieses Projekt soll vor allem eines tun: Menschen zusammenbringen“, schließt LGBTIQ+-Referentin und Vizebürgermeisterin Tina Blöchl. 

Die Stadt Linz, die Teil des globalen Rainbow Cities Networks ist, setzt sich aktiv für die Unterstützung der LGBTIQ*-Community ein und strebt an, Toleranz sowie Gleichbehandlung zu fördern. 

SEIN | Linz-Termine
2. Linzer LGBTIQ+*-Forum 2025 | Linz-Termine

Weitere öffentliche Termine, Eintritt frei: 

  • 23. April 2025, 19 Uhr, Vernissage und Buchvorstellung, im Alten Rathaus, Linz
  • 25. April 2025, Ausstellung im Rahmen des LGBTIQ+*-Forums im Neuen Rathaus, Linz
  • 15. bis 22. Juni 2025, Ausstellung im Alten Rathaus, Linz

Download-Link: https://we.tl/t-S53Fbbajw0 zu einigen Portraits der Ausstellung: Projekt „SEIN“, die von 15. bis 22. Juni 2025 im Foyer Altes Rathaus Linz bei freiem Eintritt präsentiert werden. Die Vernissage mit Buchpräsentation findet bereits heute, am 23. April um 19 Uhr, statt. 

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von LGBTIQ+-Referentin Vizebürgermeisterin Tina Blöchl zum Thema „Foto-Kunst-Projekt 'SEIN' macht die vielfältigen Lebenswelten von queeren Menschen sichtbar“)

Weitere Gesprächspartner*innen:
Iris und Erik Diewald-Hagen, Foto-Künstler*innen
Aron Butyorka, Helene Marie Prückl, Projektteilnehmer*innen

Dieses Werk ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.

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