Medienservice vom: 21.07.2025 |Downloads zur Meldung|Fotos zur Meldung

Fledermäuse haben Stechmücken zum Fressen gern Insektenjäger auch in Linz heimisch

Durchwachsen, so würden wir aus menschlicher Sicht das Wetter der vergangenen Wochen in Linz einschätzen. Doch Stechmücken lieben diese feuchtwarme Wetterlage. Mückenweibchen finden derzeit unzählige, kleine Wasseransammlungen, in die sie ihre Eier ablegen können. Doch es gibt tierische Gegenspieler, die helfen, die Plagegeister im Zaum zu halten – die Fledermäuse.

Diese fleißigen Insektenjäger gibt es in erfreulich großer Anzahl auch in der Landeshauptstadt. 19 der in Österreich aktuell 29 vorkommenden Arten konnten in einer groß angelegten und vom Klimafonds der Stadt Linz unterstützen Studie in den Jahren 2022 und 2023 in Linz nachgewiesen werden. 

„Die Untersuchung zeigt auch die Bedeutung von Fledermäusen als Prädatoren von Insekten, die als Überträger von Krankheiten humanmedizinisch relevant werden können, veterinärmedizinisch bedeutsam sind oder als Schädlinge in der Landwirtschaft und im Forst in Erscheinung treten. Ich bedanke mich bei der Koordinationsstelle für Fledermausschutz und -forschung und der Naturkundlichen Station für ihr Engagement“, betont Naturschutzreferentin Mag.a Eva Schobesberger.

„Fledermäuse fressen krankheitsübertragenede Stechmücken, die auch in Österreich immer mehr werden. Aus gesundheitspolitischen Gründen ist der Schutz unserer Fledermäuse deshalb enorm wichtig“, so Wirtschafts- und Innovationsstadtrat Thomas Gegenhuber.

Veränderung der Fledermausfauna durch den Klimawandel

Im Vergleich zu den vorangegangenen Untersuchungen wurden deutlich mehr Fledermausarten für die Stadt Linz festgestellt. Dies ist auf die verbesserten Erfassungsmethoden und den erhöhten Umfang der Erhebungen zurückzuführen. Zudem kam es aufgrund der Klimaerwärmung zur Ausbreitung von Fledermausarten wie der Weißrandfledermaus (Pipistrellus kuhlii) und der Alpenfledermaus (Hypsugo savii). Dies führt jedoch zur Verdrängung weniger konkurrenzstarker Arten wie der Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus). 

Fledermäuse jagen gebietsfremde Gelsenarten

Aufgrund der fortschreitenden Klimaerwärmung gibt es in Linz neben den heimischen Stechmückenarten mittlerweile etablierte Populationen der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus) und der Japanischen Buschmücke (Aedes japonicus) (Quelle: AGES (2025): Ovitrap-Monitoring gebietsfremder Gelsenarten in Österreich, Jahresbericht 2024), die ursprünglich aus dem asiatischen Raum stammen. 

Diese Mücken werden nicht nur als größere Belästigung empfunden als heimische Stechmücken (Quelle: AGES (2024): Ovitrap-Monitoring gebietsfremder Gelsenarten in Österreich, Jahresbericht 2023), sie sind zudem mögliche Überträger mehrerer Viren. Im französischen Elsass nahe der deutschen Grenze hat sich erst kürzlich eine Person mit dem Chikungunya-Virus angesteckt – es ist damit der erste Chikungunya-Fall in Mitteleuropa. Übertragen wird der Erreger von der Tigermücke (Quelle: ORF (2025): Tropenkrankheiten: Erste Chikungunya-Infektion in Mitteleuropa - science. ORF.at). Dazu aktuelle Hintergrundinformationen zur Ausbreitung von Chikungunya und weiterer Tropenkrankheiten: Tropenviren, Quanten, Elefanten, Pyramiden | DO | 17 07 2025 | 19:05 - oe1.ORF.at

Hohes Fieber, starke Gelenk- und Muskelschmerzen sowie Kopfschmerzen zählen zu den Symptomen, die das Virus verursachen kann. In Graz wurde das Usutu-Virus, Auslöser des „Amselsterbens“, ebenfalls in der Japanischen Buschmücke nachgewiesen.

Im Rahmen der Linzer Fledermausstudie wurde in den Jahren 2022 – 2023 der Kot der Fledermäuse mittels DNA-Analysen auf ihre Futtertiere hin untersucht. So konnte das Beutespektrum analysiert werden. Zahlreiche Stechmückenarten, darunter auch die Japanische Buschmücke sowie eine Vielzahl weiterer Insektenarten konnten auf diese Weise nachgewiesen werden. Die invasive Kirschessigfliege, die große Schäden an Kirsch-, Erdbeer- und Traubenkulturen anrichtet, steht ebenfalls auf dem Speiseplan der nachtaktiven Insektenjäger.

Erstfund für Oberösterreich

Eine kleine Sensation gelang dabei den Fledermausforscher*innen der Koordinationsstelle für Fledermausschutz und -forschung in Österreich (KFFÖ) mit dem Erstnachweis der Alpenfledermaus (Hypsugo savii) für das Bundesland Oberösterreich.

Oberösterreich war bislang das einzige Bundesland, für welches die Art noch nicht belegt werden konnte. 

„Der Nachweis kam daher nicht ganz unerwartet. Auch, dass die Alpenfledermaus im Stadtgebiet von Linz erstmals für Oberösterreich entdeckt wurde, spiegelt das Wissen über die Ökologie und Lebensweise dieser Art gut wider, denn die Art macht sich als ursprüngliche Felsenbewohnerin die Strukturen von Städten zu Nutze und findet hier einen idealen Sekundärlebensraum mit Ritzen und Spalten und offenen Bereichen für die Jagd“, erläutert Dr. Guido Reiter, Leiter der KFFÖ.

Fledermäuse bedroht und geschützt

Alle in Oberösterreich vorkommenden Fledermausarten sind aufgrund der europäischen „Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie“ besonders geschützt. Trotz des hohen Schutzstatus sind fünf der in Linz nachgewiesenen Arten als gefährdet und die Wimperfledermaus (Myotis emarginatus) sogar als stark gefährdet eingestuft.

Der Hauptgrund für die Bestandsrückgänge ist die abnehmende Vielfalt der Landschaft! Weitere Gefahrenquellen für Fledermäuse sind die sinkende Zahl ungestörter Wochenstuben-Quartiere, Straßen- und Bahnverkehr, Insektensterben und bauliche Fallen an Gebäuden.

Sehr wirksame Maßnahmen zum Schutz der Fledermäuse sind der Quartiererhalt bzw. die Neuschaffung von Quartieren, in denen sie den Tag oder auch den Winter verbringen können. 

„Ersatzquartiere in Form von Fledermausbrettern, wie sie zum Beispiel am Hangar des Linzer Segelflugplatzes in Zusammenarbeit mit den Segelfliegerclubs angebracht wurden, werden gerne angenommen“, weiß Mag.a Gudrun Fuß, Naturschutzbeauftragte der Stadt Linz.

Zusätzlich muss der umgebende Lebensraum eine fledermausfreundliche Habitatausstattung aufweisen. In der Landwirtschaft wirken sich extensiv bewirtschaftete Flächen und Strukturelemente wie Hecken, Baumreihen, Raine sowie Obstwiesen positiv auf die Fledermausfauna aus. In Wäldern sollten Habitatbäume mit Höhlen, Rissen und abstehender Rinde belassen werden, da sie gerne als Quartier genutzt werden. Laubbäume und blütenreiche Waldsäume garantieren wiederum hohen Insektenreichtum. Auch die Anlage von Teichen unterstützt viele Fledermausarten wie die Wasserfledermaus (Myotis daubentonii), die gerne über der Wasseroberfläche jagt. Diese Maßnahmen werden auch auf den öffentlichen Grünflächen der Stadt Linz umgesetzt.

Zu den Ergebnissen des Klimafondsprojekts, der generellen Rolle der Fledermäuse für das ökologische Gleichgewicht und den Veränderungen durch den Klimawandel wurde die beiliegende Ausgabe der renommierten naturkundlichen Zeitschrift „ÖKO.L“ verfasst.  

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