Biodiversität: Ausgehend von der Klimaoase zeigt sich, was im Hafenviertel alles möglich ist Präsentation im Rahmen des Ars Electronica Festivals
Im Herzen des Linzer Industriegebietes hat mit dem Hollabereranwesen ein Relikt aus der früheren Aulandschaft überlebt. Auf dem westlichen Teil des Anwesens wurde von Christoph Wiesmayr mit Unterstützung des städtischen Klimafonds ein Klimagarten realisiert und für Besucher*innen, geführte Radtouren und Schulklassen zugänglich gemacht. Ein Bodenlehrpfad, ein naturbelassener Mikrowald (Tiny Forest) sowie ein Schul-bzw. Experimentiergarten vermitteln seit 2022 Schulkindern und Besucher*innen die Bedeutung von Boden- und Klimaschutz sowie Klimaanpassung. Dabei wird die Umweltgeschichte dieses Standorts nähergebracht werden. Der Garten thematisiert auch das Thema Hitzeschutz, da er spürbar macht, wie Begrünung im versiegelten Industriegebiet die Hitze erträglich macht.
Davon ausgehend hat Christoph Wiesmayr gemeinsam mit Prof. Dr. Thomas E. Hauck, Studio Animal-Aided Design ein zweites Projekt „Work on Biodiversity“ gestartet, um Artenschutz und Biodiversitätsmaßnamen zusammen mit ansässigen Unternehmen zu erarbeiten. Dieses Projekt wird ebenfalls vom Klimafonds unterstützt.
„Klimaarbeit, Natur- und Artenschutz müssen Hand in Hand gehen, damit wir die notwendigen großen Schritte zum Schutz unserer Lebensgrundlagen machen können. An fast keinem Ort wird dies so erlebbar wie in der Klimaoase, die als zentraler Anlaufpunkt für den Austausch und die Zusammenarbeit für Biodiversitätsmaßnahmen im ganzen Hafenviertel dient. Ich durfte schon das ein oder andere mal miterleben, mit wie viel Freude Schulklassen hier die Bedeutung des Bodens im wahrsten Sinne des Wortes begreifen. Für dieses große Engagement möchte ich mich ganz herzlich bei Christoph Wiesmayr bedanken“, sagt Umweltstadträtin Mag.a Eva Schobesberger.
Die Klimaoase bietet Raum für Workshops, Planungslabore und Veranstaltungen und fungiert als Showcase für innovative Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität. Durch diese ganzheitliche Methodik soll die Biodiversität im Linzer Osten nachhaltig gefördert und die Anpassung an den Klimawandel unterstützt werden.
Biodiversitätsstrategie für den Linzer Osten
„Work on Biodiversity“ ist ein vom Klimafonds der Stadt Linz gefördertes Projekt, das untersucht, wie Biodiversität auch in einem stark von Industrie, Gewerbe, Infrastruktur und Hafen geprägten Stadtgebiet gefördert werden kann.
„Work on Biodiversity zeigt, dass Biodiversität nicht am Rand der Stadt aufhört. Gerade im Linzer Osten mit seinen Industrie- und Gewerbeflächen gibt es große Potenziale, Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu erhalten und neu zu schaffen. Besonders wichtig ist, dass diese Lösungen gemeinsam mit den Unternehmen entwickelt wurden. So entstehen konkrete Ansätze, wie wirtschaftliche Nutzung, Stadtentwicklung und die Förderung der Biodiversität miteinander verbunden werden können“ so Christoph Wiesmayr.
Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass Biodiversität nicht nur in Schutzgebieten oder klassischen Grünräumen stattfindet. Auch Betriebsareale, Dächer, Fassaden, Böschungen, Randflächen, Gleisbereiche oder wenig genutzte Restflächen können wichtige Lebensräume für Tiere und Pflanzen darstellen und zur ökologischen Vernetzung im Stadtgebiet beitragen.
Eine zentrale Besonderheit des Projekts ist deshalb die Zusammenarbeit mit Unternehmen im Linzer Osten. „Work on Biodiversity“ ist kein Projekt über Unternehmen, sondern ein Projekt mit den Unternehmen. Gemeinsam wurden vorhandene Freiräume und Entwicklungspotenziale untersucht und konkrete, auf die jeweiligen Standorte abgestimmte Maßnahmen entwickelt.
Eine wichtige fachliche Grundlage bildet ein für den Linzer Osten entwickelter Artenpool. Daraus wurden Zielarten ausgewählt und untersucht, welche Lebensräume und Strukturen diese Arten im Gebiet benötigen. Auf dieser Grundlage wurden konkrete Maßnahmen für unterschiedliche Freiraumtypen und Betriebsareale entwickelt.
Zentrale Botschaft
Das Projekt zeigt, dass Industrie- und Gewerbegebiete nicht im Widerspruch zur Förderung von Biodiversität stehen müssen. Ziel ist nicht, aus Betriebsarealen Naturschutzgebiete zu machen. Vielmehr geht es darum, gemeinsam mit den Unternehmen vorhandene Potenziale zu erkennen und Maßnahmen zu entwickeln, die sich mit der betrieblichen Nutzung verbinden lassen.
Das können artenreiche Wiesen auf bisher intensiv gepflegten Rasenflächen sein, Gehölze und Säume auf wenig genutzten Randflächen, Lebensräume auf Dächern und Fassaden oder Totholz- und Steinstrukturen.
Entscheidend ist dabei die Vernetzung: Viele einzelne Maßnahmen können langfristig zu einem Netz von Lebensräumen im gesamten Linzer Osten beitragen.
Veranstaltung im Rahmen des Ars Electronica Festivals am 10 und 11. September
Im Rahmen des Ars Electronica Festivals werden am 10. und 11. September 2026 Ergebnisse des Projekts öffentlich vorgestellt und gemeinsam mit Unternehmen, Fachleuten und interessierten Bürger*innen diskutiert.
Fotos
- Druckdatei (JPG | 3,12 MB) 26 x 34 cm mit 300 dpi Foto: Privat
Umweltstadträtin Mag.a Eva Schobesberger und Projektleiter Christoph Wiesmayr in der Klimaoase
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