Linzer Hitzebelastung noch größer als erwartet Messdaten aus 2026 zeigen deutlich mehr Tropennächte und Hitzetage als für 2021 bis 2050 simuliert
Wie stark die Folgen der Klimakrise Linz bereits treffen, zeigt ein aktueller Vergleich zwischen früheren Klimasimulationen und den Messungen des städtischen Messnetzes. Vor sieben Jahren untersuchten Expert*innen im Projekt CLARITY die künftige Hitzebelastung im Linzer Stadtgebiet. Im Mittelpunkt standen Tropennächte und Hitzetage in unterschiedlichen Klimaszenarien. Die aktuellen Daten aus dem Extremsommer 2026 liegen deutlich über dem damals für den Zeitraum 2021 bis 2050 simulierten Bereich.
„Die Messungen führen uns deutlich vor Augen, wie rasch die Klimakrise voranschreitet und wie dringend unser Handlungsbedarf ist. Eine Hitzebelastung, die frühere Berechnungen für die kommenden Jahrzehnte beschrieben haben, erleben wir in einem Extremsommer bereits heute in deutlich stärkerem Ausmaß. Das unterstreicht, wie wichtig konsequenter Klimaschutz und gleichzeitig entsprechende Maßnahmen in unserer Stadt sind. Mehr Grün, Schatten und weniger versiegelte Flächen helfen dabei, die Belastung für die Linzer*innen zu reduzieren und die Lebensqualität auch bei steigenden Temperaturen zu sichern“, betont Klimastadträtin Mag.a Eva Schobesberger.
Als Tropennacht gilt eine Nacht, in der die Temperatur zwischen 20 Uhr und 8 Uhr nicht unter 20 Grad Celsius fällt. Hitzetage erreichen eine Höchsttemperatur von mindestens 30 Grad Celsius. Gerade Tropennächte belasten Menschen in dicht bebauten Stadtteilen, weil Gebäude und versiegelte Flächen gespeicherte Wärme während der Nacht abgeben und die notwendige Abkühlung erschweren und die Erholsamkeit des Schlafs stark beeinträchtigt wird.
Die CLARITY-Simulationen verdeutlichten bereits 2019, dass die Zahl der Tropennächte mit fortschreitender Erderhitzung steigt. Die Berechnungen zeigen dabei deutlich die zu erwartenden räumlichen Unterschiede innerhalb des Linzer Stadtgebietes. Dicht versiegelte und gering durchgrünte Gebiete mit eingeschränkter Durchlüftung sind verstärkt betroffen. Für das Szenario ohne Klimaschutz zeigen die Berechnungen für die Periode 2071 bis 2100 eine wesentlich stärkere Belastung als für die Zeiträume 1971 bis 2000 und 2021 bis 2050.
Inzwischen ermöglichen die detaillierten Daten des städtischen Messnetzes erstmals einen Vergleich der damaligen Simulationen mit der gemessenen Realität. Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Unterschied: An den Linzer Messstellen wurden 2026 mehr als doppelt so viele Tropennächte erfasst, wie die Simulationen im Mittel für 2021 bis 2050 erwarten ließen. Bei den Hitzetagen fällt der Unterschied noch größer aus. Die Messstellen verzeichneten 2026 etwa dreimal so viele Hitzetage wie im simulierten Vergleich. Damit erreicht die thermische Belastung in einem Extremsommer bereits heute ein Niveau, das deutlich über den früheren Berechnungen für die nahe Zukunft liegt.
Die Stadt Linz verfolgt deshalb zwei eng miteinander verbundene Wege. Das Klimaneutralitätskonzept bildet die Grundlage für den städtischen Beitrag zum Klimaschutz. Die Reduktion der Treibhausgasemissionen trägt dazu bei, die weitere Verschärfung von Hitzeextremen zu begrenzen.
Gleichzeitig setzt Linz mit dem Klimawandelanpassungskonzept „Zukunft Linz“ bei jenen Folgen an, die sich nicht mehr vollständig verhindern lassen und bereits heute auftreten. Die Stadt beschloss das Konzept gemeinsam mit einem Aktionsprogramm Ende Juni 2023. Es definiert die Rahmenbedingungen, um die Lebensqualität im Stadtgebiet trotz steigender Temperaturen bestmöglich zu erhalten. Verschiedene Geschäftsbereiche und Mitglieder der Unternehmensgruppe Linz arbeiten gemeinsam daran, die Klimaresilienz der Stadt zu erhöhen. Der Jahresbericht zur Klimawandelanpassung dokumentiert aktuelle Umsetzungsschritte und weitere Maßnahmen.