Wortprotokoll-Auszug der 30. Gemeinderatssitzung am 5.6.2025

Tagesordnung der 30. Gemeinderatssitzung
Tagesordnungspunkt L
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Sitzungen des Gemeinderates

L22. Professioneller Neustart des Radwegprovisoriums auf der Nibelungenbrücke - Resolution

  • GR Clemens Brandstetter - Berichterstattung

    „Sehr geehrte Damen und Herren, Herr Redlhammer sagt es immer wieder. Das Beste kommt zum Schluss und so ist es auch dieses Mal. (Heiterkeit) Der letzte Antrag auf der Ta­ges­ord­nung behandelt ein Thema, das in den letzten Wochen und Monaten viele Men­schen in Linz und auch im Mühlviertel beschäftigt hat.

     

    Es ist ein Thema, das teils sehr hef­tig diskutiert wurde und bei dem leider viel Vertrauen in die Politik verloren ging, weil ein oftmals wiederholtes und teures Versprechen ge­bro­chen wurde. Dieses Thema hat aber auch in symbolischer Weise das Versagen und die Ver­säum­nisse der ober­ös­ter­rei­chi­schen und der Linzer Verkehrspolitik der letzten Jahre und Jahrzehnte ge­zeigt. Das wur­de auch weit über unsere Stadtgrenzen hinaus wahr­ge­nom­men.

     

    Die Leid­tra­gen­den dieser, von Versäumnissen und Fehlern geprägten Verkehrspolitik, sind die Mühlviertler Pendler*innen. Sie verlieren aufgrund des Festhaltens am ge­schei­ter­ten Pa­ra­dig­ma ‚autozentrierte Verkehrspolitik‘ unheimlich viel Lebenszeit und Nerven im Stau. Ebenso leidtragend sind auch die Linzer*innen, die unter der täglichen Blech­la­wi­­ne und dem damit einhergehenden Lärm und Dreck leiden.

     

    Die meisten von uns wissen, dass wir den Gordischen Knoten der Linzer Ver­kehrs­pro­ble­me - den ewigen Stau, den Parkplatzdruck und die Überlastung der Innenstadt - nur lösen kön­nen, indem wir konkurrenzfähige Alternativen zum Auto schaffen. Nur, wenn wir einen leis­tungs­star­ken, schnellen und angenehmen öffentlichen Verkehr ermöglichen, werden vor allem die Pendler*innen vom Auto auf diesen umsteigen. Nur, wenn wir im urbanen Raum sichere Radinfrastruktur schaffen, werden mehr Menschen auch mehr Wege mit dem Rad zurücklegen.

     

    Das Fahrrad ist im urbanen Raum ein sehr effizientes Fortbewegungsmittel und ein we­sent­li­cher Hebel, um die Mobilitätsprobleme in unserer Stadt zu lösen. Nur, wenn wir si­che­re Radinfrastruktur schaffen und gefährliche Nadelöhre wie die Nibelungenbrücke si­ch­er machen, werden wir mehr Menschen dazu bringen, mehr Alltagswege mit dem Fahr­rad zurückzulegen. Nur, wenn wir mit konsequenter Politik das umsetzen, was in un­se­ren Mobilitätskonzepten steht, können wir die strategischen Ziele der Veränderung des Modal Splits erreichen.

     

    Das sollte auch all jenen bekannt sein, die die Mobilitätskonzepte der Stadt Linz be­schlos­sen oder gar selbst vorangetrieben haben. In diesem großen Thema war und ist die Ni­be­lun­gen­brücke ein wichtiger Mosaikstein. Wir alle wissen, dass sie ein sehr wichtiges Na­del­öhr für den Radverkehr ist. Ihre Radwege sind aber nicht Straßenverkehrsordnung (StVO)-konform und es kommt dort leider immer wieder zu teils sehr gefährlichen Un­fällen.

     

    Nicht umsonst ist in der Fahrradstrategie eine sichere Donauquerung auf der Ni­be­lun­gen­brücke als erstes Projekt mit sehr hoher Priorität genannt. Dieses Projekt wurde schon lange genug verschoben und wir sagen, die Sicherheit für den Radverkehr darf nicht län­ger warten. Die Fakten liegen längst auf dem Tisch: Die Umwidmung einer Fahrspur ist die einzige realistisch finanziell vertretbare und strategisch sinnvolle Option. Daher brin­gen wir diesen Antrag mit dem Ziel ein, möglichst rasch einen professionellen Neustart an­zu­stoßen und nicht wieder jahrelang herumzudiskutieren.

     

    An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei Helge Langer für das gemeinsame Ein­brin­gen dieses Antrags bedanken. Ich möchte mich auch bei all jenen bedanken, die sich jah­re­lang ehrenamtlich unter größtem Einsatz, oftmals widrigen Bedingungen aus­ge­setzt, kons­truk­tiv für eine sichere Radinfrastruktur und Mobilitätswende einsetzen. Das ist in Ober­ös­ter­reich nicht immer ganz einfach.

     

    Konkret ersuchen wir Bürgermeister Dietmar Prammer und Vizebürgermeister Martin Hajart gemeinsam mit Landeshauptmann Thomas Stelzer und dem Verkehrsreferenten des Landes Oberösterreich, Günther Steinkellner, einen politischen Kompromiss im Rah­men der strategischen Mobilitätsziele des Landes und der Stadt Linz zu finden. Sie sollen fach­li­che Expertise beiziehen, um einen professionellen Neustart des Radprovisoriums auf der Nibelungenbrücke zu ermöglichen, so wie das den Linzer*innen versprochen wurde.

     

    Unserer Ansicht nach braucht es darüber hinaus eine effektive Verkehrslenkung, ins­be­son­de­re die konsequente Umleitung des Schwerverkehrs über die Donautalbrücke, um­fang­rei­che Kommunikations- und Öffentlichkeitsarbeit, insbesondere in den betroffenen Um­land­ge­mein­den sowie bei Unternehmen und Pendler*innenorganisationen.

     

    Des Weiteren fordern wir eine systematische Evaluierung und gegebenenfalls An­pas­sung des Provisoriums während seiner Laufzeit bis zur Generalsanierung der Ni­be­lun­gen­brücke im Jahr 2028, um dann eine dauerhafte Lösung umzusetzen. Im Sinne der Si­cher­heit der Radfahrer*innen und der Mobilitätswende bitte ich um Zustimmung zum An­trag. 

     

    Der Gemeinderat beschließe folgende Resolution:

     

    ‚1. Der Bürgermeister der Stadt Linz Dietmar Prammer und der zuständige Ver­kehrs­re­fe­rent Vizebürgermeister Martin Hajart werden ersucht, beim Ver­kehrs­lan­des­rat des Lan­des Oberösterreich, Günther Steinkellner, einen professionellen und fach­lich be­glei­teten Neustart des Projekts „Radwegprovisorium Ni­be­lun­gen­brü­cke“ zu ini­ti­ieren.

     

    2. Der zuständige Verkehrslandesrat Günther Steinkellner wird ersucht, un­ver­züg­lich ein unabhängiges Planungsbüro oder externe fachliche Expert*innen mit der Ent­wick­lung eines umfassenden, innovativen und professionell begleitenden Plans zur Umsetzung eines neuen Radwegprovisoriums auf der Nibelungenbrücke zu be­auf­tra­gen.

     

    Dieser Plan soll insbesondere umfassen:

    • Innovative verkehrsorganisatorische Maßnahmen auf der Nibelungenbrücke so­wie in den Anschlussbereichen, um eine sichere Infrastruktur für Radfahrende und Fuß­gänger*innen bereitzustellen.

    • Effektive Verkehrslenkung, insbesondere die konsequente Umleitung des Schwer­ver­kehrs über die Donautalbrücke.

    • Umfangreiche Kommunikations- und Öffentlichkeitsarbeit, insbesondere in den be­trof­fenen Umlandgemeinden und bei Unternehmen sowie Pendler*in­nen­or­ga­ni­sa­ti­onen.

    • Systematische Evaluierung und ggf. Anpassung des Provisoriums während sei­ner Laufzeit.

     

    3. Der Verkehrslandesrat Günther Steinkellner wird weiters ersucht, diesen um­fas­sen­den Plan in Abstimmung mit dem Verkehrsreferenten der Stadt Linz bald­mög­lichst umzusetzen, sodass das Radwegprovisorium schnellstmöglich in Betrieb ge­nom­men wird und bis zur geplanten Generalsanierung der Nibelungenbrücke im Jahr 2028 Bestand hat. Im Zuge dieser Sanierung soll anschließend eine dau­er­haf­te, den strategischen Zielen der Stadt Linz entsprechende Radverkehrslösung um­ge­setzt werden.‘“

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  • GRin Brita Piovesan (Linz+) - Wortmeldung

    „Lieber Clemens Brandstetter, sehr geehrter Bürgermeister, werte Kolleg*innen, die Lage ist verfahren und die Frage ist, wie wir da wieder rauskommen. Wie schaffen wir Sicherheit für alle auf der Nibelungenbrücke. Die Positionen sind bezogen, die Stimmung ist auf­ge­heizt. Genau deshalb wollten wir eine Aktuelle Stunde, um endlich an Lösungen zu ar­bei­ten und nicht in Symbolpolitik oder gegenseitigen Schuldzuweisungen stecken zu bleiben. Was hier passiert, betrifft die Sicherheit tausender Menschen täglich, es betrifft Rad­fah­rer*in­nen, Fußgänger*innen, Kinder, Senior*innen.

     

    Fakt ist, die aktuelle Radführung oberwasserseitig ist lebensgefährlich, nicht StVO-kon­form und hat bereits zu Unfällen geführt. Ein 85 Zentimeter schmaler Streifen auf einem Geh­steig direkt neben einer 22 Zentimeter hohen Fahrbahnkante ist keine Über­gangs­lö­sung, sondern ein hohes Risiko. Laut Straßenverkehrsordnung muss der Abstand der Rad­spur von der Fahrbahn 65 Zentimeter betragen und der Radweg selbst mindestens 150 Zentimeter breit sein. Beides wird derzeit bei Weitem nicht eingehalten.

     

    Auf der Nibelungenbrücke gibt es jährlich rund eine Million Radquerungen. Im Spit­zen­mo­nat Juli sind es mehr als 4.000 täglich. Die Tendenz ist stark steigend. Das unter­streicht un­miss­ver­ständ­lich, dass der Radverkehr in Linz eine zentrale und stetig wachsende Mo­bi­li­täts­form und keine Randerscheinung ist. Für mich steht die Brücke aber exemplarisch für eine viel größere Frage: Wie verteilen wir den knappen öffentlichen Raum in der Stadt?

     

    Wollen wir weiter den ineffizienten Platzverbrauch des motorisierten Individualverkehrs recht­fer­tigen oder beginnen wir endlich den Raum gerecht, sicher und im Sinne eines funk­ti­o­nierenden Wirtschaftsstandorts zu gestalten? Die Debatte braucht Mut und auch einen langen Atem, aber sie ist notwendig.

     

    Hier müssen vor allem die großen Parteien end­lich aufklären und gemeinsam voran­ge­hen. Wer glaubt, wir könnten bis 2028 durchtauchen, ignoriert die Realität und die Ver­ant­wor­tung. Wir stimmen dem Antrag zu, weil es jetzt eine sichere Lösung für alle, die die Ni­be­lun­gen­brücke queren, braucht, nicht erst in drei Jahren.“

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  • GR Mag. Michael Roth-Schmida (KPÖ) - Wortmeldung

    „Danke Clemens Brandstetter für den Antrag. Wir als KPÖ verstehen die Intention des An­trags, nicht aufzugeben und die Situation auf der Nibelungenbrücke für den Rad- und Fuß­verkehr wieder zu verbessern. Das ist einfach dringend notwendig. Weniger ver­ständ­lich ist für uns, dass man wieder externe Expert*innen hinzuziehen will. Ich glaube, die not­wen­di­gen Maßnahmen sind längst klar und werden auch im Antrag genannt. Es braucht endlich sichere, großzügige und dauerhafte Lösungen für den ‚Umweltverbund‘ auf der Brücke. Ich wähle das Wort bewusst so breit angelegt.

     

    Der Rückbau des Radwegs nach nur wenigen Tagen war ein klarer Rückschritt, ausgelöst durch Druck aus Politik und Wirtschaft, nicht durch sachliche Notwendigkeit. Statt mutig den Rad­ver­kehr zu priorisieren, wurde jetzt wieder zu­rück­­ge­­ru­­dert. Ich muss aber auch da­zu­sagen, dass wir uns nicht viel von der sogenannten Chef­­sa­che zwischen Bür­ger­meis­ter und Landeshauptmann erwarten. Vom neuen Gut­ach­ten auch nicht.

     

    Was wir brauchen, sind - das ist heute schon öfter gesagt worden - klare und mutige Ent­schei­dun­gen in der Verkehrspolitik und eine Fahrspur weniger für den Autoverkehr auf der Nibelungenbrücke. Eigentlich muss auch der Gehsteig für die Fußgänger*innen in voller Breite zur Verfügung stehen. Das wäre längst möglich, wenn man es wirklich wollte.

     

    Wer den Autoverkehr reduzieren will, muss Stau bewusst einkalkulieren, zulassen und den ‚Umweltverbund‘ klar bevorzugen. Wir sehen aber weder bei der Stadt und noch beim Land ein klares Bekenntnis dazu. Die Nibelungenbrücke ist ein gutes Beispiel da­für, wie kläglich die Politik versagt hat.“

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  • GRin Mag.a Helena Ziegler (ÖVP) - Wortmeldung

    „Werte Kolleginnen und Kollegen, politische Entscheidungen sind nie nach ihrer Laut­stär­ke, sondern nach ihrer Wirkung und Verantwortung zu beurteilen. Dennoch habe ich bei uns im Haus immer wieder ein bisschen das Gefühl, dass wir dieses Thema nur emo­ti­o­na­li­sie­ren und nicht faktenbasiert argumentieren. Daher möchte ich jetzt ein bisschen eine Spaßbremse sein. Ich werde zeitlich etwas ausholen und schauen, dass wir die Fakten auch ein bisschen auf den Tisch bringen.

     

    Zuallererst ist ein Provisorium kein Dauerzustand, sondern ein Test unter Real­be­din­gun­gen. Ein Pilotprojekt ist nie als endgültige Lösung gedacht, sondern es soll Erkenntnisse lie­fern. Genau das hat es getan. Auf der Seite des Ars Electronica Center (AEC) funk­ti­o­niert es. Das wird immer ausgespart und vergessen. Oberwasserseitig hat es eben nicht funk­­ti­­o­­niert. Ein teilweiser Rückbau ist aber absolut gesehen kein Rückschritt, sondern ein kon­se­quen­tes Handeln auf Basis klarer Ergebnisse.

     

    Wenn ein Pilotprojekt startet, muss man auch den Mut haben, evidenzbasiert zu reagieren und zu sagen ‚so funktioniert es nicht‘. Genau diesen Mut hat Martin Hajart bewiesen. Es hat sich objektiv gezeigt, dass die Spur unter den realen Verkehrsbedingungen in dieser Form einfach nicht funktioniert. Das war sichtbar, es war messbar und es ist nicht weg­zu­dis­ku­tie­ren. Innerhalb kürzester Zeit gab es mehr als 100 dokumentierte Zwischenfälle mit den LINZ LINIEN, dazu noch klare Bedenken der Polizei.

     

    Das ist keine politische Meinung, das sind belastbare Fakten. Wer das kleinredet oder re­la­ti­viert, stellt Ideologie über Sicherheit. Daher war die Entscheidung von Martin Hajart, hier rasch zu handeln, vollkommen richtig. Ich würde sagen, es war sogar notwendig. Alles andere wäre verantwortungslos. Auch wenn man hier viel politisches Kleingeld schla­gen möchte, so hoffe ich, dass sich die Fraktionen zumindest insgeheim ein­ge­ste­hen, dass oberwasserseitig diese Konsequenz zu ziehen war.

     

    Die Akzeptanz solcher Versuche wächst nur auf Basis der Praxis und nie durch Symbolik. Genau dieses Provisorium wieder zu fordern, ist meiner Meinung nach nicht nur irrsinnig, sondern reine Symbolpolitik. Oberwasserseitig wurde belegt, dass es in dieser konkreten Form einfach nicht tragfähig ist. Da muss man der Realität in die Augen schauen. Da hilft auch keine ideologische Überhöhung, denn sie spaltet da, wo Pragmatismus gefragt ist.

     

    Ich finde es auch sehr schade, wie du, Clemens Brandstetter, mit der Fraktion der Grünen und der KPÖ, versuchst, diesen teilweisen Rückbau symbolisch aufzuladen. ‚Teilweise‘ ver­gesst ihr leider immer in dieser Sache. Es ist kein Angriff auf die Verkehrswende. Das Pro­jekt ist nicht am mangelnden Willen gescheitert, sondern an der Realität auf der Stra­ße, wo an dieser Stelle konzentriert Öffis, Autos, Radfahrer*innen und Fußgänger*innen auf­einander treffen.

     

    Wenn die Leistungsfähigkeit der Straßenbahn auf dem Spiel steht, dann geht es in dieser Dis­kus­sion nicht um die Debatte Rad gegen Auto, sondern System gegen Systembruch. Mich nervt an dieser Diskussion zunehmend, dass es immer so dargestellt wird, als wäre das gesamte Provisorium weg, als würde in Sachen Radverkehr überhaupt nichts weiter­ge­hen und sich auch im Mobilitätsmix nichts tun. Das stimmt einfach nicht.

     

    Auf der Seite des AEC steht das Provisorium aus gutem Grund noch, denn dort funk­ti­o­niert es objektiv auch. Das ist umso mehr ein Zeichen dafür, dass die Entscheidung, das Pro­vi­so­ri­um oberwasserseitig zu entfernen, richtig war. Nicht, weil es ideologisch motiviert ist, sondern faktenbasiert. So, wie die Diskussion von manchen anderen Fraktionen in diesem Haus nicht geführt wird.

     

    Ich bin selbst ehemalige Urfahranerin und ich bin früher täglich über den Radweg ge­fah­ren. Ich hätte mir damals schon genau diese Lösung, wie wir sie jetzt haben, auf der Seite des AEC gewünscht. Mit dem Provisorium, mit den bunten Pollern und mit der sichtbaren Mar­kie­rung des Radstreifens. Das ist ein absolutes Positivbeispiel, wie Mobilität ne­ben­ei­nan­der funktionieren kann.

     

    Ich möchte auch noch den Umbau der AEC-Rampe in Erinnerung rufen, die auch schon in der Pipeline ist. Es also so darzustellen, als wäre alles katastrophal und furchtbar, nur weil wir oberwasserseitig der Realität ins Auge schauen, ist einfach falsch. Das ist auch nicht die politische Zusammenarbeit, wie ich sie bisher in diesem Haus kennengelernt habe. Das ist unserer Zusammenarbeit eigentlich so nicht würdig. Niemand will die Fort­schrit­te im Radverkehr zurücknehmen. Aber Fortschritt heißt auch, dass man den Kurs kor­ri­gie­ren kann, daraus lernt und besser wird.

     

    Martin Hajart setzt auch in Zusammenarbeit mit dem Land auf solche faktenbasierten Lö­sun­gen und nicht auf ideologische Alleingänge. Stadt und Land arbeiten bereits an mach­ba­ren Alternativen. Das geht von Brückenanbauten über separate Querungen, et cetera. Die anstehende Generalsanierung der Nibelungenbrücke bietet uns dafür einen re­a­lis­ti­schen Zeit­ho­rizont. Bis dahin kann man für Stabilität sorgen.

     

    Also, lieber Clemens Brandstetter, liebe Grüne, liebe KPÖ, tut uns bitte den Gefallen und hört mit dem politischen Klein-Klein auf. Man muss aus der Praxis für Lösungen lernen, die halten. Genauso macht es Martin Hajart, dazu stehen wir auch als Fraktion und daher enthalten wir uns der Stimme. Danke.“

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  • GR Mag. Helge Langer, MA (Grüne) - Wortmeldung

    „Sehr geehrter Bürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren, liebe ÖVP, liebe Helena Ziegler, weil du ‚Klein-Klein‘ sagst - das Projekt ist nicht klein. Es steht tatsächlich für vieles in der Linzer und der oberösterreichischen Mobilitätspolitik. Gerade, was die von dir zitierte Wirkung und Verantwortung betrifft.

     

    Ich bin natürlich auch ideologisch motiviert, denn Ideologie heißt, dass ich gewisse Nor­men vertrete. In diesem Fall vertrete ich die Norm, dass die Linzerinnen und Linzer Le­bens­qualität, Sicherheit und Gesundheit verdient haben, bei gleichzeitiger Mög­lich­keit für Pendler*innen, Verkehrswege zu beschreiten.

     

    Wir müssen uns heute trotzdem entscheiden und stehen so gesehen an einem Scheide­weg. Wollen wir noch mehr Geld für Versuche ausgeben, die nicht ernst gemeint waren? Wollen wir noch mehr Geld für Straßenprojekte ausgeben, während gleichzeitig einfache, kos­ten­güns­tige und schnell umsetzbare Maßnahmen für den ‚Umweltverbund‘ da wären, die man stattdessen mit Ausreden torpediert? Darum geht es bei diesem Provisorium.

     

    Ich bin der Ansicht, dass man jene unterstützen sollte, die sich platzsparend, klima­freund­lich und sicher durch Linz bewegen wollen. Jede*r Radfahrer*in oder jede*r Fußgänger*in, bedeutet ein Auto weniger, das sich im Verkehr bewegt. Das hat auch Verkehrslandesrat Günther Steinkellner in einem Zitat so erkannt. Darum fordern wir vernunftbasiert - nicht rein ideologisch, sondern auch faktenbasiert - eine gründliche Evaluierung des tat­säch­li­chen Verkehrsflusses und eine ausreichende Testphase.

     

    Liebe ÖVP, ihr redet von einer Testphase, die nicht einmal zehn Tage dauert. Welches Ver­kehrs­pro­jekt, das sich professionell angegangen und begleitet nennen will, gibt es, das nach neun Tagen abgebrochen wird? (Beifall) Wo gibt es das? Es ist wirklich eine Frech­heit, so etwas zu behaupten. Die Leute in Linz werden an der Nase herumgeführt.

     

    Zur Frage Ideologie versus Sicherheit: Was ist mit der Sicherheit der Fußgänger*innen? Was ist mit der Sicherheit der Radfahrer*innen? Es ist reine Ideologie, die ihr da be­treibt. Die Sicherheit ist die, die ihr meint. Das ist die Sicherheit durch die Windschutzscheibe. Man könnte genauso sagen, das ist reine Ideologie. (Beifall)

     

    Eine der eigentlichen Ursachen für Verkehrsverzögerungen - und das ist jetzt nicht meine Er­fin­dung - ist unter anderem die nicht optimal abgestimmte Ampelleistung. Sie ist nicht behoben worden und es hat keine ernsthafte Anpassung der Ampelschaltung mit dem Ziel gegeben, dass alle Verkehrsteilnehmenden gut über die Kreuzung kommen.

     

    Ich komme jetzt zum Thema effektive Verkehrslenkung - zu viele PKWs und LKWs neh­men nachgewiesenermaßen immer wieder den direkten Weg über die Innenstadt, anstatt über die Donautalbrücke zu fahren und die Umfahrung zu nutzen. Das wissen wir auch. Es bedarf einer klaren Kommunikation und einer mutigen politischen Entscheidung zu­guns­ten einer sicheren Mobilität in der Stadt. Ist das ein Alleingang? Nein, es ist einfach eine Entscheidung, die wir im Sinne der Linzerinnen und Linzer treffen.

     

    Deshalb fordern wir ein neues, professionell begleitetes Provisorium auf der Westseite der Nibelungenbrücke. Verkehrspolitik darf sich nicht schon nach neun Tagen nach mo­men­ta­nen Stimmungen richten, sondern es muss Verantwortung übernommen werden. Aktuell steht die Nibelungenbrücke für Kapitulation, das sollte man bitte umdrehen. Ich bitte um Zu­stim­mung.“

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  • Bgm Dietmar Prammer (SPÖ) - Wortmeldung

    „Ich bin in den ver­gan­ge­nen Wo­chen und Monaten immer wieder von Bürgerinnen und Bür­gern und politisch Ver­ant­wortlichen mit dem Thema konfrontiert worden. Ich möchte da­mit beginnen, Gemeinderat Clemens Brandstetter für diesen Antrag Lob aus­zu­spre­chen. Die Analyse, wie es dazu gekommen ist und die Analyse der Varianten sind meines Er­ach­tens wirklich eine gute Zusammenfassung. Ich stimme dem in weiten Teilen zu, bis auf die letzte Seite, wo es um die Resolutionen geht. Dazu komme ich dann noch.

     

    Ebenso stimme ich der Analyse von Kollege Helge Langer zu. Er hat auch sehr klar for­mu­liert, woran es gescheitert ist. Auch, was es womöglich bräuchte, damit dieses Projekt ein Erfolg wird. Ich sehe das genau so. Ich habe immer Unbehagen gehabt und mich auch da­ge­gen ausgesprochen, dass vor allem Landesrat Steinkellner immer von einem Rad­weg­pro­vi­sorium gesprochen hat und das dann auch baulich so ausgeführt hat. Für uns war immer klar, wenn die Donautalbrücke eröffnet wird, kommen zwei Fahr­strei­fen auf der Nibelungenbrücke weg und diese werden für den Radverkehr zur Verfügung ge­stellt. Das steht im Mobilitätskonzept und im Radverkehrskonzept so drinnen.

     

    Kollege Steinkellner ließ dann aus der baulichen Umsetzung ein Provisorium machen, mit dem wir von Anfang an unglücklich waren. Die Radlobby - der Kollege sitzt auch gerade auf der Tribüne - hat dann gesagt, besser das als gar nichts. Natürlich hätte uns eine fixe In­stal­la­ti­on besser gefallen, diese wäre wohl auch zielführender gewesen. Kollege Stein­kell­ner wollte aber immer das Provisorium. Auch mit dem Ausblick, dass das Projekt da­durch zum Scheitern verurteilt ist und es wieder abgebaut werden kann. Das unterstelle ich ihm auch. Wir sind eigentlich immer davon ausgegangen, dass es eine fixe Lösung gibt, dann hätten wir meines Erachtens die ganze Problematik gar nicht gehabt. Meiner Ein­schät­zung nach war es so von vornherein zum Scheitern verurteilt.

     

    Ich komme jetzt zum Antrag selbst - zu diesen drei Punkten. Die sind entweder aktio­nis­tisch oder naiv. Jetzt zu fordern, dass wir zurück an den Start gehen und uns zu­sam­men­set­zen und Landesrat Steinkellner und den Landeshauptmann davon über­zeu­gen, wieder das Provisorium zu machen, wird nicht funktionieren. Auch nicht, wenn wir das mit fach­li­cher Begleitung tun, die Ampelschaltungen ein bisschen bes­ser machen und es mehr In­for­mation gibt, denn die Bürgerinnen und Bürger im Mühlviertel hätten ja keine be­kom­men. Das ist naiv oder aktionistisch, ich vermute fast das zweite.

     

    Deswegen ist dieser Antrag natürlich nicht von Erfolg gekrönt. Wir werden als SPÖ nicht zu­stim­men. Das würde zu keiner Lösung und keinem Ziel führen. Die Situation wird sich d­a­durch nicht auflösen. Ich versuche zielorientiert vorzugehen und habe mit dem Landes­haupt­mann und mit Vizebürgermeister Mag. Martin Hajart das Gespräch geführt, wie wir hier zu einer Lösung kommen können.

     

    Das wird natürlich nicht die Lösung sein, die wir uns gewünscht haben. Das wird auch nicht die schnelle Lösung sein, sondern eine, die wieder Zeit beansprucht. Da werden viele jetzt die Nase rümpfen und sagen, das kennen wir schon, da werden wieder Jahre ohne Lösung verstreichen. Ich sehe aber im Moment keine andere Möglichkeit, als das Ge­spräch mit den Verantwortlichen auf Landesebene zu suchen.

     

    Wir müssen hier ge­mein­sam mit Unterstützung von Expertinnen und Experten von Stadt und Land sowie externen Expert*innen eine Lö­sung finden und die Sachen aufzeigen, die auch Kollege Brand­stetter schon in seinem Antrag formuliert hat - was sind die Vor- und Nach­teile die­ser einzelnen Varianten, wie ist die Machbarkeit und was sind die finanziellen Aus­wir­kun­gen.

     

    Ich würde es wahrscheinlich begrüßen, eine Ana­lyse zu machen, was bei diesem Rad­weg­pro­visorium schiefgelaufen ist - wenn wir es so nen­nen wollen - und was wir für die Zu­kunft daraus lernen können. Es ist auch möglich, dass es vielleicht Alternativen gibt, die uns bis jetzt noch nicht eingefallen sind.

     

    Deswegen haben wir uns darauf verständigt, eine gemeinsame Expert*innengruppe zu in­stal­lie­ren, wo wir uns jetzt einmal als Politik raushalten. Die Expertinnen und Experten sollen hier frei von der Leber weg ihre Ideen einbringen und dann mit uns und den Gre­mien gemeinsam versuchen, in nächster Zeit zu einer Lösung zu kommen. So eine würde na­tür­lich auch hier vorgestellt werden.

     

    Mir ist klar, dass das nicht die schnelle Lösung sein wird, aber es braucht eine vernünftige Lö­sung. Das geht nur dann, wenn Stadt und Land gemeinsam an einem Strang ziehen. Mit diesem Antrag ist das sicher nicht der Fall.“

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  • GR Clemens Brandstetter - Berichterstattung

    „Sehr geehrte Damen und Herren, danke für die Beiträge. Ich versuche jetzt darauf ein­zu­ge­hen. Als erstes möchte ich mich bei der Fraktion LinzPlus für die Unterstützung be­dan­ken und dafür, dass ihr immer wieder in der Öffentlichkeit argumentiert, warum etwas gut und etwas nicht gut ist. Auch dafür, dass ihr für das Radfahren in Linz, im urbanen Raum, eintretet. Das finde ich wichtig und das könnten auch andere noch mehr ma­chen.

     

    Lieber Michi Roth-Schmida, danke auch für deine Zustimmung. Ich hatte den Eindruck, dass die Art und Weise, wie es gemacht war, nicht sehr professionell gemacht war. Als Lö­sung hätte man vielleicht Expert*innen hinzuziehen können, um das besser auf­zu­set­zen. Danke lieber Helge Langer, für die sehr ausführlichen und technischen Begleitungen und die wich­tigen Punkte, die du erwähnst.

     

    In Richtung ÖVP möchte ich manches wiederholen, das zum Teil von Herrn Bürgermeister schon gesagt worden ist. Das erste Argument betrifft die Umdeutung. Es war klar, dass wir auf beiden Seiten der Nibelungenbrücke einen Zweirichtungsradweg haben wollten. Das ist den Linzer*innen versprochen worden. Ich finde es wichtig, dass man Ver­spre­chun­gen einhält und sie nicht, wenn es einem gerade passt, über Bord wirft.

     

    Ich möchte auch hinzufügen, dass dieses Projekt zum Teil gescheitert ist, weil man es - Kol­le­ge Langer hat es schon gesagt - nicht geschafft hat, den Schwerverkehr um­zu­len­ken. Das ist ein wesentliches Problem. So zu tun, als wäre in diesem Projekt alles perfekt gelaufen, halte ich für eine ein bisschen unredliche Vorgehensweise.

     

    Dann möchte ich noch hinzufügen, dass der oberwasserseitige Radweg ganz besonders für Menschen, die in Urfahr-West wohnen, sehr wichtig ist. Jede andere Lösung bedeutet riesige Umwege. Es war auch die einzige Lösung, damit man nicht in den Mischverkehr hi­nein­muss. Denn das ist, wenn man zum Beispiel mit Kindern unterwegs ist, ein we­sent­li­cher Sicherheitsfaktor.

     

    Man kann Fehler machen, aber bei den Aussagen, die dann gekommen sind, bin ich emo­ti­o­nal geworden. Da wurde behauptet, dass man alles versucht hat, aber zum Beispiel Pol­ler, abgeschrägte Straßenbahngleise oder bessere Ampel­schal­tun­gen werden nicht er­wähnt. Da gibt es viele Details, wo diese Aussagen nicht richtig sind, das habe ich im Um­gang nicht gut gefunden. Ich halte es einfach für keine sehr gute politische Kultur, wenn man im Nachhinein versucht, alternative Lösungen vorzuschlagen, wie Anbauten zu machen. Das sind nur Nebelgranaten.

     

    Es ist Fakt, dass wir in Linz konsequent etwas für die Sicherheit der Radfahrer*innen tun werden und müssen. Ich hoffe, dass die SPÖ hier alles, was sie kann, hineinlegt, und dass Herr Verkehrsstadtrat zu einer Lösung kommt und man das gemeinsam schafft. Ich bitte darum.“

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Abstimmungsergebnis zu L22

Der Antrag wurde mehrstimmig abgelehnt.
Stimmenthaltung: SPÖ, ÖVP, NEOS, GRin Schachner (ehem. MFG)
Gegenstimme: FPÖ
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