Wortprotokoll-Auszug der 31. Gemeinderatssitzung am 3.7.2025

Tagesordnung der 31. Gemeinderatssitzung
Tagesordnungspunkt B
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Sitzungen des Gemeinderates

B1.4. Anfrage von Gemeinderat Mag. Georg Redlhammer an Vizebürgermeister Mag. Martin Hajart, MBA zum Thema Datengrundlagen und digitale Modelle bei verkehrspolitischen Entscheidungen – Beispiel Nibelungenbrücke und Mauthausener Brücke

  • GR Mag. Georg Redlhammer (NEOS) - Wortmeldung

    „Sehr geehrter Herr Stadtrat Martin Hajart, die temporäre Einrichtung und rasche Aufhe­bung eines Radfahrstreifens auf der Nibelungenbrücke im Frühjahr 2025 hat in der Stadt eine intensive Diskussion ausgelöst, insbesondere die Beendigung der Testphase nach nur wenigen Tagen. Neben dem konkreten Fall werfen solche Maßnahmen generelle Fra­gen zur Entscheidungsfindung, zu den verwendeten Datenquellen, zur digitalen Mo­del­lie­rung und zur institutionellen Zusammenarbeit in der Verkehrsplanung auf. So wird auch die geplante Sperre der Mauthausner Bücke direkten Einfluss auf die Verkehrsströme der Stadt Linz haben. Im Sinne einer faktenbasierten, zukunftsorientierten und trans­pa­ren­ten Stadtentwicklung ersuche ich um Beantwortung folgender Fragen:

     

    1. Welche Datengrundlagen wurden vor der Entscheidung zur temporären Umwidmung der Fahrspur auf der Nibelungenbrücke herangezogen?

    1.1.           Welche Zahlen und Statistiken existieren zu den KFZ-Verkehrsströmen, auf­ge­schlüsselt nach Tageszeiten, Wochentagen, Monaten und Fahrt­rich­tun­gen?

    1.2.           Wie werden die verwendeten Zähldaten konkret erhoben (zum Beispiel manuell, sen­sor­basiert, KI-gestützt) und in welchen Intervallen/Zeiträumen in den letzten 12 Monaten?

    1.3.           Die Radverkehrsströme auf der Brücke werden als Zähldaten monatlich ver­öf­fen­tlicht. Wichtig ist den Fahrradverkehr zu den Stoßzeiten zu wissen. Wer­den diese detaillierten Daten zu den Stoßzeiten am Morgen und Nachmittag (6:30-9:30 Uhr und 15:30-18:30 Uhr) differenziert nach Wochentagen und Richtungen erhoben?

    1.4.           Wenn ja, in welchen Intervallen und Zeiträumen in den letzten 12 Monaten?

    1.5.           Wenn ja, ersuche ich diese Daten im genannten Zeitraum, dem Gemeinderat zur Verfügung zu stellen.

     

    2. Wurden bei der temporären Umwidmung der Fahrspur auf der Nibelungenbrücke mo­der­ne Simulationsmodelle eingesetzt (zum Beispiel mikroskopische Verkehrssimulationen, KI-ge­stütz­te Modellierungen)?

     

    3. Gibt es in der Verkehrsplanung der Stadt Linz die Nutzung eines digitalen Zwillings oder ähnlicher digitaler Planungsinstrumente?

    3.1.           Wenn ja: Wie aktuell sind diese Modelle, auf welchen Datensätzen basieren sie und wer ist für deren Anwendung verantwortlich?

    3.2.           Wenn nein: Warum verzichtet die Stadt Linz auf solche international eta­blier­ten Werkzeuge? Sind solche Werkzeuge in Planung?

     

    4. In welchem Umfang wurden bei der temporären Umwidmung der Fahrspur auf der Ni­be­lun­genbrücke externe Expertisen, wissenschaftliche Studien oder universitäre Ko­o­pe­ra­tionen beigezogen? Bitte benennen Sie diese.

     

    5. Wie werden Zielkonflikte - etwa zwischen flüssigem KFZ-Verkehr und der Förderung des Rad­ver­kehrs - systematisch bewertet und dokumentiert?

    5.1.           Gibt es regelmäßigen Austausch mit Interessensvertretungen, wie der Rad­lobby oder Autofahrerklubs?

     

    6. Welche konkreten Daten liegen für die Verkehrsnutzung der neuen Donautalbrücke vor?

    1.1.           Welche Zahlen und Statistiken existieren zu den KFZ-Verkehrsströmen – aufgeschlüsselt nach Tageszeiten, Wochentagen, Monaten und Fahrtrichtungen? Bitte um die Daten seit Eröffnung der Brücke.

    1.2.           Wie werden diese Daten mit Sensoren täglich erhoben?

    1.3.           Wenn Nein, wie werden die Daten und in welchen Zeiträumen laufend erhoben?

     

    7. Wie wirken sich die Ampelschaltungen auf den Verkehrsfluss im Bereich der Nibelungenbrücke und ihrer Zubringer aus - insbesondere zu den Hauptverkehrszeiten?

    7.1.  Welche Schaltphasen, Frequenzen und Steuerungslogiken gelten aktuell für fol­gen­de Ampelanlagen:

    7.1.1. Rudolfstraße stadteinwärts (von Puchenau kommend) bis zur Ni­be­lun­genbrücke

    7.1.2. Einmündung Nibelungenbrücke (von Urfahr kommend): Links­ab­bie­ger, Rechtsabbieger (Obere Donaulände).

    7.1.3. Römerbergtunnel stadtauswärts Richtung Obere Donaulände: Links­ab­bie­ger, Rechtsabbieger

    7.2.  Welche Steuerungssysteme kommen zum Einsatz (zum Beispiel feste Zeiten, ver­kehrs­ab­hängig, adaptive Steuerung)?

    7.3.  Wie unterscheiden sich die Programme zu den Stoßzeiten (6:30-9:30 Uhr und 15:30-18:30 Uhr) gegenüber Nebenzeiten?

    7.4.  Gibt es an Wochenenden abweichende Schaltlogiken?

    7.5.  Gab es während der Testphase des Radstreifens Anpassungen an den Am­pel­schal­tungen? Wenn ja, wie sahen diese Anpassungen aus?

    7.6.  Werden diese Schaltungen regelmäßig hinsichtlich Effizienz und Stauwirkung evaluiert? Auf welcher Datenbasis?

     

    8. Wie ist die Zusammenarbeit mit dem Land Oberösterreich im Bereich Verkehrsdaten und -planung organisiert?

    8.1.  In welchem Ausmaß erfolgt ein Datenaustausch zwischen Stadt Linz und Land Oberösterreich (zum Beispiel bei Verkehrszählungen, Simulationen, Pla­nun­gen)?

    8.2.  Wer ist für welche Zählungen oder Datenerhebungen im Bereich der Do­nau­tal­brücke, Römerbergtunnel, Nibelungenbrücke und Rudolfstraße zu­stän­dig - auf Stadt- und Landesebene?

    8.3.  Wie werden diese Daten koordiniert, zusammengeführt oder gemeinsam ver­wen­det?

     

    9. Welche Berechnungen, Modelle oder Simulationen liegen der Stadt Linz im Hinblick auf die geplante Sanierung beziehungsweise dreimonatige Sperre der Mauthausner Brücke vor?

    9.1.  Gibt es Prognosen und Simulationen über die Auswirkungen auf das Ver­kehrs­auf­kommen in Linz – insbesondere im Bereich der Donaubrücken, der Stadt­ein­fahrten und der Hauptachsen, sowie des Tunnels Bindermichl?

    9.2.  Wenn ja, bitte geben sie an welche und teilen sie die Erkenntnisse daraus mit dem Gemeinderat.

    9.3.  Welche Umleitungsstrategien oder Entlastungsmaßnahmen wurden bereits an­ge­dacht oder simuliert?

    9.4.  Wurden diese Analysen gemeinsam mit dem Land Oberösterreich oder be­nach­bar­ten Gemeinden abgestimmt?

     

    Ich ersuche um die Beantwortung im Rahmen der nächsten Gemeinderatssitzung. Vielen Dank.“

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  • Vbgm Mag. Martin Hajart, MBA (ÖVP) - Berichterstattung

    „Hier wurde wie immer eine Überprüfung der Zulässigkeit vom Präsidium vorgenommen, bei der nur die Fragen 1.1 bis 1.5, die Fragen 3, 3.1 und 3.2, die Fragen 5 und 5.1, die Fra­gen 6, 6.1 bis 6.3, die Fragen 7, 7.1 bis 7.6, die Fragen 8, 8.1 bis 8.3 und die Fragen 9, 9.1 bis 9.4 bestätigt wurden. Die Frage 9 und sämtliche Unterfragen sind nur insofern zu beantworten, als der Mobilitätsplanung entsprechende Informationen vorliegen.

     

    Zu 1.1.: Die KFZ-Verkehrsströme auf der Nibelungenbrücke werden für beide Fahrt­rich­tun­gen kontinuierlich als Dauerzielstelle gemessen, ebenso wie die Ab­bie­ge­strö­me an der be­nach­barten Ampelanlage. Die gewonnenen Daten können je nach Be­darf, nach Ta­ges­zei­ten, Wochentagen, Monaten und so weiter ausgewertet werden.

     

    Zu 1.2.: Die Dauerzielstelle Nibelungenbrücke besteht seit Jänner 2024 aus zwei Ther­mo­ka­meras mit Künstlicher Intelligenz (KI), die Art und Richtung des Verkehrsobjekts er­ken­nen und minutengenau wei­ter­ge­ben. Die Lichtsignalanlagen-Sensorik umfasst seit Jänner 2023 Fahrzeuge mittels Erd­mag­net­feld-Bodensensoren in 15-Minutenintervallen.

     

    Zu 1.3. und 1.4.: Die Radverkehrsströme werden kontinuierlich im Minutenintervall er­ho­ben.

     

    Zu 1.5.: Auswertungen von Zähldaten können über die Abteilung Mobilitätsplanung an­ge­for­dert werden. Im Übrigen - das ist wahrscheinlich bekannt - gibt es ein Dashboard, wel­ches online seit längerer Zeit abrufbar ist. Vielleicht ist das auch bald den NEOS bekannt.

     

    Zu 3.: In der Stadt Linz wird für großräumige Untersuchungen ein digitales Verkehrsmodell - eine Makromodellierung - verwendet, welches ein vertiefter Teilausschnitt des Verkehrs­mo­dells des Landes Oberösterreich ist. Für kleinräumige Untersuchungen ist es ein Ins­tru­ment der Mikrosimulation.

     

    Zu 3.1.: Das Verkehrsmodell wird von der Abteilung Mobilitätsplanung betrieben. Es ba­siert straßennetztechnisch auf der österreichischen Graphenintegrations-Plattform (GIP) und ist somit aktuell. Die dahinterliegende Verkehrsnachfrage - eine Quelle-Ziel-Be­zie­hung - ist aus dem Jahr 2012. Derzeit wird vom Land Oberösterreich auf Basis der Haus­halts­be­fragung 2022 eine neue Verkehrsnachfrage erstellt, die voraus­sicht­lich 2026 für die Stadt Linz zur Verfügung stehen wird.

     

    Zu 3.2.: Diese Frage ist nicht relevant, da ein digitales Planungsinstrument verwendet wird.

    Zu 5.: Ausgehend von vorgegebenen Zielen werden Maßnahmen entwickelt, analysiert und mögliche Zielkonflikte definiert. Je nach verkehrspolitischen Vorgaben erfolgt eine Be­wer­tung der Zielkonflikte. Zu berücksichtigen sind hierbei in erster Linie stets die recht­li­chen Rahmenbedingungen und die einschlägigen Richtlinien.

     

    Zu 5.1.: Es gibt quartalsmäßig Treffen mit der Radlobby und je nach Bedarf mit anderen In­ter­essens­vertretungen.

     

    Zu 6. und 6.1.: Punktuell liegen der Stadt Linz durchschnittliche Werktagswerte je Ka­len­der­wo­che vor. Bei Bedarf können Daten über das Land Oberösterreich bei der ASFINAG be­zo­gen werden.

     

    Zu 6.2.: Die Datenerhebung erfolgt durch die ASFINAG. Auf welche Weise diese Daten mit Sensoren erhoben werden, ist allerdings nicht bekannt.

     

    Zu 6.3.: Diese Frage ist nicht relevant, da Daten täglich erhoben werden.

     

    Zu 7.: Die Kreuzung Nibelungenbrücke/Hauptplatz ist eine der meistfrequentierten in Linz. Die Ampelschaltung trägt dazu bei, dass die Verkehrsströme sicher und geordnet pas­sie­ren können. Besondere Beachtung hat in diesem Knoten die Straßenbahn, die hier kla­rer­wei­se bevorzugt behandelt wird, um die hohen Fahrfrequenzen in den Spit­zen­ver­kehrs­zei­ten bewältigen zu können.

     

    Zu 7.1.1.: Die Verkehrslichtsignalanlage (VLSA) an der Kreuzung mit der Hagenstraße hat einen zweiphasigen Ablauf mit einer Umlaufzeit von 80 Sekunden. Für das Links­ab­bie­gen in die Landgutstraße wird bei Rückstau über Sensoren die unvollständige VLSA ak­ti­viert, wodurch ein Sonderprogramm mit dreiphasigem Umlauf gestartet wird.

     

    Die VLSA an der Kreuzung mit der Mühlkreisbahnstraße hat einen zweiphasigen Ablauf mit einer Umlaufzeit von 80 Sekunden. Die VLSA am Hinsenkampplatz hat einen zwei­pha­si­gen Ablauf mit einer Umlaufzeit von 80 Sekunden am Tag und 60 Sekunden in der Nacht. Die Straßenbahn wird an dieser VLSA bevorzugt behandelt und kann ihr Frei­ga­be­fens­ter dehnen, sowie die Grünzeiten, der mit ihr in Konflikt stehenden Verkehrsströme kürzen.

     

    Das ist nur ein kleiner Auszug aus der Thematik der Verkehrslichtsignalanlagen. Wenn es näheres Interesse gibt, kann ich auch gerne vermitteln. Das ist wirklich sehr interessant, aber auch sehr komplex.

     

    Zu 7.1.2.: Die VLSA an der Nibelungenbrücke/Hauptplatz hat einen dreiphasigen Ablauf mit einer Umlaufzeit von 80 Sekunden. An dieser Kreuzung wird die Straßenbahn be­vor­zugt behandelt und kann in jedem Umlauf ein zweites Freigabefenster anfordern.

     

    Zu 7.1.3.: Die VLSA an der Ausfahrt vom Römerbergtunnel Richtung Obere Donaulände hat einen dreiphasigen Ablauf mit einer Umlaufzeit von 80 Sekunden. An dieser Kreuzung sind Sensoren zur Zeitlückenmessung angebracht. Je nach Tageszeit und Verkehrs­auf­kom­men werden die einzelnen Richtungen verkehrsabhängig bis zu einem Maximalwert ver­län­gert.

     

    Zu 7.2.: Die Frage nach Steuerungssystemen ist bereits in Frage 7.1. der Steu­erungs­lo­gi­ken enthalten und wurde bereits unter diesem Fragepunkt beantwortet.

     

    Zu 7.3.: Grundsätzlich gibt es unterschiedliche Programme für die Morgenspitzen, die Ta­ges­spitzen, die Abendspitzen und den Nachtverkehr. Inwieweit und wie sich die Pro­gram­me voneinander unterscheiden, hängt von der jeweiligen Verkehrsbelastung am Knoten und den spezifischen Anforderungen ab. Bei jeder Ampelplanung wird die Leis­tungs­fä­hig­keit zu unterschiedlichen Tageszeiten berechnet.

     

    Zu 7.4.: Die Laufzeiten der einzelnen Programme sind, abhängig vom Ver­kehrs­auf­kom­men, an Wochenenden in der Regel anders festgelegt als unter der Woche. Zudem wer­den in verkehrsschwachen Zeiten verkehrsabhängige Eingriffe in Programme seltener an­ge­for­dert.

     

    Zu 7.5.: Es gab eine Grünzeitverlängerung für die Rechtsabbieger*innen von der Ni­be­lun­gen­brücke. Weitere Anpassungen wurden nicht vorgenommen, da jeder Eingriff längere War­te­zeiten für die Straßenbahn zur Folge gehabt hätte, wodurch die Einhaltung der Fahr­plä­ne in den Hauptverkehrszeiten gefährdet gewesen wäre.

     

    Zu 7.6.: Ampelschaltungen werden regelmäßig, vor allem aber nach Pro­gramm­än­de­run­gen evaluiert. Dies geschieht unter anderem auch durch die Verkehrsbeobachtung vor Ort, durch Staulängenerfassungen, Vorher-Nachher-Vergleiche, Analysen von Unfällen und Auswertungen automatischer Zähldaten - soweit vorhanden.

     

    Zu 8. und 8.1.: Die Zusammenarbeit mit dem Land Oberösterreich im Bereich der Ver­kehrs­pla­nung erfolgt projektbezogen. Der Datenaustausch geschieht über veröffentlichte Daten wie doris.at, data.gv.at und so weiter. Anlassbezogen erfolgt er auch auf per­sön­li­ches Ersuchen beziehungsweise systematisiert in projektmäßiger Zusammenarbeit. Bei über­grei­fen­den Planungen werden Datenquellen, Modelle und Simulationen geteilt.

     

    Zu 8.2.: Die Zuständigkeit für Zählungen auf der Donautalbrücke liegt bei der ASFINAG. Auf der Nibelungenbrücke, der Oberen Donaulände und der Rudolfstraße ist das Land Ober­ös­ter­reich zuständig, wobei die Zählung auf der Nibelungenbrücke operativ durch die Stadt Linz durchgeführt wird.

     

    Zu 8.3.: Diese Frage wurde bereits unter 8.1. beantwortet.

     

    Zu 9.: Die Zuständigkeit für die neue Donaubrücke Mauthausen liegt beim Land Ober­ös­ter­reich und beim Land Niederösterreich. Der Mobilitätsplanung der Stadt Linz liegen der­zeit keine Informationen zu Berechnungen im Hinblick auf die geplante Sperre und Um­lei­tungs­konzepte vor.“

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Abstimmungsergebnis zu B1.4

Die Anfrage wurde im Gemeinderat am 25. September 2025 mündlich beantwortet.
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