Medienservice vom: 14.09.2026 |Fotos zur Meldung

50 Milliarden Liter Niederschlagsdefizit in Linz Schwere Dürre belastet Stadtbäche und Natur seit Monaten

  • Bibertechnik schafft Rückzugsräume für Fische und hält Wasser länger in den Gewässern

Linz erlebt 2026 eine ausgeprägte Trockenperiode. In fünf Monaten des bisherigen Jahres fiel deutlich weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel. Betroffen waren Jänner, März, April, Mai und Juli. Nur der Februar brachte eine überdurchschnittliche Niederschlagssumme. Im Juni lagen die Werte in Teilen des Stadtgebiets knapp über dem langjährigen Mittel, über das gesamte Stadtgebiet betrachtet fiel aber auch in diesem Monat zu wenig Regen. Das Niederschlagsdefizit seit Jahresbeginn summiert sich auf etwa 50 Milliarden Liter. Diese Wassermenge entspricht rund dem 100-fachen Volumen des Pleschinger Sees.

Die Folgen zeigen sich besonders deutlich an den Linzer Bächen. Der Dürreindex SPEI berücksichtigt neben dem Niederschlag auch den klimatisch bedingten Wasserverlust durch Verdunstung. Über einen Zeitraum von knapp vier Monaten erreicht Linz die Einstufung einer schweren Dürre. Fallweise lag der Wert knapp an der Grenze zur extremen Dürre. Niedrige Pegelstände, hohe Wassertemperaturen und ausgetrocknete Abschnitte der Urfahraner Bäche machen diese Entwicklung sichtbar.

Gleichzeitig zeigen Maßnahmen am Haselbach und am Urfahraner Sammelgerinne, wie naturbasierte Klimawandelanpassung die Auswirkungen einer Dürre abschwächen kann. Das Beaver Lab setzt dort gemeinsam mit städtischen Fachbereichen sogenannte Beaver Dam Analogs ein. 21 dieser Biberdammimitate wurden bisher erprobt. Gemeinsam mit den Dämmen der dort lebenden Biber halten sie Wasser länger im Gewässersystem. Auf einer Strecke von 1,5 Kilometern am Sammelgerinne blieben dadurch Wasserflächen und Rückzugsräume für Fische und andere Wasserlebewesen erhalten, während andere Bachabschnitte bereits trockenfielen.

„Neben der Hitze macht uns die Trockenheit auch in Linz immer mehr zu schaffen. Seit Jahresbeginn fehlen etwa 50 Milliarden Liter Niederschlag. Das entspricht rund 100 Pleschinger Seen. Diese Entwicklung hinterlässt deutliche Spuren in unserer Stadtnatur und an unseren Bächen. Wir müssen uns darauf einstellen, dass längere Hitze- und Trockenphasen künftig häufiger auftreten. Deshalb passen wir Linz Schritt für Schritt an diese veränderten Bedingungen an. Begrünung, zusätzliche Bäume, Trinkbrunnen und Hitzeschutz gehören ebenso dazu wie der Schutz unserer Gewässer. Das Projekt an den Urfahraner Bächen zeigt, dass auch gezielte naturbasierte Maßnahmen einen wichtigen Beitrag leisten können. Die Biberdammimitate halten Wasser länger zurück und schaffen wertvolle Rückzugsräume für Tiere. Gleichzeitig sehen wir klar, dass solche Maßnahmen Grenzen haben, wenn über längere Zeit kaum Niederschlag fällt“, betont Umweltstadträtin Mag.a Eva Schobesberger.

„Die Trockenheit zeigt sehr konkret, warum Klimawandelanpassung auch eine Frage vorausschauender Investitionen und kluger Innovation ist. Mit dem städtischen Klimafonds unterstützen wir Projekte, die neue Lösungen unter realen Bedingungen erproben und deren Wirkung nachvollziehbar machen. Bei den Beaver Dam Analogs verbindet sich dieses Prinzip mit einer vergleichsweise einfachen und naturbasierten Technik. Die Erfahrungen aus dem Projekt liefern Wissen darüber, wie wir Wasser länger in unseren Gewässersystemen halten und Lebensräume während Trockenperioden stabilisieren können. Solche Projekte helfen uns, konkrete Antworten auf die Folgen des Klimawandels zu entwickeln. Entscheidend ist, erfolgreiche Ansätze fachlich zu evaluieren und die gewonnenen Erkenntnisse für weitere Maßnahmen nutzbar zu machen“, unterstreicht Stadtrat Thomas Gegenhuber.

Fünf Monate mit deutlich zu wenig Niederschlag

Die Niederschlagsbilanz für Linz zeigt 2026 ein klares Defizit. Im Jänner, März, April, Mai und Juli fiel deutlich weniger Regen als im langjährigen Mittel. Der Februar bildet die Ausnahme und brachte überdurchschnittliche Niederschlagsmengen. Im Juni lagen die Werte nur in Teilen von Linz knapp über dem langjährigen Mittel. Über das gesamte Stadtgebiet betrachtet blieb auch dieser Monat zu trocken.

Die Stadtklimatologie beziffert das Niederschlagsdefizit seit Jahresbeginn mit etwa 50 Milliarden Litern. Als Berechnungsgrundlage dienen Daten aus dem SPARTACUS-v3-Datensatz von GeoSphere Austria. Zur Einordnung entspricht diese Menge rund dem 100-fachen Wasservolumen des Pleschinger Sees.

Die reine Niederschlagsmenge beschreibt die Belastung nur zum Teil. Hohe Temperaturen, starke Sonneneinstrahlung, Wind und geringe Luftfeuchtigkeit erhöhen zusätzlich die Verdunstung. Während längerer Hitzeperioden verschärft dieser Wasserverlust die Folgen geringer Niederschlagsmengen.

Urfahraner Bäche unter starkem Trockenstress

Bereits 2024 zeigten die Urfahraner Bäche, wie verletzlich kleinere Fließgewässer während langer Hitze- und Trockenperioden sind. Ende August 2024 trockneten Teile der Bäche aus. Am Haselbach lag der Pegelstand bei der Messstelle Asberg bei 17 Zentimetern. Auf Höhe der Freistädter Straße war kein Gerinneabfluss mehr vorhanden.

Die Situation erforderte unmittelbare Hilfe. Anrainer*innen beteiligten sich an der Rettung von Fischen. Die Berufsfeuerwehr Linz leitete als Notmaßnahme Wasser in den Haselbach ein.

Aus diesen Erfahrungen entstanden Überlegungen, wie sich die Urfahraner Bäche besser auf lange Trockenphasen vorbereiten lassen. Beaver Lab, die Naturkundliche Station und der städtische Fachbereich Wasserbau entwickelten daraus das Projekt mit Beaver Dam Analogs. Der Linzer Gemeinderat beschloss im Dezember 2025 die Förderung mit Mitteln des städtischen Klimafonds.

Das Projekt verfolgt einen naturbasierten Ansatz. Beaver Dam Analogs ahmen die Funktion von Biberdämmen nach. Die Strukturen bremsen den Wasserabfluss und halten vorhandenes Wasser länger im Gewässersystem. Gleichzeitig entstehen tiefere Bereiche und Tümpel, die bei sinkenden Wasserständen als Rückzugsräume für Fische und andere Wasserlebewesen dienen.

Die Maßnahmen konzentrieren sich auf einen mehr als fünf Kilometer langen Abschnitt der Urfahraner Stadtbäche. Neben dem Schutz vor Austrocknung stehen Wasserrückhalt und Biodiversität im Mittelpunkt. Begleitend werden Fischfauna, Durchwanderbarkeit, Rückzugsräume und Wassertemperaturen untersucht.

Die Urfahraner Bäche am (anhaltenden) Höhepunkt der extremen Trockenheit.

Die Urfahraner Bäche am (anhaltenden) Höhepunkt der extremen Trockenheit.

21 Biberdammimitate halten Wasser zurück

Seit 2024 arbeitet Beaver Lab gemeinsam mit dem städtischen Wasserbau, der Abteilung Botanischer Garten und Naturkundliche Station, der Abteilung Wasserwirtschaft, Hedda Malicky vom Wiesennetz Univiertel sowie dem Gewässerökologiebüro blattfisch an der naturnahen Gewässerentwicklung.

Insgesamt kamen bisher 21 Beaver Dam Analogs zum Einsatz. Die Biberdammimitate ergänzen die Arbeit der Biber, die am Urfahraner Sammelgerinne leben und dort selbst Dämme errichten.

Die Wirkung wird während der extremen Trockenheit 2026 besonders deutlich. Der Diesenleitenbach trocknete zuerst im Unterlauf aus. Auch am Haselbach fiel später ein erheblicher Teil des Unterlaufs trocken. Kleine Maßnahmen im Bereich des Baumgärtelparks verzögerten diese Entwicklung um ein bis zwei Wochen.

Nur der Höllmühlbach führte schließlich weiterhin eine geringe Wassermenge in Richtung Urfahraner Sammelgerinne. Dort trifft das Wasser auf eine Kaskade aus natürlichen Biberdämmen und Beaver Dam Analogs. Seit Mai halten diese dynamischen und durchlässigen Strukturen das vorhandene Wasser zurück.

Geringer Wasserstand beim Höllmühlbach.

Geringer Wasserstand beim Höllmühlbach.

Auf einer Strecke von 1,5 Kilometern am Sammelgerinne konnten dadurch wasserführende Bereiche und Rückzugsräume erhalten werden, während Abschnitte bachaufwärts und bachabwärts bereits ausgetrocknet waren. Hunderte Fische aus trockengefallenen Bachabschnitten konnten in diese Rückzugsräume übersiedelt werden. Eine Gruppe engagierter junger Menschen unterstützte die Fischrettungen über mehrere Tage.

Rückzugsräume verschaffen der Gewässerfauna Zeit

Die Erfahrungen aus den Teststrecken zeigen, dass Beaver Dam Analogs das Trockenfallen einzelner Bereiche um mehrere Wochen verzögern können. Ende Mai wurde am Haselbach erstmals ein Niederwasserstand von 17 Zentimetern gemessen. Die erste Meldung über eine ausgetrocknete Gerinnestrecke am Diesenleitenbach beziehungsweise am Beginn des Sammelgerinnes folgte erst Anfang Juli.

Diese Verzögerung kann für Fische und andere Wasserlebewesen entscheidend sein. Sinkt der Wasserstand schrittweise, können sich Tiere in tiefere Bereiche und verbleibende Tümpel zurückziehen. Die natürlichen und künstlich unterstützten Dammstrukturen schaffen solche Refugien und erhöhen damit die Überlebenschancen während längerer Trockenperioden.

Die Methode hat zugleich klare Grenzen. Beaver Dam Analogs können vorhandenes Wasser zurückhalten und dessen Abfluss verlangsamen, aber kein zusätzliches Wasser erzeugen. Bei langanhaltender Dürre steigt durch hohe Temperaturen die Verdunstung, während nur geringe Niederschlagsmengen für neuen Zufluss sorgen.

Übersteigt der Wasserverlust dauerhaft den Zufluss, nimmt auch die Wirkung der Rückhaltemaßnahmen ab. So trocknete zuerst der Diesenleitenbach (ohne BDAs) aus, später der Haselbach (mit nur 3 BDAs im Bereich des Baumgärtelparks) – in der Kernzone am Sammelgerinne (mit vielen BDAs, Biberdämmen und laufenden Anpassungen der Maßnahmen) befand sich hingegen durchgehend noch Wasser.

Pegelstände seit dem Frühjahr auf sehr niedrigem Niveau

Die Messwerte am Haselbach dokumentieren die außergewöhnliche Situation. Am 11. März 2026 registrierte die Messstelle Asberg am Haselgraben einen Mittelwasserstand von 26 Zentimetern. Seit Ende April liegen die Pegelstände fast durchgehend unter 20 Zentimetern.

Der Haselbach erreichte seit März nur an einem Tag die Mittelwassermarke. Die Gewässer gingen damit bereits mit einem deutlichen Defizit in die warme Jahreszeit. Die sommerliche Hitze verschärfte die Lage zusätzlich. Hohe Luft- und Wassertemperaturen steigerten die Verdunstung, während Niederschläge fehlten.

Die Pegelentwicklung deckt sich mit den sichtbaren Folgen: Der Unterlauf des Diesenleitenbachs trocknete zuerst aus, später waren auch erhebliche Teile des Haselbach-Unterlaufs betroffen.

Ausgetrockneter Haselbach am Baumgärtlpark.

Ausgetrockneter Haselbach am Baumgärtlpark.

Naturbasierte Anpassung an längere Trockenphasen

Die Trockenheit 2026 zeigt, dass Klimawandelanpassung unterschiedliche Bereiche der Stadt betrifft. Hohe Temperaturen und fehlender Niederschlag setzen Menschen ebenso wie Bäume, Grünflächen und Gewässer unter Druck.

Die Stadt Linz setzt deshalb auf verschiedene Maßnahmen zur Anpassung an Hitze und Trockenheit. Dazu zählen Begrünungsmaßnahmen, die Baumoffensive und der Ausbau kostenloser Trinkbrunnen. Mit cooleslinz.at wurde auch ein Hitzeschutzplan in Kraft gesetzt.
An den Urfahraner Bächen ergänzt die naturbasierte Gewässerentwicklung diese Maßnahmen. Beaver Dam Analogs orientieren sich an der Wirkung natürlicher Biberdämme. Die Konstruktionen bleiben dynamisch und wasserdurchlässig. Sie bremsen den Abfluss, ohne einen Bach vollständig abzuriegeln, und unterstützen die Entstehung unterschiedlich tiefer Wasserbereiche.

Der städtische Klimafonds unterstützt das Projekt. Der Gemeinderat beschloss die Förderung im Dezember 2025. Die fachliche Begleitung untersucht, welche Wirkung die Eingriffe auf Fischfauna, Wassertemperaturen, Durchwanderbarkeit und Rückzugsräume haben.

Die extreme Trockenperiode 2026 stellt die Maßnahmen unter besonders schwierigen Bedingungen auf die Probe. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass Wasserrückhalt und Rückzugsräume in den Testbereichen länger erhalten werden können. Gleichzeitig werden die Grenzen dieser Maßnahmen sichtbar. Die gewonnenen Erkenntnisse bilden eine Grundlage, um naturbasierte Lösungen für die Klimawandelanpassung weiterzuentwickeln.

SPEI macht Niederschlag und Verdunstung vergleichbar

Für die Bewertung einer Dürre reicht der Blick auf den Niederschlag allein nicht aus. Der Standardized Precipitation Evapotranspiration Index, kurz SPEI, berücksichtigt deshalb sowohl den Niederschlag als auch die potenzielle Verdunstung. Er beschreibt, wie stark die Wasserverfügbarkeit von den üblichen Bedingungen abweicht.

Temperatur, Sonneneinstrahlung, Wind und Luftfeuchtigkeit beeinflussen die Verdunstung. Dadurch kann die Wasserverfügbarkeit auch bei einzelnen Regenereignissen niedrig bleiben.

Werte von minus 0,99 bis 0,99 gelten als nahe am Normalbereich. Zwischen minus 1,0 und minus 1,49 liegt eine mäßige Dürre vor. Werte zwischen minus 1,5 und minus 1,99 entsprechen einer schweren Dürre. Ab minus 2,0 spricht die Einstufung von extremer Dürre.

Für Linz zeigt die Betrachtung über knapp vier Monate eine schwere Dürre. Fallweise erreichten die Werte beinahe die Schwelle zur extremen Dürre. Die klimatologische Einordnung entspricht damit den sichtbaren Auswirkungen an den Urfahraner Bächen.

Eine Kooperation zwischen Bibern und Beaver Lab am Höhepunkt der Trockenheit.

Eine Kooperation zwischen Bibern und Beaver Lab am Höhepunkt der Trockenheit.

Weitere Biberdammimitate und Refugialhabitate am Sammelgerinne.

Weitere Biberdammimitate und Refugialhabitate am Sammelgerinne.

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz mit Umweltstadträtin Mag.a Eva Schobesberger und Finanzreferent Stadtrat Thomas Gegenhuber zu den „Auswirkungen der monatelangen Dürre auf die Linzer Gewässer und Erfolge von Beaver Lab“)

Weitere Gesprächspartner*innen:
DI Georgios Kyriazis, Bereichsleiter Wasserbau
Franziska Thurner, Beaver Lab
Fabian Holzinger, Beaver Lab

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