Hitzesommer 2026 in Linz – eine Bilanz 2026 ist das Jahr mit der höchsten Anzahl an Hitzetagen und Tropennächten
Ausblick: Linz bewirbt sich als Pionierstadt für mehr Klimaresilienz
Hohe Temperaturen, zahlreiche Hitzetage und Tropennächte prägten den Sommer 2026 in Linz. Besonders im dicht bebauten Stadtgebiet wirken sich längere Hitzeperioden spürbar auf das Stadtklima und die Lebensqualität der Bevölkerung aus. Die aktuellen Messdaten und Auswertungen der Linzer Stadtklimatologie liefern ein detailliertes Bild der klimatischen Bedingungen der vergangenen Monate.
„Der Sommer 2026 führt deutlich vor Augen, wie stark die Folgen des Klimawandels bereits heute in Linz spürbar sind. Lange Hitzeperioden, Tropennächte und anhaltende Trockenheit belasten die Menschen und Tiere ebenso wie Grünräume, Bäume und Gewässer. Hitze und Trockenheit betreffen die Lebensqualität und Gesundheit der Linzer*innen und stellen auch unsere Grünräume vor große Herausforderungen. Deshalb müssen wir unsere Stadt Schritt für Schritt widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels machen. Mehr Grün und Schatten sowie klimaangepasste öffentliche Räume sind dabei zentrale Hebel. Mit unserer Bewerbung als Pionierstadt wollen wir diesen Weg konsequent weitergehen und die Klimaresilienz in Linz weiter stärken“, betont Klimastadträtin Mag.a Eva Schobesberger.
Rekordsommer zeigt zunehmende Hitzebelastung in Linz
Der Sommer 2026 stellt klimatologisch alle bisherigen Sommer in Linz in den Schatten. Mehrere Hitzewellen, wobei die erste außergewöhnlich früh bereits Ende Mai eintrat, sorgten flächig für äußerst hohe Spitzentemperaturen von über 39 °C und führten am 31. Juli 2026 zu gemessenen Höchstwerten von 39,7 °C am Stadtgebiet.
Diese Hitze, in Kombination mit einer durch den ausbleibenden Niederschlag bereits über mehrere Monate anhaltenden Trockenheit, führten zu extremer Hitzebelastung für Menschen und Tiere sowie Hitze- und Trockenstress der Vegetation und ausgetrockneten Bächen. Diese Effekte verstärkten sich darüber hinaus gegenseitig – ohne ausreichend Flüssigkeit sinkt die Fähigkeit von Wiesen, Vegetation und Bäumen durch Verdunstung und Evapotranspiration zu kühlen.
In Summe präsentiert sich der Sommer 2026 als der heißeste bislang seit zumindest den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Die für 1961 – 1990 typische mittlere Temperatur während des Sommers wurde um mehr als 4,5 °C überschritten.

Die Temperatur nur weniger Tage war der Jahreszeit angemessen, insgesamt waren nur drei zu kühl. Der überwiegende Großteil lag deutlich über den für die Jahreszeit typischen Temperaturen.
Darüber hinaus fiel im gesamten Jahr, auch über die vergangene Vegetationsperiode hinweg, deutlich zu wenig Regen. Winter, Frühling und Sommer haben ein sehr hohes Niederschlagsdefizit aufgebaut welches allein seit Anfang 2026 zirka dem 100-fachen Inhalt des Pleschinger Sees entspricht. Im Frühling 2026 fiel so wenig Niederschlag wie nur in einem anderen Frühling seit den 1960ern. Auch der Sommer war außergewöhnlich trocken: Nur vier Sommer verzeichneten noch geringere Niederschlagsmengen. Dies führte letztlich zur Austrocknung mehrerer Linzer Bäche, darunter auch des Haselbachs.
Foto: Dormayer
Die Kombination aus Niederschlagsdefizit mit hoher solarer Einstrahlung und den hohen Temperaturen ergibt über die letzten 365 Tage eine extreme Dürre Situation im Linzer Stadtgebiet. Während einzelne Regenereignisse die Situation kurzfristig verbessern, fehlt über längere Zeiträume eine riesige Regenmenge. Der Boden ist noch bis in tiefere Schichten zu trocken.

Der Juli 2026 wäre für den Zeitraum 1961 – 1990 mit einem Abstand von mehr als 1 °C der zweitheißeste Juli gewesen. Die Sommermonate Juni und August nahmen hingegen Extremplätze in der Klimatologie ein. Der Juni 2026 gilt als der drittheißeste Juni und der August 2026 als der heißeste Augustmonat seit zumindest 1961.
Entsprechend wurde auch eine noch nie dagewesene Höchstzahl an Hitzetagen und Tropennächten an der Messstelle der GeoSphere Austria erreicht. Bislang ist 2026 somit das Jahr mit der höchsten Zahl an Hitzetagen (46) und Tropennächten (20).

Dies spiegelt sich auch in den Hitzewellen dieses Jahres wider. Insgesamt ergeben sich an der Messstelle der GeoSphere Austria 48 Hitzewellentage (Kyselytage), ebenfalls der bisherige Höchstwert seit den 1930er Jahren. Tage werden dann als Teil einer Hitzewelle gezählt, sobald drei Hitzetage hintereinander auftreten. Die Zählung endet erst, wenn die thermische Belastung durch einen kühlen Tag endet (die Höchsttemperatur fällt unter 25 °C) oder der Mittelwert der Höchsttemperaturen während der Hitzewelle unter 30 °C fällt.
Durch den Klimawandel werden Hitzephasen nicht nur wahrscheinlicher und länger, auch die Höchsttemperaturen, die erreicht werden, steigen. Für Linz ist diese Verschiebung hin zu heißeren Tagen an der Messstelle der GeoSphere Austria über die Jahre deutlich sichtbar. Während die häufigste Höchsttemperatur 1931 – 1960 noch bei ca. 24 °C lag, lag diese 1991 – 2002 schon bei 25-27 °C. Im Sommer 2026 kamen Spitzentemperaturen von 25 °C bis knapp über 30 °C bereits beinahe gleich häufig vor. Insbesondere Tageshöchsttemperaturen von über 30 °C waren nie so häufig wie diesen Sommer.

Die thermische Belastung in Linz ist jedoch nicht gleich verteilt, das städtische Messnetz zeigt die Unterschiede deutlich auf.
Besonders belastet sind Messstellen in der Kernstadt, wo hohe Versiegelungsgrade vorliegen, hohe Gebäudevolumina und eine geringe Durchgrünung. Zusätzlich verstärkt wird die Überhitzung durch eine bereits eingeschränkte Durchlüftung.

Die Zahl der im Stadtgebiet gemessenen Hitzetage variierte zwischen 23 und 50. Tagsüber sind insbesondere Messstellen auf größerer topographischer Höhe oder in Bereichen mit großen Grünflächenanteilen weniger hitzebelastet. Darüber hinaus tragen jedoch gerade ausreichende und großflächige Verschattung, besonders durch Bäume, am Messort sowie in dessen Umgebung als auch lokale und großflächige Windsysteme zur Reduktion der thermischen Belastung bei.
Neben Hitzetagen (Höchsttemperaturen von 30 °C oder mehr) wurden dieses Jahr jedoch auch mehrfach sogenannte Wüstentage festgestellt (Höchsttemperaturen von 35 °C oder mehr). An besonders betroffenen Messstellen traten diese bis zu 11-mal auf, an den weniger belasteten 6-mal. Die Hitze ist dabei aber nicht auf die Kernstadt beschränkt, auch in weniger dicht verbauten Stadtteilen kann es zum Beispiel durch intensive solare Einstrahlung und lokal stärker versiegelte Bereiche in Kombination mit lokalklimatischen Besonderheiten zu hohen Lufttemperaturen kommen.
Am deutlichsten ausgeprägt ist die ungleiche Verteilung der Hitzelast während der Nachtstunden. Besonders Messstellen im Einflussbereich von Kaltluftabflüssen, Luftleitbahnen oder mit allgemein besserer Exposition gegenüber großräumigeren Luftströmungen, bzw. in Bereichen mit hohen Durchgrünungsgrad weisen vergleichsweise niedrige nächtliche Mindesttemperaturen auf. Dennoch gab es im Sommer 2026 keine einzige Messstelle ohne Tropennächte.
Die geringste Zahl an Tropennächten (weniger als 10) gab es an den Messstellen
- Wambach (Kaltluftabfluss, Westwind, hoher Durchgrünungsgrad)
- Wasserwald (Westwind, hoher Durchgrünungsgrad)
- Bachlbergweg und Diesenleitengraben (Kaltluftabfluss Diesenleitengraben)
- kleiner Weikerlsee, Probstaustraße (Westwind, hoher Durchgrünungsgrad, Übergang zum Umland)
- Haselgraben (Haselgrabenwind, teils hohe Durchgrünung)


Städtische Klimaarbeit
Die diesjährige dramatische Zunahme an Hitzeereignissen und Extremereignissen, die klimatischen Entwicklungen der letzten Jahre und Jahrzehnte, zeigen die Notwendigkeit der städtischen Klimaarbeit. Einerseits stellt die Umsetzung des Klimaneutralitätskonzept den wichtigen Beitrag von Linz zum globalen Klimaschutz dar – nur so kann die rasante Klimaveränderung und -erhitzung gestoppt werden. Handlungen, die jetzt gesetzt werden, beeinflussen beispielsweise inwieweit sich Hitzeextrema bis Ende des Jahrhunderts noch weiter verschärfen werden.
Auf der anderen Seite trägt das Klimaanpassungskonzept „Zukunft Linz“ dazu bei, die nicht mehr abwendbaren und bereits auftretenden Auswirkungen des Klimawandels in Linz zu mindern. Das Konzept wurde gemeinsam mit einem Aktionsprogramm Ende Juni 2023 als grundlegende Leitlinie für die notwendige Klimawandelanpassung beschlossen. Es steckt die Rahmenbedingungen ab, wie die Lebensqualität im Stadtgebiet trotz der Folgen der globalen Erwärmung bestmöglich erhalten und, wenn möglich, auch verbessert werden kann.
Gemeinsam arbeiten verschiedenste Geschäftsbereiche und Mitglieder der Unternehmensgruppe Linz daran, die Klimaresilienz der Stadt zu erhöhen. Der Jahresbericht zur Klimawandelanpassung zeigt die aktuellen Umsetzungsschritte und präsentiert weitere Maßnahmen der Stadt Linz.
Linz bewirbt sich als „Pionierstadt“ für mehr Klimaresilienz
Die Stadt Linz hat am 15. September im Rahmen der bundesweiten Ausschreibung „Pionierstadt – Partnerschaft für zukunftsfitte Großstädte“ des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur sowie des Klima- und Energiefonds und der Forschungsförderungsgesellschaft einen Antrag für eine dreijährige Kooperation zur Stärkung der urbanen Klimaresilienz eingereicht.
Mit einer möglichen Förderung von bis zu 700.000 Euro sollen die Weiterentwicklung des Klimawandelanpassungskonzepts „Zukunft Linz“, der Ausbau von Kompetenzen innerhalb der Stadtverwaltung sowie die Umsetzung innovativer Projekte zur Anpassung an den Klimawandel vorangetrieben werden. Im Fokus stehen Maßnahmen, die Linz widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels machen und gleichzeitig Lebensqualität, Gesundheit, attraktive öffentliche Räume und nachhaltige Mobilität stärken.
Die Einreichung baut auf bestehenden Klimaschutz- und Klimaanpassungsprojekten der Stadt auf und nutzt Synergien mit laufenden Initiativen, beispielsweise dem Pionierstadtprojekt „Linz mit Ambitio3xn“. Die Koordination und Ausarbeitung des Antrags erfolgte federführend durch die Abteilung Stadtklimatologie und Umwelt, ein Förderentscheid wird für Ende des Jahres erwartet.
(Unterlage zur Pressekonferenz von Klimastadträtin Mag.a Eva Schobesberger, Dr.-Ing. Hans-Martin Neumann, Direktor Geschäftsbereich Planung, Technik, Umwelt und Mag. Johannes Horak, PhD, Stadtklimatologe)
Fotos
- Druckdatei (JPG | 305 KB) 17 x 12 cm mit 300 dpi Foto: Privat
(v.l.): Dr.-Ing. Hans-Martin Neumann, Direktor Geschäftsbereich Planung, Technik, Umwelt, Klimastadträtin Mag.a Eva Schobesberger und Stadtklimatologe Mag. Johannes Horak, PhD ziehen Bilanz über den Hitzesommer 2026
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