Medienservice vom: 05.10.2026

„Was ich anhatte …“: Ausstellung zu sexualisierter Gewalt Wanderausstellung vom 5. Oktober bis 15. Oktober im Foyer Altes Rathaus mit Rahmenprogramm

Franzi, Angela, Bibi, Caro …: die Betroffenen sind unterschiedlich alt, haben diverse Hintergründe und leben an verschiedenen Orten in Deutschland und Österreich, doch sie haben eines gemeinsam: Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt. In der Wanderausstellung „Was ich anhatte…“, die vom 5. Oktober bis 15. Oktober im Foyer Altes Rathaus der Stadt Linz Halt macht, berichten zwölf Betroffene von sexuellen Übergriffen, die sie erlebt haben. Sie wollen nicht mehr schweigen und Opfer sein, sondern anderen Betroffenen Mut machen, ihre Scham zu überwinden und Übergriffe anzuklagen. Neben der Ausstellung stellen mehrere Workshops, Aktionen und eine Podiumsdiskussion zehn Tage lang das Thema sexualisierte Gewalt in den Fokus.

„Was ich anhatte …“ ist eine Wanderausstellung, die die Erfahrungen von Menschen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben, anhand der Kleidung sichtbar macht, die sie zum Zeitpunkt des Übergriffs trugen. Die zentrale Botschaft: Frauen werden nicht vergewaltigt, weil sie einen Minirock tragen oder sich „zu freizügig“ verhalten. Vergewaltigung hat mit Gewalt und Machtausübung zu tun – niemals mit der Kleidung, dem Aussehen oder dem Verhalten der betroffenen Person.

„Seit Gisèle Pelicot erfahren wir fast wöchentlich von neuen Verbrechen, ja ganzen Netzwerken von Männern, die Frauen betäuben, vergewaltigen und danach Videos und Handlungsanweisungen online teilen. Diese Vorgehensweise ist in seiner ganzen Niedertracht die Spitze des Eisbergs sexualisierter Gewalt gegen Frauen. Gemeinsam tun wir im Linzer Frauenressort mit vielen Verbündeten alles in unserer Macht Stehende, um über diese Gewalt aufzuklären und dagegen anzukämpfen. Mit der Ausstellung wollen wir sichtbar machen, was Frauen erleben, und gleichzeitig ein klares Zeichen gegen Schuldzuweisungen setzen. Die Verantwortung für einen Übergriff liegt niemals bei der betroffenen Person, sondern allein beim Täter“, so Frauenstadträtin Mag.a Eva Schobesberger.

Dennoch sind Schuldzuweisungen an Betroffene nach wie vor weit verbreitet. Dieses sogenannte „Victim Blaming“ kann dazu führen, dass Betroffene sich selbst die Schuld geben, sich schämen oder aus Angst vor Verurteilung schweigen. Die Ausstellung stellt sich bewusst gegen diese Täter-Opfer-Umkehr und macht deutlich: Kleidung, Auftreten oder Verhalten können niemals eine Rechtfertigung für sexualisierte Gewalt sein. 

„Wenn wir es als Gesellschaft noch immer nicht schaffen, sexualisierte Gewalt zu verhindern, müssen wir dafür für Schutz und Sicherheit sowie adäquate Unterstützung sorgen. Betroffene brauchen dann vor allem eines: das Gefühl, selbst entscheiden zu können, was als Nächstes passiert. Ob und wann sie über das Erlebte sprechen, welche Unterstützung sie annehmen oder ob sie Anzeige erstatten, sollte nicht von außen vorgegeben werden. Wir müssen ihnen zur Seite stehen, ohne ihnen Entscheidungen abzunehmen“, betont Andrea Ilsinger vom autonomen Frauenzentrum, das als spezialisierte Fachberatungsstelle Frauen bei allen Formen von sexualisierter Gewalt, sexuellen Übergriffen oder Belästigung berät und begleitet.

Die Exponate der Ausstellung sind größtenteils Original-Kleidung der teilnehmenden Personen. Wenn diese nicht mehr existierte, wurde sie nach den Vorgaben der Betroffenen originalgetreu in Secondhandläden nachgekauft. Die jeweiligen Berichte zum Kleidungsstück sind unverändert. Die jüngste Teilnehmerin war bei der Tat sechs Jahre alt, die älteste ist über achtzig. „Als Wanderausstellung thematisiert das Projekt künstlerisch sexualisierte Gewalt gegen Frauen. Es beleuchtet Grauzonen, bringt Tabus in den öffentlichen Raum und ist keine leichte Kost. Im Vordergrund steht das Erzählen diverser Geschichten erlebter sexualisierter Gewalt“, so Beatrix Wilmes, Organisatorin der Ausstellung.

Ergänzend zur Ausstellung bieten Workshops und Aktionen die Möglichkeit, sich intensiver mit Themen wie Gewaltprävention, toxischer Männlichkeit, Zivilcourage und dem Umgang mit Betroffenen zu beschäftigen. Die abschließende Podiumsdiskussion am 15.10. mit einer Kuratorinnenführung und fachlichem Input von Männlichkeitsforscher Christoph May bringt unterschiedliche Perspektiven zusammen und schafft Raum für Austausch und Diskussion. Damit soll die Ausstellung nicht nur informieren, sondern auch dazu beitragen, ein Bewusstsein für sexualisierte Gewalt zu schaffen und Betroffene zu ermutigen, sich Unterstützung zu holen.

Highlights aus dem Rahmenprogramm

  • Ankreideaktion gegen Sexismus und sexuelle Belästigung mit den Catcalls of Linz (05.10., 10:30 Uhr)
  • Workshop für Schulen: „Warum fragen wir eigentlich: Was hattest du an?“ mit Wildwüchsig Wissenswerkstatt (6. und 13.10., 9 bis 12 Uhr)
  • Workshop: „Belastungsreaktionen bei Opfern und deren Auswirkungen auf Gerichtsverfahren“ für Sicherheits- und Justizpersonal mit dem autonomen Frauenzentrum (7.10., 9 bis 12 Uhr)
  • Workshop: „Mut beginnt mit dir – Zivilcourage zählt“ mit StoP Linz – Stadtteile ohne Partnergewalt Linz (8.10., 17 bis 19 Uhr)
  • Workshop: „Rage Writing – Handlungsstrategien gegen die Ohnmacht“ mit Klara Charlotte Zeitz (13.10., 17 bis 20 Uhr)
  • Workshop: „Gewaltprävention: Handlungssicherheit bei Grenzverletzungen“ mit dem autonomen Frauenzentrum (14.10., 10 bis 12 Uhr)
  • Workshop und StoP-Männertisch: „Toxische Männlichkeit. Ein Aussteigerprogramm für Einsteiger“ mit Christoph May, StoP Linz, Stadtteilzentrum Franckviertel-Bulgariplatz und Pfarre Linz-Mitte (14.10., 18 bis 20 Uhr)
  • Finissage mit Kuratorinnenführung und Podiumsdiskussion mit Frauenstadträtin Mag.a Eva Schobesberger, Beatrix Wilmes (wasichanhatte), Christoph May (Detox Masculinity), autonomes Frauenzentrum und StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt (15.10., 18 bis 20 Uhr)

Links: Ausstellung und Programm:

www.linz.at/wasichanhatte
Hintergrundinfos zur Wanderausstellung: www.wasichanhatte.de
autonomes Frauenzentrum: www.frauenzentrum.at 
Catcalls of Linz: www.catcallsoflinz.at
StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt: www.stop-partnergewalt.at/linz
Wildwüchsig Wissenswerkstatt: https://wildwuechsig.com/ 
Christoph May, Detox Masculinity: www.detoxmasculinity.institute 
 

(Presseunterlage zur Pressekonferenz mit Frauenstadträtin Mag.a Eva Schobesberger, Andrea Ilsinger, Geschäftsführung autonomes Frauenzentrum und Abena Carty-Pinner, Frauenbeauftragte der Stadt Linz)

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