Baumschutz auf Baustellen
Baumschutz auf Baustellen: Verantwortungsvoll handeln für eine grüne Zukunft
Bäume sind wertvolle Bestandteile unserer Umwelt und tragen wesentlich zur Lebensqualität in urbanen Räumen bei. Auf Baustellen ist es daher besonders wichtig, sie vor Schäden zu schützen. Um dies zu gewährleisten, gelten klare Regeln für den Schutzbereich und den Umgang mit Bäumen während der Durchführung von Bauarbeiten. Die Schutzmaßnahmen der Stadt Linz wurden auf Grundlage der ÖNORM L 1121 (Schutz von Gehölzen und Vegetationsflächen bei Baumaßnahmen) erstellt.
Schutzbereich: Der sichere Raum für den Baum
Der Schutzbereich eines Baumes orientiert sich an seiner Kronenaußenkante (Traufe). Zusätzlich wird ein Sicherheitsstreifen von 1,5 Metern auf allen Seiten des Baumes hinzugefügt. Bei säulenförmigen Bäumen ist dieser erweiterte Schutzbereich auf eine Breite von 5 Metern erweitert. Innerhalb dieses Bereichs ist jegliches Befahren oder Ablagern von Maschinen, Baumaterialien oder anderen Gegenständen untersagt.
Innerer Schutzbereich: statisch relevanter Bereich
Bei Bäumen ist die Fläche des inneren Schutzbereiches definiert durch eine Kreisfläche, deren Radius mindestens 2,5 Meter beträgt. Bei Bäumen in unbeeinträchtigten Grünflächen (z.B. Parkanlagen) beträgt dieser Radius das 4-fache des Stammumfanges, wobei jeweils von der Stammaußenseite in 1,0 Metern Höhe gemessen wird. Hierbei handelt es sich um den statisch relevanten Schutzbereich des Baumes. In diesem Bereich sind Grabungsarbeiten untersagt.
Verdichtungen vermeiden: Schutz des Wurzelbereichs
Unsachgemäße Lagerungen, wie das Abstellen von Baumaterial, Containern oder Baumaschinen im Wurzelbereich sind zu unterlassen, ebenso wie das Befahren mit schweren Maschinen. Solche Lagerungen und Tätigkeiten im Schutzbereich des Baumes führen zu Bodenverdichtungen, die schwerwiegende Folgen für den Baum haben können:
- Eingeschränkter Gasaustausch: Verdichteter Boden verhindert den Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid, der für die Wurzeln lebenswichtig ist.
- Blockiertes Niederschlagswasser: Verdichtungen behindern das Einsickern von Regenwasser, wodurch die Wurzeln nicht ausreichend mit Feuchtigkeit versorgt werden.
- Gestörte Bodenökologie: Mikroorganismen, die für die Gesundheit des Bodens und die Nährstoffversorgung des Baumes essenziell sind, können sich in verdichtetem Boden nicht entwickeln.
Eine anhaltende Bodenverdichtung kann dazu führen, dass die Wurzeln absterben, was nicht nur die Gesundheit des Baumes gefährdet, sondern auch seine Standfestigkeit beeinträchtigt.
Warum ist der Schutzbereich so wichtig?
Die Wurzeln eines Baumes übernehmen nicht nur die Versorgung mit Wasser und Nährstoffen, sondern auch die Stabilisierung des Baumes. Arbeiten oder Schäden im Wurzelbereich können die Standfestigkeit des Baumes erheblich beeinträchtigen. Dies stellt nicht nur ein Risiko für den Baum selbst dar, sondern auch ein hohes Sicherheitsrisiko für Menschen und umliegende Gebäude. Bei Irreversiblen Schäden im Wurzelbereich ist die Verkehrssicherheit des Baumes nicht mehr gegeben.
Verantwortung auf der Baustelle
Um die Gesundheit und Sicherheit der Bäume zu gewährleisten, sind alle Beteiligten auf der Baustelle dazu verpflichtet, die Schutzmaßnahmen einzuhalten. Folgende Maßnahmen sind bei Bauarbeiten zu beachten:
- Das Einrichten von klar gekennzeichneten Schutzbereichen.
- Die Vermeidung von Arbeiten, Lagerungen oder Verdichtungen innerhalb dieser Zonen.
- Eine sorgfältige Planung, um Eingriffe in den Wurzelbereich zu vermeiden.
- Grabungen im Schutzbereich der Bäume sind zu unterlassen
Wenn Grabungen nicht vermeidbar sind
Bei Grabungen im Schutzbereich des Baumes ist ein wurzelschonender Bodenaushub unerlässlich. Der Aushub muss entweder per Hand, mittels Absaugung oder per Freispülung erfolgen, um die Wurzeln nicht zu beschädigen. Auch der Einsatz von Luftdrucklanzen zum Auflockern des Bodens ist möglich.
Freigelegte Wurzeln von mehr als 3 cm Durchmesser dürfen nicht abgeschnitten oder abgetrennt werden und sind vor Austrocknung und Frosteinwirkung zu schützen. Sollten dennoch Wurzeln beschädigt werden, sind sie händisch nachzuschneiden und fachgerecht zu versorgen, um die Bildung von Fäule zu vermeiden.
Als vorbeugende Maßnahme kann vor Grabungsarbeiten auch ein Wurzelvorhang errichtet werden, je nachdem wie groß der geplante Eingriff ist. Der Bau des Wurzelvorhanges hat vor Beginn der Bautätigkeiten zu erfolgen. Dabei wird händisch ein schmaler Graben ausgehoben, der mit Hilfe eines Drahtgeflechts und einer Sackleinwand abgedeckt und mit einer Holzschalung befestigt wird. Der ausgegrabene Wurzelbereich wird hinterfüllt, eingeschlämmt und feucht gehalten. Dadurch kann die Lebenserwartung des Baumes erhöht und die Standsicherheit auch während und nach den Bauarbeiten gewährleistet werden.
Gemeinsam für den Baumschutz
Der Schutz von Bäumen auf Baustellen ist ein entscheidender ein Beitrag zur nachhaltigen Stadtentwicklung. Indem wir achtsam mit unseren Bäumen umgehen, bewahren wir nicht nur ihre Schönheit, sondern auch ihre ökologischen und klimatischen Funktionen.
Für weitere Informationen oder Beratung zum Thema Baumschutz auf Baustellen steht Ihnen die Stadt Linz gerne zur Verfügung.