Erinnerungszeichen für NS-Opfer in Linz

Die Stadt Linz beschäftigt sich seit Jahrzehnten auf vielfältige Weise mit ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit. Mit den Erinnerungszeichen, die im Stadtraum jüdischen Opfer der Shoah ein ehrendes Gedenken ermöglichen, beschreitet Linz nun einen eigenständigen Weg.

 

Die Erinnerungszeichen sind permanente, von der Stadt Linz errichtete Stelen, die ein personalisiertes Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus, insbesondere an verfolgte, vertriebene und ermordete Linzer Jüdinnen und Juden, ermöglichen. Die vom oberösterreichischen Künstler Andreas Strauss kreierten Messingstelen mit Klingeln verknüpfen auf sehr anschauliche Weise die wissenschaftlich basierte Aufklärung zu NS-Verbrechen mit der emotionalen Dimension des Erinnerns.

 

In enger Abstimmung mit der Israelitischen Kultusgemeinde Linz und Nachkommen der Opfer recherchierte die Theologin Verena Wagner, die seit 2001 an der Erforschung der jüdischen Geschichte von Linz und Oberösterreich arbeitet, im Auftrag der Stadt Linz die Daten aller jüdischen Linzer*innen, die vom nationalsozialistischen Regime deportiert und ermordet wurden. Auch Opfer, die in die Flucht oder in den Selbstmord getrieben wurden, sind dabei erfasst worden.

 

Jede Stele ist aus Messing gefertigt. Darauf sind Name und Geburtsjahr der Opfer des Nationalsozialismus sowie Angaben zur Deportation, Ermordung, Selbstmord oder Flucht graviert. Der Aufstellungsort befindet sich freistehend in der Nähe von jenen Straßenzügen, wo diese Personen ihre letzte, frei gewählte Wohnadresse in Linz zum Zeitpunkt des Anschlusses im März 1938 hatten. Die während der Sommermonate montierten 17 Stelen umfassen 53 ehemalige Wohnorte und gedenken insgesamt 144 Linzer*innen.

 

Im Rahmen einer feierlichen Zeremonie am 15. September, dem internationalen Tag der Demokratie, wurde stellvertretend für alle anderen errichteten Stelen das Erinnerungszeichen am Alten Markt von Oberrabbiner Jaron Engelmayer eingeweiht, in Anwesenheit des israelischen Botschafters Mordechai Rodgold sowie der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Linz Charlotte Herman. Rund 70 Nachkommen von 15 jüdischen Linzer Familien reisten aus dem Ausland (USA, Kanada, Israel, Argentinien, Deutschland und England) an, um dieser außergewöhnlichen Zeremonie beizuwohnen und die neu errichteten Stelen als Gedenken ihrer ermordeten und vertriebenen Familienmitglieder zu besichtigen.

 

Im Frühjahr 2023 werden weitere Erinnerungszeichen in der Linzer Innenstadt errichtet.

 

Unterlagen Pressetermin September 2022 – Errichtung von 17 Erinnerungszeichen

www.linzerinnert.at

Stadtgeschichte Linz – Aufarbeitung Nationalsozialismus

 

 

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