Fatlinda Ibraimi
Geburtsland:
Nordmazedonien
Gesprochene Sprachen:
Deutsch, Englisch, Albanisch
Tätigkeit und Engagement:
Teach For Austria
Mit sieben Jahren kam ich nach Österreich – ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. Dass ich die Schule dennoch erfolgreich abschließen konnte, verdanke ich einer engagierten Lehrkraft und der bedingungslosen Unterstützung meiner Eltern. Diese Erfahrung hat mich geprägt und mir früh gezeigt, wie viel Bildung bewirken kann – wenn die richtigen Menschen da sind.
Später wurde ich in der Jugendarbeit aktiv und merkte schnell: Der Umgang mit Kindern und Jugendlichen liegt mir. Also entschied ich mich für ein Lehramtsstudium und arbeitete anschließend vier Jahre lang als Pädagogin. Um mein Verständnis zu vertiefen, absolvierte ich danach einen Master in Sozialer Arbeit. Dort beschäftigte ich mich intensiv mit Rassismus und Diskriminierung im Bildungswesen – und lernte zum ersten Mal Begriffe und Theorien für das kennen, was ich bis dahin nur gespürt hatte.
Mir wurde klar: Genau hier will ich weiterarbeiten. Bei Teach For Austria kann ich direkt im Bildungsbereich wirken und an der Wurzel ansetzen, damit alle Kinder und Jugendlichen dieselben Chancen bekommen. Weil ich noch mehr bewirken wollte, bin ich mittlerweile im Training & Coaching tätig und bilde selbst quereinsteigende Lehrkräfte aus – so kann ich meine Erfahrung weitergeben und noch breiter wirken.
Meine Erstsprache ist Albanisch. Deutsch habe ich als Kind in Österreich gelernt, Englisch kam später in der Schule dazu.
Sprachen haben mich schon immer fasziniert – ich habe früh gemerkt, wie viel leichter einem die Welt offensteht, wenn man eine Sprache wirklich beherrscht.
Denn Sprache ist Macht. Sie entscheidet darüber, ob man gehört wird oder übersehen, ob man mitreden kann oder außen vor bleibt, ob einem Chancen offenstehen oder verschlossen werden. Ich habe das selbst erlebt: Als Kind, das kein Deutsch konnte, war ich zunächst auf die Unterstützung anderer angewiesen. Erst mit der Sprache kam die Möglichkeit, mich auszudrücken, mitzugestalten und gleichberechtigt teilzuhaben. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, wie eng Sprache mit Zugehörigkeit, Bildung und Selbstwirksamkeit verknüpft ist – und wie wichtig es ist, Kindern und Jugendlichen genau diesen Zugang zu ermöglichen.
Bei Teach For Austria habe ich die Möglichkeit gefunden, genau dort anzusetzen, wo Veränderung beginnt: im Klassenzimmer und an der Wurzel des Bildungssystems, damit alle Kinder und Jugendlichen dieselben Chancen bekommen. Mein Engagement endet aber nicht bei der eigenen Wirkung – ich möchte multiplizieren. Im Training und Coaching gebe ich meine Erfahrung weiter und trage dazu bei, dass noch mehr Kinder und Jugendliche die gleichen Chancen bekommen, die mir einst ermöglicht wurden.
Linz ist der rote Faden durch meinen gesamten Weg. Hier bin ich aufgewachsen und habe meine Schul-und Studienzeit gemeistert. Bei der Muslimischen Jugend Linz habe ich meine ersten Erfahrungen in der Jugendarbeit gesammelt und bin die ersten Schritte in der Arbeitswelt gegangen. Diese Stadt ist für mich zu einer zweiten Heimat geworden – ich fühle mich dieser Stadt sehr verbunden.
Fatlinda Ibraimi erzählt im Rahmen des Projekts "Gesichter der Mehrsprachigkeit" des Integrationsbüros der Stadt Linz, was Sprache für sie bedeutet.